Sortenwahl Wintergetreide: Im Herbst die Grundlage für Ertrag und Qualität legen

Mit der Aussaat legen Sie die Basis für gute Erträge. Auch bei schwieriger Marktlage ist Qualität ein wichtiges Preiskriterium, auf das Sie bei der Sortenwahl achten sollten. Die folgenden Sortenprofile sollen Ihnen helfen, gute Qualitäten mit möglichst geringen Produktionskosten zu erreichen.
Damit die Triebe ausreichend stark in den Winter gehen, ist eine rechtzeitige, aber nicht zu frühe Aussaat wichtig.
Damit die Triebe ausreichend stark in den Winter gehen, ist eine rechtzeitige, aber nicht zu frühe Aussaat wichtig.
Die Situation am Getreidemarkt ist schwierig. An der Wiener landwirtschaftlichen Produktenbörse notierte Qualitätsweizen Mitte August von 135 bis 142 Euro/t, Mahlweizen von 116 bis 119 Euro/t. Futterweizen wurde um 95 bis 99 Euro/t und Futtergerste um 90 bis 94 €/t verkauft (Großhandelsabgabepreise, exkl. MwSt.). Ein Überhang an alterntiger Ware und die weltweit gute Versorgung haben zu diesem Preisrückgang geführt. Mittelfristig dürfte sich bei Futtergetreide und Roggen wenig daran ändern. Bei Qualitäts- und Premiumweizen besteht Hoffnung, dass die Notierungen ab dem Spätherbst etwas ansteigen.

Potenzial der Hybridgerste
Im Vorjahr wurde die Hybridgerste YOOLE in den österreichischen Markt eingeführt. Wegen der schwächeren Standfestigkeit (Note 7) kommt sie für wenig lagergefährdete Standorte der Feucht- und Übergangslagen infrage. Hier liegt ihr Potenzial auf dem Niveau der ertragreichsten Liniensorten. An die pannonische Klimaregion ist sie wenig adaptiert. Aufgrund ihrer Wüchsigkeit und des hohen Saatgutpreises werden 170 bis 200 keimfähige Körner/m2 empfohlen, das sind 70 bis 100 kg/ha bzw. 2,5 Packungen/ha.

Markt für Winterbraugerste
Winterbraugerste ist kein Ersatz für die Sommerbraugerste, sondern ergänzt diese. Der Vertragsanbau erfolgt überwiegend im Pannonikum. Ein Vorteil der Winterbraugerste ist, dass sie mit Trockenperioden besser zurechtkommt. Das Hauptrisiko liegt im Überschreiten des geforderten Proteingehaltes von 11,0 % (Basis) bzw. 11,5 % (Maximalwert). Leguminosen als Vorfrüchte scheiden deshalb aus. Weil die Mälzereien mit Sommerbraugerste versorgt sind, beschränkt sich der Anbau auf wenige tausend Hektar. Derzeit werden ausschließlich EU-Sorten eingesetzt. Die Firma Crop Control bietet Verträge mit der spätreifen und rosttoleranten MALWINTA an. Für 50 % der Ware wird ein Fixpreis von 125 Euro/t (exkl. MwSt.) garantiert. Der Preis für die restlichen 50 % basiert auf der durchschnittlichen Börsenotierung von Futtergerste der Monate September bis November zuzüglich einer Prämie von 30 Euro/t. Die Raiffeisen Lagerhäuser favorisieren die mittelfrühe und standfeste VIOLETTA. Die Erzeugergemeinschaft Zistersdorf setzt auf MALWINTA und die frühreife MANUREVA.

Bewährte Populationsroggen
Der Großteil der Roggenfläche wird mit Populationssorten bestellt. CONDUCT hat in sämtlichen Regionen entsprochen, gegenüber Braunrost ist er weniger empfindlich. MARCELO weist ein ähnliches Leistungspotenzial auf, NIKITA fällt ertraglich bereits etwas zurück. Conduct, Marcelo und Nikita sollten wegen der mitunter knappen Standfestigkeit (Note 6) nicht zu intensiv geführt werden. Stabiler sind DANKOWSKIE DIAMENT (Lagerung 3) und KIER (Lagerung 4). Dankowskie Diament bringt seine relativ besten Leistungen auf den sandigen Böden des Mühl- und Waldviertels. AMILO (Lagerung 4) übersteht Schlechtwetter in der Abreife besser als andere Roggen. Die frühreifen Sorten ELECT und EHO-KURZ (Lagerung 6) haben eine gute Kornausbildung, eine feuchte Witterung während der Einkörnungsphase tolerieren sie weniger. Biosaatgut gibt es von Amilo, Conduct, EHO-Kurz, Elect, Kier, Marcelo, Nikita, Oberkärntner und Schlägler.

Sorten bei Mahlweizen
In Übergangs- und Feuchtlagen werden hauptsächlich mittlere Qualitäten (Mahlweizen) erzeugt. Der mittel reifende MULAN (Lagerung 2,5) ist ertragsstark, anpassungsfähig und allgemein empfehlenswert. Nicht immer befriedigend ist die Kornausbildung, im Alpenvorland blieben die Hektolitergewichte heuer mehrheitlich unter 75 kg. MEGAS (Lagerung 2,5) und PLUTOS (Lagerung 1) sind für dichtere Bestände von 550 bis 630 Ähren/m2 dankbar. Der später reifende CHEVALIER (Lagerung 2) hat sich auf guten Böden des Alpenvorlandes etabliert. Seine Auswuchsfestigkeit ist wertvoll. In den Prüfungen des Alpenvorlandes zeigte er 2008 eine mittlere Fallzahl von 275 s, während die meisten anderen Weizen nur 78 bis 175 s aufwiesen.

Saatzeit beeinflusst Ertragsbildung
Wintergerste sollte vor Vegetationsende 2 bis 3 (bei mehrzeiligen Sorten) bzw. 3 bis 4 (bei zweizeiligen Sorten) kräftige sowie einige schwächere Triebe anlegen. Je nach Anbaugebiet, Witterung und Gefährdung durch viröse Gelbverzwergung wird die günstigste Saatzeit meist zwischen 20. September und 10. Oktober liegen. Für Roggen wäre es günstig, wenn er im Herbst noch 2 bis 3 Triebe bildet. Damit werden eine intensivere Bewurzelung und eine verbesserte Stresstoleranz der Pflanzen erreicht. Dies erfordert Sätermine zwischen 20. September (im Waldviertel, bei kühler Witterung) und 15. Oktober (in Ostösterreich, bei anhaltend warmen Temperaturen). In höheren Lagen des Mühl- und Waldviertels sind bei Triticale Drilltermine zwischen 20. September und 5. Oktober sinnvoll. In den Niederungen wird meist zwischen 10. und 20. Oktober angebaut. In der Mehrzahl der Jahre genügt dies für die Anlage von 1 bis 2 Herbsttrieben. Winterweizen ist hinsichtlich seiner Anbauzeit flexibler als Wintergerste oder Roggen, trotzdem soll man keine zu großen Risiken eingehen. Prüfergebnisse belegen, dass man mit Drillterminen zwischen 1. und 10. Oktober (in raueren Lagen wie dem Mühl- und Waldviertel) bzw. 5. und 20. Oktober (in Ostösterreich, im Alpenvorland, dem Südburgenland und in der Steiermark) meist besser fährt, als mit extremen Früh- oder Spätsaaten.

Autoren: DI Michael OBERFORSTER, DI Clemens FLAMM und Ing. Willibald PRIELER, AGES Wien


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Aktualisiert am: 20.08.2009 15:16
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