Sind gute Zitzengummis Glückssache?

Wie einfach war es in früherer Zeit. Man konnte sich bei vielen Melkzeugen nur zwischen den großen und den kleinen Zitzengummitypen entscheiden. Seit vor allem die jungen Kühe immer dünnere Striche haben, ändern sich aber die Anforderungen an die Zitzengummis.
Es gibt viele durchaus gute Zitzengummis, doch die Unterschiede in Haltbarkeit und Materialeigenschaften werden immer größer.
Es gibt viele durchaus gute Zitzengummis, doch die Unterschiede in Haltbarkeit und Materialeigenschaften werden immer größer.
Viele Hersteller haben auf die dünneren Striche der heutigen Kühe reagiert und bieten engere Zitzengummis an. In früheren Zeiten wurden viele Zitzengummis mit dicken Ringen um die Zitzenöffnung verstärkt, so dass sie länger eingesetzt werden konnten. Heute lassen die Hersteller teilweise die Verstärkungsringe weg, sodass die Kopflochöffnungen flexibler werden. So können gleichzeitig dünnere und dickere Zitzen besser gemolken werden. Gleichzeitig wurde aber das „Gummi“-Material aufgrund veränderter Vorschriften aus melktechnischer Sicht immer unflexibler, weniger elastisch und damit schlechter. Nicht selten sind solche Zitzengummis schon nach wenigen Wochen im Kopfbereich so verschlissen, dass es zunehmend zu Haftproblemen kommt. Wenn das mit höherem Melkvakuum ausgeglichen wird, saugen sich solche Zitzengummis viel zu früh an der Zitzenbasis fest und melken entsprechend schlecht aus oder das Melkende wird unbemerkt immer länger. Dadurch werden auch die Zitzen immer länger und stärker belastet. Erst sehr zeitversetzt und langsam steigt der Milchzellgehalt und können auch Euterinfektionen zunehmen. Daher rate ich, Zitzengummis schon vor dem Einbau und dann in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren und nicht so lange zu warten bis die Euterprobleme zunehmen.

Fingerbreit unter der Zitzenbasis messen
Um die richtige Zitzengummigröße auszuwählen, sollten die stimulierten Zitzen vor dem Melken ca. fingerbreit unter der Zitzenbasis gemessen werden. Sehr gut eignen sich dafür Kunstoffschublehren. Verwenden Sie zum Beispiel noch Zitzengummis mit 23 mm-Kopfloch oder größer, messen bei vielen Kühen aber Zitzen, die bereits dünner als 23 mm sind, dann sollten Sie einen engeren Zitzengummi – aber ohne Verstärkungsringe! - verwenden. Sollten Sie sich zwischen Zitzengummis mit hartem oder weicherem Schaft entscheiden können, rate ich immer dazu die weicheren Typen zu verwenden. Für Melksysteme mit Gleichtaktpulsation oder zyklischer Vakuumabsenkung im Entlastungstakt (BIO-MILKER) sollten unbedingt Zitzengummis mit einem Einfaltdruck (ED) unter 10-11 kPa eingesetzt werden.

Fazit
Ein erfolgreiches Melken ist nur dann möglich, wenn die Zitzengummis zur Herde und zur Melktechnik passen. Zitzengummis müssen gewechselt werden, wenn der Bereich um das Kopfloch zu schlaff wird oder nach innen eingefallen ist. Bei der Größenauswahl rate ich Kompromisse besser bei den älteren Kühen einzugehen und die Zitzengummis vor allem für die jungen Kühe zu optimieren.

Autorin: DI Kathrin LINCKE, Türkheim (D)


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Aktualisiert am: 06.05.2010 14:44
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