Stallbau: Mastplatz unter 400 Euro

Immer wieder hört man aus (Nord) Deutschland von Mastplatzkosten, die für den österreichischen Schweinemäster fast unerreichbar erscheinen. Was dahinter steckt, erklärt ein Stallbauberater vor Ort.
Zielgröße bei den Stallplatzkosten war bis vor ca. ein bis zwei Jahren 300 € pro Mastplatz. Bedingt durch steigende Rohstoffkosten und die belebte Weltwirtschaft hat sich dieser Wert leider auf ca. 400 € erhöht.
Zielgröße bei den Stallplatzkosten war bis vor ca. ein bis zwei Jahren 300 € pro Mastplatz. Bedingt durch steigende Rohstoffkosten und die belebte Weltwirtschaft hat sich dieser Wert leider auf ca. 400 € erhöht.
In Nordrhein-Westfalen liegt die Wachstumsschwelle in der Fläche bei mittlerweile 75 ha. Die entsprechende Größe in der Schweinemast ist leider nicht erfasst, Branchenkenner schätzen diese Größe jedoch auf ca. 1300 Mastplätze. Betriebe in dieser Größenordnung verdoppeln in der Regel Ihre Bestandsgröße bei einer Erweiterung. Ausnahmen gibt es nur, wenn der eigene Standort diese große Erweiterung nicht zulässt und die Behörden aber einen kleineren Stall erlauben. Auch bei einer Teilaussiedlung sollte sofort die mögliche Maximalgröße einer Stallanlage abgeprüft werden, damit nicht in naher Zukunft ein zweiter neuer Standort entwickelt werden muss.

Preisrisiko mit 4 Altergruppen minimieren
Ausschlaggebendes Argument für kleine Abteile sind Ferkelpartiegrößen und kontinuierliche Teilnahme am Marktgeschehen. Ein Schweinemäster benötigt vier Altersgruppen um kontinuierlich am Markt präsent zu sein, und so die Liquidität und das Preisrisiko des Betriebes besser zu steuern. Verdoppelt sich nun der Bestand kann sich auch die Größe der Altersgruppen vergrößern. Werden also aktuell vier Altersgruppen mit 300 Schweinen gehalten, können anschließend 4 Altersgruppen mit 600 Schweinen gehalten werden.
Entsprechende Ferkelpartiegrößen sind im Nordwesten Deutschlands am Markt vorhanden. Anbieter sind große heimische Betriebe, auch binden sich Mäster gerne an zwei bis drei kleine Ferkelerzeuger, überregional werden Partiegrößen von um die 1000 Ferkel aus den östlichen Bundesländern, aus den Niederlanden und aus Dänemark auf dem Markt gebracht.

Güllefläche planen
Da die Tierhaltung Flächengebunden ist, muss vor dem Bau eines neuen Stalles die verfügbare Pachtfläche bzw. die Gülleverwertung gesichert sein. Hier ist dann die Aufnahmebereitschaft der Ackerbaubetriebe zu prüfen und in die Planung der Güllelagerkapazität mit einzubeziehen.

Fazit
Bei der Einhaltung der im beitrag beschriebenen Punkte erreichen hiesige Landwirte bei Stallneubauten ab 800 Mastplätzen auch noch heute die 400 € vor Mastplatz. Einige „Künstler“ sind durch Eigenleistung und Einstellung von Maurern für die Zeit der Investition auch in der Lage diese Grenze zu unterschreiten. Wird in einigen Punkten von diesem System abgegangen, überschreiten die Betriebe aber auch sehr schnell diesen Betrag.

Autor: Ulrich AVERBERG, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Münster (D)


Aktualisiert am: 09.10.2008 15:28

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