Stallklima in Rinderstallungen (Teil 3)

Rinder benötigen beste Arbeitsbedingungen um optimale Leistungen zu erreichen. – Wie kann man diese in der Praxis überprüfen?
Sowohl Mensch als auch Tier haben ein Recht auf entsprechende „Arbeitsbedingungen“.
Sowohl Mensch als auch Tier haben ein Recht auf entsprechende „Arbeitsbedingungen“.
Schafft es der Bauer, dieses Optimum herzustellen, kann er sich gesunde und leistungsbereite Tiere erwarten. Licht und Luft werden von den Tieren genauso benötigt und aufgenommen, wie Futtermittel. Diese Faktoren beeinflussen nicht nur die Gesundheit, sondern insbesondere auch die Leistung der Tiere. Die Elemente Licht und Luft sind kostenfrei und sollten in ihrer Qualitätsbereitstellung ähnlich wie Futtermittel angesehen werden. Man könnte sie durchaus als physiologische „Lebensmittel“ betrachten.

Das Stallklima in der Rinderhaltung wird heute vielfach nicht ausreichend berücksichtigt und verursacht dadurch vom Tierhalter unbemerkte gesundheitliche Probleme sowohl beim Tier als auch beim Menschen. Besonders Kälber und Jungtiere reagieren zum Teil sehr empfindlich, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass in manchen europäischen Ländern die Kälbersterblichkeit immer noch bei 25 % liegt. Dagegen wird in der Geflügel- und Schweinehaltung bereits seit vielen Jahren auf die Optimierung des Stallklimas Bedacht genommen.

Wenn schlechtes Stallklima augenscheinlich ist
Auch ohne Messgeräte, kann man sehr schnell erkennen, dass das Stallklima nicht in Ordnung ist:
• Ist über dem Fenstersturz die Außenmauer schwarz verfärbt, dann erfolgt eine Fensterlüftung mit konstant schlechter Luftqualität.
• Spinnweben im Stall deuten auf geringe Luftbewegung.
• Wenn Kühe stehen bleiben, kann die Ursache eine unzureichende Kühlung im Bereich der Liegeboxen sein.
• Wenn Kühe in Gängen und Türöffnungen stehen bleiben, sind der Luftwechsel (schlechte Luftqualität) und/oder auch die Kühlung zu gering.
• Wenn Fenster beschlagen sind, Metallteile verrostet, an Mauerecken schwarze Schimmelflecken und die Wände schwitzen, dann ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch.
• Fliegenplagen kann man mit mehr Luftbewegung bekämpfen.
• Stinkt die Kleidung, wenn man nur kurz durch den Stall geht, ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch und Luftqualität schadstoffbelastet.
• Haben die Kühe einen Reizhusten, so ist die Luft zu trocken (Gefahr für Atemwegserkrankungen)
• Muss man zur Unterhaltung laut reden, so ist der Geräuschpegel zu hoch.

Das Außenklima hat naturgemäß einen starken Einfluss auf das Stallklima. Für Neubauten ist es oft nicht möglich, bereits in der Planungsphase ein optimales Stallklima durch Bauausführung und Einrichtung zu berücksichtigen, da jeder Stall andere Umweltbedingungen aufgrund seiner Lage zum Gelände, Wind, Wetter und Sonneneinstrahlung hat. Häufig stellt man fest, dass Stallungen, die im Winter ein schlechtes Stallklima aufweisen, auch im Sommer Probleme in diesem Bereich haben.
Den Ansprüchen der Kühe sollte bei jeden Planungs- und Baumaßnahmen soweit als möglich Rechnung getragen werden. Die Optimierung des Stallklimas kann aber oft erst im Nachhinein vorgenommen werden. Beratungsempfehlungen können oft mit großem Erfolg und zumeist geringen Investitionen umgesetzt werden.

Autor: Dipl.-Ing. Michael PICHLER, Leiter der Beratungsstelle Milchproduktion, Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Salzburg


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Aktualisiert am: 20.01.2010 16:37
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