Selbfahrende Zuckerrübenvollernter - Markt, Unternehmen, Technik

Der Markt für Zuckerrübenvollernter ist eng, nur 5 Hersteller bewegen sich in der engen Nische und agieren als Fulliner, um das Marktsegment voll auszunutzen.
Ein sechsreihiger Rübenroder kann in beladenem Zustand etwa 40 Tonnen und mehr Gewicht auf die Waage bringen.
Ein sechsreihiger Rübenroder kann in beladenem Zustand etwa 40 Tonnen und mehr Gewicht auf die Waage bringen.
Seitdem Mitte der 1972 der erste selbstfahrende Zuckerrübenvollernter von Paintner, dem späteren Gründer von ROPA, in Bayern entwickelt wurde, hat dieses System Europa und viele andere Länder der Welt erobert. Aufgrund der großen Schlagkraft – die in der kurzen Ernteperiode im Herbst/Winter für die Einbringen der Zuckerrüben auf möglichst trockenem Boden erforderlich ist – und aufgrund der Wirtschaftlichkeit dieses Erntesystems befinden sich in Westeuropa und vor allem im deutschsprachigen Raum alle anderen Zuckerrüben-Erntesysteme auf dem Rückzug. Innovationskraft, gepaart mit Kundennähe, guter Beratung und schlagkräftigem Service während der Kampagne, gehören zu den Erfolgsvoraussetzungen der Hersteller. Obwohl sich die Anzahl der Hersteller mit fünf namhaften Wettbewerbern in Westeuropa in Grenzen hält, war der Preis- und Kostendruck auf die Hersteller immer wieder existenzgefährdend – denn der Produktionsumfang für die in Westeuropa hergestellten Zuckerrübenvollernter beschränkt sich zur Zeit auf rund 500 Einheiten. Wir untersuchen, mit welchen Strategien die einzelnen Anbieter sich den Herausforderungen dieses turbulenten Wettbewerbsfeldes stellen.

Ernte-Logistik und Fulline-Prinzip
Die Zuckerrübe kennt keine langen Vermarktungswege – sie geht vielmehr vom Feld direkt in die nächstliegende Zuckerfabrik, die unter westeuropäischen Verhältnissen bis über 100 km entfernt liegen kann. Die Verarbeitungskapazität der Zuckerfabriken, die bei 15.000 Tonnen und mehr je Tag liegen kann, bestimmt die Zusammenstellung und Kapazität der Ernteverfahren-, der Zwischenlagerung in Feldrandmieten, der Verladung und des Abtransportes der Zuckerrübe per LKW. Die Erntelogistik unterliegt seit etwa 10 Jahren einer starken Veränderung, da die Zuckerfabriken weitgehend von der Vorratslagerung zur „just-in-time“- Anlieferung der Rüben übergehen. Im Zuge dieser Rationalisierung hat sich auch der mitgelieferte Erdanteil – der noch zu Beginn der neunziger Jahre genau so hoch wie der Rübenanteil war – auf etwa 5 % verringert. Auch die durchschnittlichen Masseverluste der Zuckerrübe verringern sich bis auf etwa 2 % - durch präzise Köpfverfahren, durch seitliches Anpassen der Rodeaggregate und durch sorgfältiges Herausheben der Rübe aus dem Erdreich.

Je nach Feldgröße und Reihenlänge besteht die ständig optimierte Feldlogistik heute vorwiegend aus dem 1-phasigen sechsreihigen Köpfrodebunder- Ernteverfahren, Überladewagen bei größeren Abständen zur Feldmiete, und dem selbstfahrenden Rübenaufnahme- und Reinigungslader, der die Rüben aus der Miete aufnimmt, gleichzeitig nochmals reinigt und auf Lastwagen zum Abtransport verlädt. Folglich entwickeln sich die spezialisierten Hersteller von Zuckerrübenvollerntern zu Fullinern, die auch gezogene oder selbstfahrende Überlader und Reinigungslader im Programm führen.

Autor: Wolfang KUTSCHENREITER, Agrartechnik Strategiepartner


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Aktualisiert am: 09.10.2008 15:15
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