Schwerpunktthema: Moderne Eberhaltung

Die Schweinezucht in Österreich steht vor neuen Herausforderungen. Einheitliche Sauengruppen mit hohem Gesundheitsstatus, sowie leistungsstarke Eber für die künstliche Besamung sind gefragt. Ist die Österreichische Schweinezucht überhaupt in der Lage, diese Anforderungen zu erfüllen? Welche Strategien dazu verfolgen die Schweinezuchtverbände?

Für beste Spermaqualität müssen die Haltungsbedingungen für die Eber optimal sein.
Für beste Spermaqualität müssen die Haltungsbedingungen für die Eber optimal sein.
Die Schweinezucht in Österreich hat eine gute Basis, um die zukünftigen Herausforderungen anzugehen. Die intensive Leistungsprüfung, eine effiziente Zuchtwertschätzung und die strenge Selektion werden von den Zuchtverbänden gemeinsam mit der österreichischen Prüfanstalt Streitdorf umgesetzt. Das Zuchtziel wird in direkter Abstimmung mit unseren Marktpartnern in der Ferkelproduktion und Mast laufend an die aktuellen Marktanforderungen angepasst und kontinuierlich weiterentwickelt. Strukturelle Nachteile müssen durch eine gezielte Betriebsentwicklung der Zuchtbetriebe weiter ausgeglichen werden. Nehmen wir diese Herausforderungen an und nützen unsere Stärken, dann wird es uns auch in Zukunft gelingen, die Wertschöpfung im Bereich Schweinzucht in Österreich zu halten.

Erfüllt die praxisübliche Haltung von Stimulier- und Besamungsebern die tierschutzrechtlichen Anforderungen?
·Die Haltungsbedingungen in den Besamungsstationen entsprechen den Vorgaben der EU-Richtlinien und können im internationalen Vergleich als sehr gut bewertet werden (keine Kastenstandhaltung, 100 % Stroheinstreu, Sichtkontakt zu anderen Ebern).
·In Übereinstimmung mit der EU-Richtlinie 2001/93/EG stehen für ausgewachsene Eber genügend Buchten mit einer Fläche von mindestens 6 m2 zur Verfügung. Ausgewachsene Eber (Eber, Alteber) sind männliche Schweine ab einem Alter von über 24 Monaten, bis zu einem Alter von 24 Monaten sind es Jungeber.
·Die große Mehrheit der Buchten sowie der darin gehaltenen Eber zeichnet sich durch eine gute Sauberkeit bzw. geringe Verschmutzung aus.

Was ist normales Eberverhalten, wie groß soll die Buchtengröße sein, wie viel Stroh brauchen sie? Buchtengröße, Witterung und weitere Faktoren haben großen Einfluss auf das Verhalten Ihres Ebers.
· Das Verhalten der Eber weist große individuelle Unterschiede auf, wobei im Mittel nahezu 20 Stunden pro Tag liegend verbracht werden. Das Ruhe- und Aktivverhalten der Eber wird in stärkerem Maße von Zeitgebern, wie Füttern, Tränken, Einstreu, als von der Buchtengröße beeinflusst.
· Das Angebot von Stroh allein ist keine Gewähr für eine intensive Beschäftigung damit. Je häufiger die Eber veranlasst werden aufzustehen, desto höher ist der Zeitanteil der Beschäftigung mit der Einstreu.

Die Besamungsstation Steinhaus hat ihre Kapazität in den letzten Jahren stark steigern können. Der Spermaverkauf steigerte sich von 133.000 (1996) auf 312.000 Portionen. Dabei ist ein hoher Gesundheitsstatus in der Station von großer Bedeutung.
Das Gesundheitsprogramm der Besamungsstation Steinhaus wird gemäß den Richtlinien der europäischen Union (Richtlinie 90/429/EWG) entsprechend streng umgesetzt, um die Produktion von Sperma höchster Qualität gewährleisten zu können.

Zugekaufte Jungeber müssen aus Beständen stammen, die frei von Brucellose und frei von klinischen Anzeichen der Aujeszkyschen Krankheit (AK) sind. Vor Eingliederung in die Besamungsstation werden alle Eber mindestens für einen Zeitraum von 30 Tagen in entsprechenden Quarantänestationen isoliert gehalten. Hier müssen alle Tiere zunächst serologisch auf Brucellose, AK und Schweinepest untersucht werden.

Autoren: Dr. Peter KNAPP, Prof. Dr. Steffen HOY, DI Florian GAHEIS und Dr. Alfred GRIESSLER


Aktualisiert am: 27.04.2006 18:04
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