Sojaschrot durch Harnstoff ersetzen?

Sojaschrot ist weiterhin teuer. Futterharnstoff wird als Alternative zu herkömmlichen Eiweißfuttermitteln angepriesen. Was ist beim Einsatz von Harnstoff zu beachten und wo macht sein Einsatz Sinn?
Soll man Sojaschrot durch Futterharnstoff ersetzten?
Soll man Sojaschrot durch Futterharnstoff ersetzten?
Der Einsatz von Futterharnstoff kann helfen, die Eiweißunterversorgung im Pansen auszugleichen. Was ist dabei zu beachten?

Keinen Düngeharnstoff füttern
Harnstoff ist futtermittelrechtlich ein Futtermittel-Zusatzstoff. Bei der Verfütterung sind genaue Aufzeichnungen zu machen, in welche Futtermischungen wie viel Harnstoff eingemischt wurde. Wird er nicht als Reinsubstanz gefüttert, sondern ist in einer zugekauften Futtermischung enthalten, sind keine Aufzeichnungen über den Einsatz erforderlich. Futterharnstoff ist chemisch reiner als Düngeharnstoff. Düngeharnstoff darf nicht verfüttert werden!

Nicht für Jungvieh!
Harnstoff ist eine so genannte NPN-Verbindung (Non Protein Nitrogen = Nicht-Eiweiß -Stickstoff) und kann vom erwachsenen Wiederkäuer mit ausgebildeten Vormägen verwertet werden. Er wird über den Pansen aufgenommen und zu Ammoniak umgebaut. Dieser steht den Pansenmikroorganismen zur Verfügung. Futterharnstoff enthält selbst keine Energie. Der RNB-Gehalt (RNB = ruminale Stickstoffbilanz) liegt bei +460 g N/kg. Das bedeutet, dass in Grassilage- reichen Rationen durch Harnstoff schnell ein hoher N-Überschuss erzielt werden kann. Verdauungsstörungen, Durchfall und Leberbelastung sind die Folge. Unsachgemäße Anwendung kann zu schweren Vergiftungen und zum Tod führen. Einsatzgrenze sind 15 g Harnstoff je 100 kg Lebendgewicht. Ein ausgewachsenes Rind sollte daher nicht mehr als 10 dag pro Tag erhalten. Eine gleichmäßige Verteilung im Kraftfutter muss sichergestellt sein. Harnstoff darf keinesfalls an Kälber verfüttert werden.

Harnstoff mit Mantel
Harnstoff zieht Wasser an und verklumpt leicht. Einzelne Tiere könnten daher größere Brocken fressen und verenden. Ein neues Futterharnstoff-Produkt ist durch eine Fettschicht ummantelt und verklumpt daher nicht so stark. Er ist aber mehr als doppelt so teuer als normaler Futterharnstoff.

Wo macht der Einsatz Sinn?
Harnstoff kann bei Maissilage betonten Rationen eine N-Ergänzung bewirken (RNB-Ausgleich). Ein völliger Ersatz von Eiweißkomponenten ist nicht möglich. Eine Rationsberechnung ist vor dem Einsatz dringend angeraten.
Fazit: Der Einsatz von Harnstoff kann bei energiebetonten Rationen Sinn machen. Die Ration soll daher vorher berechnet werde. Harnstoff kann teure Eiweißfuttermittel nicht ersetzen, nur ergänzen. (DI Franz Tiefenthaller, LK Oberösterreich)


Autor:
Aktualisiert am: 24.07.2009 19:11
Landwirt.com Händler Landwirt.com User