Stallklima in Rinderstallungen (Teil 2): Rinder benötigen beste Luftqualität um optimale Leistungen

Seit der Domestikation werden den Tieren durch den Menschen Haltungsbedingungen vorgegeben, die sich aber eher nach den grundsätzlichen Bedürfnissen des Menschen und weniger nach den Ansprüchen der Tiere richten. Ein intensives Beobachten der Nutztiere durch deren Halter kann oft wertvolle Erkenntnisse zur Verbesserung und optimalen Gestaltung der Haltungsformen mit sich bringen. Instinktiv suchen die Tiere entsprechenden Komfort und das Optimum für ihr Wohlbefinden.
Ein ungehinderter Luftaustritt am Lichtfirst ist zu gewährleisten.
Ein ungehinderter Luftaustritt am Lichtfirst ist zu gewährleisten.
Dem Stallklima in der Rinderhaltung wird heute vielfach nicht die ausreichende Aufmerksamkeit geschenkt. Auf vielen Betrieben sind tiergesundheitliche Probleme zu beobachten. Dies gilt insbesondere auch für die Kälber- und Jungviehhaltung. Dabei zeigen Untersuchungen, dass in einigen Ländern Europas die Kälbersterblichkeit bis zu 25 % beträgt. In der Geflügel- und Schweinehaltung wird bereits seit vielen Jahren auf die Optimierung Bedacht genommen. Neben ausreichenden Möglichkeiten, die stallklimatische Situation bei bestehenden Stallungen zu verbessern, sollten insbesondere für neue Stallungen oder größere Umbauten bereits in der Planung die wesentlichen Grundsätze Beachtung finden.
Zu den wichtigsten Faktoren im Bereich des Stallklimas zählen:
• Licht
• Lärm
• Lufttemperatur
• Luftfeuchtigkeit
• Taupunkt
• Luftwechsel
• Luftströmung – Luftbewegung

Rinder wollen es kalt
Rinder sind ihrem Wesen nach Tiere der kalten Klimaregionen: Kühe lieben das Winterhalbjahr. Mit zunehmender Sommerhitze leiden die Milchleistung und die Tiere unter Hitzestress, genießen aber im Gegensatz die Winterkälte. Weil der Stoffwechsel der Nutztiere den Grundumsatz deutlich übersteigt, fällt Zusatzwärme an, die an die Umgebung abgegeben werden muss, um einer Überhitzung vorzubeugen. Der optimale Temperaturbereich ist deshalb stark abhängig von der Leistung der Tiere. Die optimale Umgebungstemperatur liegt für eine Hochleistungskuh bei etwa 0 °C. Für gute Milchleistungen liegt sie zwischen 7 und 17 °C, denn hier können die Tiere ihre Leistungsfähigkeit ausschöpfen. Die Wärme, die mit der Milchbildung produziert wird, kann im Winter wesentlich besser abgeführt werden. Selbst bei Temperaturen bis zu -30 °C verursacht die Kälte keine gesundheitliche Beeinträchtigung, wenn jederzeit genügend hochwertiges Futter erreichbar ist, um den erhöhten Erhaltungsbedarf zu decken. Dies bedeutet allerdings auch, dass die aufgenommene Futterenergie anteilig für die Aufrechterhaltung der Thermoregulation benötigt wird und die Futterverwertung entsprechend abnimmt.
Auch die Kälber erfreuen sich besserer Gesundheit, wenn sie draußen in Kälberhütten keimarme und frische Luft zur Verfügung haben. Sie reagieren jedoch empfindlicher und müssen bei sehr tiefen Temperaturen die Möglichkeit haben, sich in der Unterbringung ein Mikroklima zu schaffen (mehr Stroheinstreu, Sack vor der Öffnung usw.) und zusätzlich auch mindestens dreimal pro Tag getränkt werden. Diese verschiedenen Klimazonen haben eine positive Auswirkung auf die Gesundheit (Temperaturreiz) der Kälber; sie sind widerstandsfähiger gegen Krankheiten und insgesamt vitaler in ihrem Verhalten.

Hohe Luftfeuchte ist extrem schädlich
Die Lufttemperatur ist immer gemeinsam mit der Luftfeuchte zu beurteilen. Je nach Stoffwechselbelastung gibt die Kuh Wärme, und je nach Körpergewicht und Leistung etwa 400 Gramm Wasserdampf pro Stunde ab. Das kann zu einer erheblichen Verschlechterung des Stallklimas und zu einer Belastung der Tiere führen. Die Kuh scheidet zwischen 15 Liter Wasser bei -1 °C und 30 Liter bei 26 °C pro Tag aus. Es ist eine große Herausforderung an den Stallbau, die stark schwankenden Temperaturen und anfallenden Luftfeuchtigkeitsmengen in einem Stallgebäude zu regulieren bzw. für einen angemessenen und kontrollierten Luftaustausch zu sorgen. Stallluft ist in der Regel feucht, mit Ammoniak (max. 15 ppm – Augen brennen ab 30 ppm, Augen tränen ab 50 ppm), CO2 (max. 2000 ppm), Schwefelwasserstoff und Methan (max. 5 ppm) belastet und sowohl mit Viren als auch mit Bakterien beladen. Diese Luft schadet den Rindern. Eine reduzierte Milchleistung und das Aufkommen der Rindergrippe sind deutliche Zeichen für diese Anfälligkeit. In vielen Ställen fehlen genügend Luftwechselraten, weshalb sich Schadgase und Mikroorganismen vor allem im Winter anhäufen. Gülle, die mittels Güllekeller unter dem Spaltenboden gelagert und dort durch das Mixen bewegt wird, belastet die Stallluft erheblich. Die Gase vermindern nicht nur die Sauerstoffkapazität der Luft, sondern führen zu Reizungen der Atemwege und Verletzungen der Lungenbläschen. Durch eine im Hinblick auf Energie und Protein ausgeglichene Fütterung, der Inanspruchnahme von Weidehaltung bzw. Ausläufen und Sauberkeit im Stall können besonders die Ammoniakbelastungen stark minimiert werden. Unter ungünstigen Bedingungen kann die Ammoniak-Emission in Laufställen gegenüber den Anbindeställen bis zu 4-mal höher sein. Bei günstigen Verhältnissen gibt es dagegen nur geringe Unterschiede.

Autoren: Dipl.-Ing. Michael PICHLER – Leiter der Beratungsstelle Milchproduktion, Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Salzburg und Ing. Eduard ZENTNER - Abteilungsleiter für Stallklimatechnik und Nutztierschutz an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg – Gumpenstein


Autor:
Aktualisiert am: 05.01.2010 11:48
Landwirt.com Händler Landwirt.com User