Sensoren liefern Daten für Superkühe

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Der Pansensensor des Grazer Unternehmens smaXtec war die Grundlage einer einzigartigen Geschichte: mit Hilfe von objektiven Daten konnten über 400.000 Verbaucher mitverfolgen, wie es den drei Kühen im Projekt Superkühe geht. Der LANDWIRT bat Geschäftsführer Stefan Rosenkranz zum Interview.
Dr. Stefan Rosenkranz ist Geschäftsführer der smaXtec animal care GmbH mit Sitz in Graz. Foto: Michael Fiedler Photography
Dr. Stefan Rosenkranz ist Geschäftsführer der smaXtec animal care GmbH mit Sitz in Graz. Foto: Michael Fiedler Photography
LANDWIRT: Was ist unter dem Projekt Superkühe zu verstehen?

Rosenkranz: Superkühe ist ein vom Westdeutschen Rundfunk initiiertes Projekt. Es begleitete drei Milchkühe in unterschiedlichen Haltungsarten in Nordrhein-Westfalen. Im Fernsehen, im Internet und im Radio erfuhren Interessierte, wie die Milchproduktion und der Alltag auf einem Bio-Betrieb, einem traditionellen Familienbetrieb und einem Großbetrieb ablaufen.

Wie wurden die drei Kühe genau begleitet ?

Superkühe ist ein neues journalistisches Format, ein sogenanntes Social Sensor Experiment, erfunden von Wissenschaftsjournalist Dr. Jakob Vicari. Sensoren erhoben wichtige Parameter direkt an der Kuh. Die gemessenen Daten dienten in Kombination mit Informationen aus anderen Systemen wie z.B. Milchleistungsdaten, als Grundlage für die Beiträge die einzelnen Kühe. Diese wurden von Hof-Reportern geschrieben.

Welche Rolle spielten smaXtec-Sensoren?

Mithilfe von smaXtec Premium Boli, wurden Bewegungsaktivität, Temperatur und pH-Wert der Kühe im Pansen gemessen. Die kontinuierliche Messung dieser Daten ermöglicht es, das individuelle Tierwohl stets im Blick zu behalten und frühzeitig einzugreifen.

Die Sensoren befinden sich in einem Bolus, der den Kühen wie ein Kalziumbolus übers Maul verabreicht wird. Foto: Michael Fiedler Photography
Die Sensoren befinden sich in einem Bolus, der den Kühen wie ein Kalziumbolus übers Maul verabreicht wird. Foto: Michael Fiedler Photography
Warum haben Sie das Projekt mit euren Sensoren und eurem Wissen unterstützt?

Als Unternehmen, das im Milchviehbereich tätigt ist, wollen wir zur besseren Information der Verbraucher beitragen. Wir finden es wichtig, dass auch Verbraucherinnen und Verbraucher wissen, wie Milch entsteht und welchen Herausforderungen Landwirte sich in ihrer täglichen Arbeit stellen müssen.

Was haben Sie erwartet und was ist eingetreten?

Wir haben uns eine Steigerung der Bekanntheit unserer Produkte erwartet und wollten auch einem großen Publikum zeigen, welche interessanten Schlüsse aus den von uns erhobenen Daten gezogen werden und welchen Nutzen das Produkt bringt. Aus unserer Sicht sind diese Ziele alle erreicht worden – das Projekt hat eine sehr große Reichweite, die wir auch gut für uns nutzen konnten.

Welche Herausforderungen gab es während des Projekts?

Aus unserer Sicht gab es keine Herausforderungen, einmal installiert funktioniert das System ja automatisch. Für einen bestmöglichen Nutzen für den Zuschauer haben wir das Team vom WDR mit der Dateninterpretation unterstützt, wöchentlich gab es auch eine große Datenrundschau mit smaXtec im Zuge derer die Entwicklung der Kurven genau erläutert wurde.

Über 400.000 Zugriffe zählte die Hompage des Projekts Superkühe während der Berichtsphase. Foto: Syda Productions/shutterstock
Über 400.000 Zugriffe zählte die Hompage des Projekts Superkühe während der Berichtsphase. Foto: Syda Productions/shutterstock
Stimmten die Ergebnisse der Pedometer, des Moocall-Geburtsmelders und des smaXtec-Bolus überein? Gab es Abweichungen?

Der Moocall-Geburtsmelder wurde einmal eingesetzt und die Abkalbung wurde ebenso von unserem System erkannt. Alle Kühe mit smaXtec Boli hatten auch ein Pedometer: Die Aktivitätswerte stimmen bei den Messgeräten überein, allerdings werden beim Pedometer Schrittzahlen und bei uns Prozentwerte ausgegeben – somit ist es nicht direkt vergleichbar.

Wie nahm die Öffentlichkeit die Sensoren im Tier an?

Die Reaktionen waren meist sehr interessiert und die Nutzer sehr offen. Der Fortschritt der Digitalisierung in der Landwirtschaft ist für viele Verbraucher noch unbekannt, die meisten stehen neuen Technologien wie unserer aber durchaus positiv gegenüber. Gerade weil in dem Projekt aufgezeigt wurde, wie viele verschiedene Bereiche Landwirte gleichzeitig managen, wurde auch sichtbar warum Technologie als Unterstützung benötigt wird.

Gab es negative Reaktionen auf die Sensortechnik im Tier?

Die negativen Reaktionen bezogen sich eher auf die Milchwirtschaft im Allgemeinen, zum Sensor waren nur wenig kritische Meldungen zu hören.

Mehrmals täglich gab es aktuelle Daten über Aktivität, Milchleistung und ph-Wert im Pansen. Foto: Sydra Productions/shutterstock
Mehrmals täglich gab es aktuelle Daten über Aktivität, Milchleistung und ph-Wert im Pansen. Foto: Sydra Productions/shutterstock
Wie haben Landwirte auf das Projekt reagiert?

Durchwegs positiv – die neutrale Darstellung der Sachverhalte und die umfassende Information der Verbraucher wurden in einem großen Teil der Rückmeldungen befürwortet. Im Laufe des letzten Monats haben sich zahlreiche Landwirte an Diskussionen beteiligt um neugierigen Verbrauchern noch zusätzliche Informationen über den Ablauf an ihren Betrieben zu bieten. Viele nutzten die Superkühe-Facebook-Plattform auch um sich mit anderen Landwirten auszutauschen.

Das Projekt ist abgeschlossen. Sind die Daten weiterhin einsehbar?

Die Live-Übertragungen starteten am 4. September und wurden bis 3. Oktober 2017 mehrmals täglich aktualisiert. Die Daten und Informationen über die Milchwirtschaft in Deutschland bleiben jedoch auf der Superkuh-Homepage weiterhin zugänglich.

Was die Landwirtschaft vom Projekt Superkühe hat, lesen Sie in LANDWIRT 21/2017.
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Aktualisiert am: 18.10.2017 11:27