Sommergetreide: Überlegte Sortenwahl und Aussaat

Die Erzeugerpreise für Getreide erreichen derzeit nicht das wünschenswerte Niveau. Rückläufige Anbauflächen könnten die Braugerste mittelfristig wieder zu einem lukrativen Gut machen. Mit leistungsfähigen Sorten, angepassten Erzeugungsstrategien und Kostenbewusstsein sind mittlere bis gute Erträge in der am Markt verlangten Qualität zu erzielen.
Für einen erfolgreichen Getreidebau sind gute Saatgutqualität und ausgereifte Sätechnik wesentlich.
Für einen erfolgreichen Getreidebau sind gute Saatgutqualität und ausgereifte Sätechnik wesentlich.
Wegen der kurzen Vegetationszeit des Sommergetreides wirken sich Fehler stärker negativ aus. Wesentlich ist es, den Boden nicht zu feucht zu bearbeiten und möglichst in einer einzigen Überfahrt saatfertig zu bekommen. Insbesondere die Sommergerste reagiert auf Verdichtungen mit Gelbfärbung und Wuchsdepression. Auch ein übermäßig tief gelockertes Saatbett belastet die Pflanzen. Für eine rasche Keimung und einen schnellen Aufgang von Sommergetreide ist eine krümelige Auflage von wenigen Zentimetern über einem gleichmäßig verfestigten Untergrund optimal.

Zeitig säen
Frühe Sätermine liefern fast stets die höheren Kornerträge. In den Niederungen können, sofern es der Bodenzustand erlaubt, auch Sommergerste und Hafer ab der dritten Februardekade gedrillt werden. Die längere Wachstumsphase im Kurztag wirkt sich günstig auf die Bestockung, das Tiefenwachstum der Wurzeln und die Ausdifferenzierung der Blütenanlagen aus. Weiters reagieren solche Bestände nicht so empfindlich auf Trockenstress. Die Saatstärke ist dem Saatzeitpunkt und den Keimbedingungen anzupassen. Bei zeitigem Anbau der Sommergerste genügen normalerweise 280 bis 330 keimfähige Körner/m2 oder 120 bis 160 kg/ha. Aprilsaaten oder ein erwarteter schwächerer Feldaufgang sollten mit einer Erhöhung auf 350 bis 420 Körner/m2 oder 160 bis 210 kg/ha kompensiert werden. Bei Sommerweichweizen sind 330 bis 400 Körner/m2 bzw. 120 bis 170 kg/ha ratsam. Hafer verlangt 330 bis 400 Körner/m2, je nach Tausendkorngewicht sind das 100 bis 150 kg/ha.

Braugersten
Die Neuzüchtung VIVALDI ist kurzhalmig, standfest (Note 3) und gegenüber Mehltau resistent. Sie überzeugt weiters durch ihre Kornqualität und entspricht in sämtlichen Regionen. Für das heurige Frühjahr steht nur eine begrenzte Saatgutmenge zur Verfügung. Die agronomisch ähnliche CLASS (Lagerung 3) hat ihren Schwerpunkt im Trockengebiet. Aus qualitativen Gründen wird sie von der Malzindustrie nicht favorisiert und scheidet als Braugerste mittelfristig aus. In Jahren mit feuchter Frühjahrswitterung ist auf Netzflecken (Note 6) zu achten. SIGNORA (Lagerung 2) liefert die erwünschten niedrigen Proteingehalte und hellfarbige Malze. Signora braucht nicht so dicht stehen wie Xanadu, Marthe oder Quench, je nach Bodengüte genügen 650 bis 750 Ähren/m2. Die standfeste (Note 3) XANADU bringt ihre relativ besten Erträge in Ostösterreich und den pannonisch geprägten Teilen des Waldviertels. Sie liefert bei Trockenheit meist noch gut ausgebildete Körner. Im Vorjahr litt sie mehr unter Zwergrost und fiel ertraglich etwas zurück. Für das Waldviertel sowie bessere Böden im Weinviertel ist BOJOS (Lagerung 3) vorgesehen. Hier bringt sie zumeist auch die geforderten Vollkornanteile. MARTHE wird wegen ihrer ausgezeichneten Verarbeitungseignung geschätzt, konnte sich in der landwirtschaftlichen Praxis aber nicht durchsetzen. Die später reifende BODEGA (Lagerung 5) überzeugt durch ihre Kornqualität. Allerdings werden Vivaldi, Class, Signora und Xanadu in Ostösterreich um 6 bis 10 % (Gesamtertrag) bzw. 4 bis 8 % (Vollgerstenertrag) unterschritten. VICTORIANA ist standfest und leistungsfähig, ihre Malzqualität muss großtechnisch noch eingehender geprüft werden. In Kärnten ist MARGRET als Braugerste etabliert, die schwächere Standfestigkeit (Note 7) ist zu bedenken. Die hierzulande noch nicht registrierte QUENCH kommt wegen ihrer späten Reife und der mitunter knappen Kornsortierung in erster Linie für Böden mit guter Speicherkraft infrage.

Sommerweizen
Als Qualitätsweizen stehen Favorit, KWS Aurum, Sensas, SW Kronjet, Xenos und Kärntner Früher bereit. FAVORIT (Lagerung 4) wurde bereits 1993 registriert und fällt ertraglich gegenüber neueren Sorten um 10 bis 14 % zurück. Der höhere Proteingehalt und die insgesamt gute Qualität sind vorteilhaft. Der spätreife KWS AURUM (Lagerung 2) ist ein gelbmehliger Weizen und wird großteils in Kontrakten produziert. Der begrannte SENSAS (Lagerung 2) zeigt ein hohes Hektolitergewicht und ist gegenüber Regenwetter in der Reife ziemlich unempfindlich. Seine Anfälligkeit für Braunrost (Note 8) ist zu beachten. SW KRONJET (Lagerung 3) vermochte zuletzt an seine früheren Leistungen nicht mehr anzuknüpfen. Der Wechselweizen XENOS (Lagerung 3) kann sowohl im Herbst als auch im Frühjahr gesät werden. Der sehr frühreife, langstrohige und wenig standfeste (Note 7) KÄRNTNER FRÜHER ist für Randlagen des Getreidebaus vorgesehen. Auf tiefgründigen Böden bleiben die Kornerträge 30 bis 35 % unter jenen neuerer Zuchtsorten. Sein Anbau wird im Rahmen der ÖPUL-Maßnahme „Seltene landwirtschaftliche Kulturpflanzen“ mit 115 €/ha prämiert. Bei den Mahlweizen hat sich der mittelfrühe MICHAEL (Lagerung 3) bewährt, gegenüber Braunrost (Note 8) ist er wenig widerstandsfähig. SW KADRILJ (Lagerung 2) ist krankheitstolerant und generell leistungsfähig. In den meisten Anbaugebieten liegt TRAPPE (Lagerung 2) ertraglich an der Spitze. Allerdings ist sein Erntegut bei vergleichbarer N-Düngestrategie um 0,6 bis 1,2 % proteinärmer als jenes von KWS Aurum, Michael, Sensas, SW Kadrilj, SW Kronjet und Xenos.

Autoren: DI Michael OBERFORSTER, DI Clemens FLAMM und Ing. Willibald PRIELER, AGES Wien


Autor:
Aktualisiert am: 04.02.2010 14:21
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