Stallklima in Rinderstallungen (Teil 1): Licht und Lärm

Sowohl der Halter als auch seine Nutztiere benötigen entsprechende „Arbeitsbedingungen“. Die Umweltbedingungen wie Licht oder Lärm werden sowohl vom Tier als auch vom Halter subjektiv wahrgenommen. Gestaltet werden sie bisher vor allem nach den Bedürfnissen des Tierhalters. So kommt es, dass die Haltungsbedingungen oft als gut empfunden, für die Tiere aber weit unter dem Optimum sind. Mit schon geringem Aufwand lassen sich die Haltungsbedingungen wesentlich verbessern.
Tiere benötigen für optimale Leistungen viel Licht und wenig Lärm.
Tiere benötigen für optimale Leistungen viel Licht und wenig Lärm.
Licht und Lärm werden vom Tierhalter oft nur sehr subjektiv wahrgenommen. Häufig geht er von seinen eigenen Bedürfnissen aus. Deutlich wird dies, wenn er z.B. beim Verlassen des Stalles das künstliche Licht ausschaltet und die Tiere im natürlichen Licht und damit oft im Dunkeln verbleiben. Der Gewöhnungseffekt verringert die Sensibilität für Problembereiche. Dies kann zu Verletzungen der Nutztiere, insbesondere in Laufställen führen. Diese Umstände bedeuten auch, dass Lichtmangel und Lärm den Organismus zusätzlich beeinträchtigen, Leistungseinbußen, Gesundheitsschäden und Verhaltensänderungen sind die Folge.
Das Stallklima in der Rinderhaltung wird heute vielfach nicht ausreichend berücksichtigt. In vielen Betrieben kommt es aufgrund von Lichtmangel und Lärm zu tiergesundheitlichen Problemen. In der Geflügel- und Schweinehaltung wird bereits seit vielen Jahren auf die Optimierung durch spezielle Lichtprogramme und gezielte Vermeidung von Geräusch- und Lärmquellen Bedacht genommen. Insbesondere bei neuen Stallungen oder größere Umbauten sollten bereits in der Planung die wesentlichen Grundsätze berücksichtigt werden.

Mehr Licht bringt mehr Leistung
US-Studien zu Folge konnte bereits vor 25 Jahren in Michigan festgestellt werden, dass durch Ergänzung des Tageslichtes mit künstlichem Licht, auf 16 bis 18 Stunden während der Herbst- und Wintermonate, die Milchleistung um bis zu 11 % gesteigert werden konnte. Internationale Studien haben diese Ergebnisse bereits mehrfach bestätigt. Ebenso kann man mit einer höheren Futteraufnahme um 1 kg Trockenmasse je Tier und Tag rechnen.
• Die Milchleistung steigt nach 2 bis 4 Wochen um 4 bis 11 %. Auch während der Früh- und Spätlaktation kann eine ebenso effiziente Wirkung nachgewiesen werden. Durch das Licht sind Veränderungen der Milchinhaltsstoffe nicht zu erwarten, gegebenenfalls ist hier die Ursache in der Futteraufnahme zu suchen.
• Die Verlängerung des Tages erhöht die Aktivität der Kühe. Damit ist auch eine gesteigerte Futteraufnahme verbunden. Bei 16 Stunden konstanter Lichtstärke steigert sich diese um bis zu 6 %.
• Bei Jungtieren kann man eine frühere Geschlechtsreife beobachten, während bei laktierenden Kühen kein Einfluss festgestellt wird. Auch das übliche verzögerte Wiederanlaufen des Zyklus im Winter gegenüber dem Sommer bleibt durch mehr Licht unbeeinflusst. • Bei längerer Beleuchtung ist das Haarkleid der Tiere - ähnlich dem Sommerfell - kürzer. In Außenklimaställen werden dadurch keine nachteiligen gesundheitlichen Folgen festgestellt.
• Kalkulationen belegen den wirtschaftlichen Erfolg, der bereits ab einer Milchleistungssteigerung von 4 % den gesamten Installations- und Betriebsaufwand abdeckt. Je heller ein Stall aufgrund der baulichen Ausführung ist, desto früher amortisiert sich die getätigte Investition.

Lärm stresst nicht nur die Tiere
Rinder haben ein wesentlich empfindlicheres Gehör als der Mensch und werden daher auch früher vom Lärm gestresst, wodurch Leistungseinbußen früher einsetzen können. Auch der Gewöhnungseffekt kann den Lärmstress nicht verringern.
Lärmquellen können vielerlei Ursprungs sein. Man muss zwischen Dauerlärm und kurzzeitigem Lärm unterscheiden. Ebenso differenziert man zwischen Lärmquellen, die selbstverursacht (Arbeitslärm im Stall z.B. Fütterungsmaschinen und Hofgelände) und fremdverursacht (Verkehr, Gewerbe u.ä.m.) sind. Bei starker Lärmentwicklung ist zu prüfen, ob die Anlagen durch mangelhafte Konstruktion und Wartung bzw. unsachgemäßen Betrieb mehr Lärm als üblich verursachen. Diese Ursachen sind zu beseitigen (Schallschutz, Aufstellungsort, ...).
Ventilatoren sollen möglichst so abgestimmt sein, dass sie wenig Lärm verursachen. Ein größerer Durchmesser ermöglicht geringere Drehzahlen, wodurch das Gebläse leiser wird. Ebenso sollte unbedingt die Übertragung von Vibrationen verhindert werden, indem z.B. nach Möglichkeit der Ventilator an Ketten oder Seilen aufgehängt wird. Ein zu starkes Aufschaukeln der Ventilatoren ist aber zu vermeiden. Bei natürlicher (Schwerkraft-) Lüftung treten keine Lüftungsgeräusche auf.
Tiere reagieren ähnlich wie der Mensch, somit wird die Lärmvermeidung zum Wirtschaftsfaktor. Tiere, die unter Lärmstress leiden, reduzieren in der Folge ihre Futteraufnahme und Milchleistung.
Der Lärm wird in Dezibel dB(A) gemessen. In aktiven Ställen (Fresszeit) werden in der Regel 55 dB(A) gemessen. Damit ist bereits die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt: Die WHO empfiehlt für den Menschen einen Tageswert (z.B. normales Gespräch) unter 55 dB(A) und einen Nachtwert (z.B. leises Radio) unter 45 dB(A). Lärm über 85 dB(A) führt zu Gehörschäden. In vielen Melkständen werden 75 dB(A) erreicht, was eindeutig zu hoch ist, insbesondere dann, wenn sich Landwirte dort mehr als 2 Stunden täglich aufhalten.

Autoren: Dipl.-Ing. Michael PICHLER – Leiter der Beratungsstelle Milchproduktion, Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Salzburg;
Ing. Eduard ZENTNER - Abteilungsleiter für Stallklimatechnik und Nutztierschutz an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg – Gumpenstein


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Aktualisiert am: 07.12.2009 11:58
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