Silierzusätze: Was können sie?

Landwirte erwarten sich von einem Silierzusatz meist einen Alleskönner. Diesem Anspruch eines Wundermittels können Silierhilfsmittel nicht gerecht werden, aber sie beeinflussen bei gezielter Anwendung die Gärqualität positiv.
Moderne Dosiereinrichtungen verteilen den Silierzusatz direkt auf das Erntegut.
Moderne Dosiereinrichtungen verteilen den Silierzusatz direkt auf das Erntegut.
I mpfkulturen mit Bakterien
Milch-, Essigsäure- und Propionsäurebakterien können bei gräserbetontem Erntegut unter besten Silierbedingungen (Anwelkung auf 30-40 % TM, Rohfaser unter 260 g/kg TM, gute Verdichtung, keine erdige Verschmutzung) den Gärverlauf verbessern. Bei nassem Futter (TM-Gehalt unter 28 %), Reinbeständen von Klee oder Luzerne, verschmutzten Futterpartien (Rohasche größer 120 g/kg TM) oder bei Temperaturen unter 8° C (letzter Schnitt im Herbst) ist der Einsatz von Bakterien-Impfkulturen nicht sinnvoll. Flüssige Bakterienprodukte können im Fahrsilo bis zu einem TM-Gehalt von 45 % erfolgreich angewendet werden, wenn der Rohfasergehalt unter 250 g/kg TM, die Futterlänge unter 5 cm und die Verdichtung über 220 kg TM/m³ beträgt. Beim Einsatz heterofermentativer Milchsäurebakterienstämme wird verstärkt Essigsäure gebildet, die nach dem Öffnen des Fahrsilos die Vermehrung von Hefen hemmt und somit einen Schutz vor Nacherwärmung bieten kann. Für Silorundballen sollten eher Flüssigprodukte mit homofermentativen Milchsäurebakterienstämmen ausgewählt werden. Die Siliermittelwirkung ist bis zu einem TM-Gehalt von 50 % günstig, wenn die Ballenpresse mit höchstem Pressdruck und voll bestücktem Schneidwerk fährt.

Säuren und Salze
Ist eine Schadensbegrenzung aufgrund von Risikobedingungen (klee- oder kräuterreicher Bestand, angeregnetes oder mit Erde verschmutztes Futter, grobstängeliges Erntegut, unzureichende Verdichtung, zu stark angewelktes Futter) erforderlich, um eine Fehlgärung oder Nacherwärmung einzudämmen, so können nur mehr organische Säuren (Ameisen-, Propion-, Sorbin- und Benzoesäure), Salze von organischen Säuren (Formiat, Propionat, Benzoat, etc.) oder chemische Konservierungsstoffe (Natriumnitrit, Hexamethylentetramin, etc.) helfen. Im Silageprojekt 2009 verwendeten Landwirte die Säuren bzw. Salze verstärkt im feuchteren TM-Bereich, bei Erntegut mit erhöhten Rohaschegehalten (über 120 g Asche/kg TM) oder bei Anwelkung über 40 % TM und konnten dabei einen mäßigen bis leichten Erfolg verbuchen (siehe Abbildung). Organische Säuren und chemische Salzverbindungen können bis zu einem TM-Gehalt von 550 g/kg FM bzw. einem Rohfasergehalt von 180 bis 300 g/kg TM empfohlen werden. Bei Grünlandfutter mit mehr als 300 g Rohfaser/kg TM können auch Säuren und Salze keine Wunder wirken, deshalb sollte dieses Material nicht einsiliert werden.

Fazit
Unter guten bis optimalen Witterungsverhältnissen ist bei Einhaltung der Silierregeln grundsätzlich kein Einsatz von Silierhilfsmitteln erforderlich, um aus Grünlandfutter stabile, buttersäurefreie Grassilagen ohne Nacherwärmung mit einer Energiedichte von mehr als 6,0 MJ NEL/kg TM zu erzeugen. Bei fachgerechter Produktauswahl, entsprechender Dosierung und Verteilung sind Silierzusätze bei Grassilagen in der Lage, gärungsbedingte Qualitätsverluste zu reduzieren. Silierhilfsmittel und speziell Bakterien-Impfkulturen können bei Nichteinhaltung einer oder mehrerer Silierregeln keine Wunder bewirken und schlechtes Futter nicht in beste Silage verwandeln!
Die Kosten von Silierhilfsmitteln betragen zwischen 1,00 und 9,72 Euro/t Silage, das macht für 150 m³ Siloraum zwischen 100.- bis 1.000 Euro aus. Die Siliermittelkosten müssen aus wirtschaftlicher Sicht durch einen höheren Futterwert der Silage oder durch Reduktion von Gärungsverlusten zumindest ausgeglichen werden.

Autor: Ing. Reinhard RESCH, LFZ Raumberg-Gumpenstein


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Aktualisiert am: 02.04.2010 11:09
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