Soja-Bohne als Chance zur Getreidemarkt-Entlastung

Angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Situation in der heimischen Landwirtschaft - Preisverfall im Milchsektor und Druck am Getreidemarkt - starten zwei alternative Projekte in Oberösterreich.
Soja soll für neue Marktchancen im Pflanzenbau sorgen.
Soja soll für neue Marktchancen im Pflanzenbau sorgen.
Diese beiden Projekte beschäftigen sich mit der Verwertung von Grünland in der Bioraffinerie sowie dem Anbau von Soja zur Entlastung des Getreidemarktes. "Das sind zwei klare Zukunftsprojekte mit schlüssigen Antworten auf die aktuellen Probleme in der Landwirtschaft. Wir sind damit gerüstet für den Tag nach der Krise", so Agrarlandesrat Stockinger.

Bioraffinerie als Chance für das Grünland
Überall dort, wo die Grünlandwirtschaft nicht mehr flächendeckend und rentabel geführt werden kann, soll das Wiesengras in einer Bioraffinerie zu wertvollen Rohstoffen wie Amino- und Milchsäure verarbeitet werden, die Basis für Plastiksackerl sind oder in der Kosmetikindustrie Verwendung finden. Aus dem Pressrückstand entstehen in einer herkömmlichen Biogasanlage Strom, Treibstoff oder Wärme. Die weltweit erste Pilotanlage dazu steht in Utzenaich im Bezirk Ried im Innkreis. Laut Stockinger können in einer solchen Raffinerie 10.000 ha Wiese verarbeitet werden. Allein in Oberösterreich bestehe demnach Potenzial für zehn Anlagen.

Machbarkeitsstudie für Sojapresse
Der Energiewert eines pflanzenbaulichen Produktes müsse künftig das preisliche Sicherheitsnetz sein, so der Landesrat. Daher will Stockinger mit einer starken Soja-Strategie für neue Marktchancen im Pflanzenbau sorgen. Dazu wurde eine Machbarkeitsstudie für die Errichtung einer eigenen Presse als Verarbeitungsanlage in Auftrag gegeben. Konkret soll der Anbau in Oberösterreich von derzeit 10.000 ha vervierfacht werden. Der prognostizierte Klimawandel begünstige dabei die Sojapflanze als ackerbauliche Alternative. Für diese Strategie spreche der geringe Stickstoffbedarf der Pflanze, was den Anbau ökologischer und kostengünstiger mache. Zudem sei sie ein wichtiger Eiweißlieferant, was die Versorgungslücken bei der Fütterung teilweise schließen und Importe ersetzen würde, gibt Stockinger zu bedenken. Der Markt hätte gentechnikfreies Sojaöl, Speisesoja und hochwertige Futtermittel (20% Ölausbeute, 80% Kuchen) zu bieten.

Ergebnisse im November
Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen im November 2009 vorliegen. Angedacht sind ein Potenzial für 100.000 t Produktion und Verarbeitung. Landwirtschaftskammer, Saatbau Linz und die Landesregierung loten derzeit die Kosten, Marktchancen, den Standort für die Verarbeitungsanlage sowie die Finanzierungsmöglichkeiten aus.


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Aktualisiert am: 10.09.2009 17:31
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