Sortenwahl: Weizen und Dinkel

Der Weizenmarkt ist von dynamischen Entwicklungen geprägt. Angebotsverknappungen sind für gestiegenen Preise mitverantwortlich. Es gilt, die Vielfalt an Sorten und Neuzüchtungen für den betrieblichen Erfolg gezielt zu nutzen. Für die Ertragsbildung ist das Ausmaß der Pflanzenentwicklung im Herbst oft maßgebend – es gibt jedoch kein Patentrezept für die Saatzeit.
Gerade beim Weizen gilt es, die Vielfalt an Sorten und Neuzüchtungen für den betrieblichen Erfolg gezielt zu nutzen.
Gerade beim Weizen gilt es, die Vielfalt an Sorten und Neuzüchtungen für den betrieblichen Erfolg gezielt zu nutzen.
Eine weltweit geringere Ernte, das Exportverbot in Russland, regionale Qualitätsprobleme und spekulative Einflüsse haben einen rasanten Preisauftrieb bewirkt. Auf der anderen Seite versorgt eine intensive züchterische Tätigkeit zahlreiche Marktsegmente. In den letzten zwei Jahren wurden zehn Qualitätsweizen, fünf Mahl- bzw. Ethanolweizen und ein Futterweizen neu zugelassen.

Qualitätsweizen für den Osten
In der pannonischen Klimaregion nehmen Weizen mit hoher Backfähigkeit (Gruppen 7 bis 9) den Hauptteil der Fläche ein. Die neuen Grannenweizen VULCANUS und FULVIO sind Schwestersorten mit ähnlichen Eigenschaften. Beide sind mittel standfest (Note 5), früh reifend, zeigen ein gutes Ertragspotenzial sowie eine beachtliche
Korn- und Backqualität. Gegenüber Ährenfusarium und niederschlagsreicher Witterung während der Abreife reagieren sie empfindlicher. Der im Jahr 2008 als Mahlweizen der Gruppe 6 registrierte LUKULLUS wurde nach eingehender Prüfung zu einem Qualitätsweizen erhoben. Lukullus ist mittelgut standfest (Note 4), ziemlich widerstandsfähig gegenüber Mehltau, Braunrost und Ährenfusarium, leistungsfähig und fallzahlstabil. (...)

In Feuchtlagen dominieren Mahlweizen
Die Neuzüchtung PEDRO (Lagerung 4) war in den diesjährigen Prüfungen Ertragssieger. Seine Reife ist mittel, gegenüber den meisten Krankheiten besteht eine mittlere bis gute Widerstandskraft. Auswuchswetter toleriert Pedro nicht so gut wie Chevalier. MULAN (Lagerung 2,5) ist anpassungsfähig und in den Feuchtlagen deswegen weit verbreitet. Der kurzstrohige und standfeste CHEVALIER (Note 2) profitierte in diesem Jahr sowie auch 2008 und 2006 von seiner tiefen Keimruhe. Daraus ergeben sich eine hohe Auswuchstoleranz und eine stabile Fallzahl. Die beste Standfestigkeit des gesamten Weizensortiments weist PLUTOS (Note 1) auf. Im Proteingehalt ist Plutos knapp ausgeprägt, in viehlosen Betrieben ist eine N-Spätgabe einzuplanen. (...)

Futterweizensorten
Wer Weizen für die innerbetriebliche Verwertung anbaut, greift zu ertragsstarken Mahlweizen wie Pedro, Mulan oder Plutos bzw. einer Sorte aus der Gruppe der Sonstigen Weizen. PAPAGENO ist standfest (Note 3) und gegenüber Ährenfusarium überdurchschnittlich widerstandsfähig. Die mittlerweile gravierende Anfälligkeit für Braunrost (Note 8) hat ihm zuletzt einiges an Ertrag gekostet. HENRIK ist standfest (Note 2,5) und dankt einen Fungizideinsatz mit entsprechenden Mehrleistungen. Der einige Tage später reifende WINNETOU (Lagerung 3)
weist ein ähnliches Ertragspotenzial wie Henrik auf. Folgt Winnetou nach Vorfrucht Mais, dann ist eine saubere Pflugfurche ratsam. MANHATTAN (Lagerung 3) ist im Merkmal Ährenfusarium (Note 6) zwar etwas besser beschrieben, doch ist diese Maßnahme auch bei ihm sinnvoll. Der kurzstrohige und standfeste (Note 2) JENGA erbrachte seine relativ besten Leistungen in der Oststeiermark, im Südburgenland und im Waldviertel.

Autoren: DI Michael Oberforster, DI Clemens Flamm und Ing. Willibald Prieler, AGES Wien



Weiters in dieser Ausgabe:

Herbstunkrautbekämpfung bei Getreide

Fusarien Toxine im Mais und Futtergetreide


Aktualisiert am: 06.09.2010 11:23
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