Sorten bei Sommergetreide gut wählen

Ertrag und Qualität des Getreides werden wesentlich von der Jahreswitterung geprägt. Die Auswahl leistungsfähiger und angepasster Sorten sowie eine optimierte Anbautechnik tragen jedoch viel zum Erfolg bei.
Sommergerste in der Milchreife: Auf mittleren und besseren Böden sollten 650 bis 850 Ähren tragende Halme/m2 und durchschnittlich 17 bis 24 Körner/Ähre ausgebildet werden. Dieser Praxisbestand lieferte einen Ertrag von mehr als 65 dt/ha
Sommergerste in der Milchreife: Auf mittleren und besseren Böden sollten 650 bis 850 Ähren tragende Halme/m2 und durchschnittlich 17 bis 24 Körner/Ähre ausgebildet werden. Dieser Praxisbestand lieferte einen Ertrag von mehr als 65 dt/ha
Für Marktfruchtbetriebe ist die Situation derzeit nicht einfach. Nach wie vor belasten hohe Düngerkosten die Wirtschaftlichkeit. Die Verarbeiter von Braugerste werden sich etwas länger als üblich mit alterntiger Ware versorgen können. Trotzdem werden die Mälzer einen Teil der Ware mit Vorkontrakten absichern. Das Futtergersteangebot ist in Europa reichlich, kurzfristig werden sich die Preise kaum erholen. Positiv verläuft das Geschäft bei Weizen, hier wurden bereits große Mengen abgesetzt. Andererseits könnte der weltweit reduzierte Mineraldüngereinsatz die Erträge tendenziell nach unten ziehen. Den Landwirtepreisen würde das zweifellos gut tun. Eine kostenbewusste Strategie ist jedenfalls nötig. Überwiegend günstig sind die Prognosen für Biogetreide.

Braugerste
Die Mälzereien wünschen große Mengen an homogenen Partien. Dem entsprechend werden im Einzugsbereich einer Aufkaufsstelle meist nur 2 bis 3 Sommerbraugersten angeboten. Die neue SIGNORA (Lagerung 2) ist für mittlere und bessere Böden gut geeignet, von Vorteil ist der niedrige Proteingehalt. In der Totreife zeigt Signora mitunter eine erhöhte Neigung zum Halmknicken. CLASS (Lagerung 3) liefert auch nach Trockenstress meist noch eine akzeptable Sortierung. Class entspricht in allen Anbaulagen von Sommergerste. Die mittelfrühe XANADU (Lagerung 3) ist im Pannonikum bedeutend. Ihre besten Ergebnisse bringt sie mit 700 bis 800 Ähren/m2. Weniger gut eignet sich Xanadu für saure und sandige Böden im Mühl- und Waldviertel. ANTIGONE (Lagerung 3) schöpft ihr Ertragspotenzial bereits mit 650 bis 750 Ähren/m2 aus. Auf eine verspätete Aussaat reagiert sie weniger empfindlich. Nach feuchter Frühjahrswitterung ist mit vermehrter Infektion durch Netzflecken zu rechnen. MARTHE (Lagerung 4) wird von den Mälzereien wegen ihrer ausgeglichenen Qualität geschätzt. Im Waldviertel ist sie eine der leistungsfähigsten Sorten. Die Anfälligkeit für Zwergrost (Note 7) wirkt sich in diesem Gebiet kaum aus. BOJOS (Lagerung 3) hat ihren Schwerpunkt in Ostösterreich auf Böden mit guter Wasserhaltefähigkeit sowie im Waldviertel. Gegenüber Blattkrankheiten ist sie ziemlich widerstandsfähig. BODEGA reift später, ist mittel standfest (Note 5) und liefert mit hoher Sicherheit die erwünschten bauchigen Körner. Ertraglich werden neuere Sorten meist 3 bis 9 % unterschritten. ROXANA (Lagerung 4) wird im Trockengebiet oft massiv von Mehltau infiziert. Nachteilig ist auch die schwächere Kornausbildung. Die kürzlich registrierten Sorten VICTORIANA (Lagerung 2) und VIVALDI (Lagerung 3) werden in großtechnischen Mälzungen noch eingehender erprobt.

Sommerweizen
Als Qualitätsweizen stehen Favorit, Sensas, SW Kronjet und Xenos bereit.
Der 1993 registrierte FAVORIT (Lagerung 4) fällt ertraglich 7 bis 11 % ab, sein Vorteil ist die gute Qualität. SENSAS (Lagerung 2) ist auswuchsfest und zeigt hohe Hektolitergewichte. Auf Feldern, die regelmäßig vom Wild heimgesucht werden, ist die Begrannung von Vorteil. SW KRONJET liefert überdurchschnittliche Proteingehalte, er ist standfest (Note 3) und krankheitstolerant. XENOS (Lagerung 3) eignet sich als Wechselweizen sowohl für den Herbst- als auch für den Frühjahrsanbau. Der frühreife, langstrohige und lageranfällige (Note 7) sowie proteinreiche KÄRNTNER FRÜHER ist eine Sorte für Grenzertragsböden. Auf besseren Standorten bleiben die Kornerträge 30 bis 35 % unter jenen neuerer Zuchtsorten. Sein Anbau wird im Rahmen der ÖPUL-Maßnahme „Seltene landwirtschaftliche Kulturpflanzen“ mit 115 €/ha prämiert.

Bei den Mahlweizen hat sich MICHAEL (Lagerung 3) wegen seiner mittleren Reife und stabilen Leistungen langjährig bewährt. Von Braunrost kann er nun mehr infiziert werden. Der in der Reife ähnliche SW KADRILJ (Lagerung 2) zeigt eine ausgewogene Widerstandkraft gegenüber Krankheiten. TRAPPE (Lagerung 2) ist der ertragsstärkste Sommerweizen, er reift einige Tage später. Sein Proteingehalt ist mit -0,8 bis -1,3 % zu Michael, SW Kadrilj, SW Kronjet und Xenos knapper ausgeprägt.

Autoren: DI Michael OBERFORSTER, DI Clemens FLAMM und Ing. Willibald PRIELER, AGES Wien


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Aktualisiert am: 04.02.2009 16:36
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