Schwerpunktthema Mais 2006

Maissorten für 2006
Pflanzenschutz 2006 – von Problemen mit Unkräutern und Käfern
Industrielle und energetische Nutzung von Mais
Der Maismarkt in Österreich, der EU inklusive Osteuropa und der Weltmarkt




Maissorten für 2006

Der Ertrag ist noch immer die wesentlichste Komponente für die Wirtschaftlichkeit des Maisanbaus. Worauf es sonst noch bei der Wahl der richtigen Sorte ankommt, verraten Ihnen die Maisbauexperten der Kammern.

Ein Rückblick auf die beiden vergangenen Jahre hat gezeigt, dass ein erfolgreicher Maisbau nur bei hoher Ertragsleistung und Ertragssicherheit bestehen kann.
Ein Rückblick auf die beiden vergangenen Jahre hat gezeigt, dass ein erfolgreicher Maisbau nur bei hoher Ertragsleistung und Ertragssicherheit bestehen kann.
Ein entscheidender Punkt bei der Maissortenauswahl ist nach wie vor die Ertragsleistung, welche zuverlässig unter verschiedenen Wetterbedingungen, weil nicht vorhersehbar, gegeben sein soll. Am besten wird diese Auswahl anhand mehrjähriger Ertragsauswertungen deutlich. Sorten, die sowohl eine hohe Kornreihenanzahl, eine hohe Kornzahl je Reihe als auch ein gutes Tausendkorngewicht haben, haben eine sicherere Ertragsbildung. Sorten, die von vornherein nur ein geringes Kolbengewicht erzielen, wie frühreife Sorten, müssen zwangsläufig in der Pflanzenanzahl höher gefahren werden. Während Körnermaissorten zwischen Reifezahl 300 bis 440 meist mit 70.000 bis 85.000 Korn je ha ausgesät werden, können frühere Sorten mit bis zu 100.000 Korn je ha angebaut werden. Sorten unter einer Reifezahl von 250 auf gut mit Wasser versorgten Böden können sogar mit 110.000 Korn je ha gesät werden. Wichtig ist bei derart hohen Saatstärken, dass sowohl Triebkraft des Saatgutes als auch Sägenauigkeit (Stichwort Fahrgeschwindigkeit nicht höher als 6 km/h) einen geringen Pflanzenausfall von unter 5 % sicherstellen.

Autoren: DI Harald SCHALLY, DI Wolf REHEIS, Ing. Peter KÖPPL, DI Martin BÄCK und Dr. Karl MAYER, Landwirtschaftskammern Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich und Steiermark



Pflanzenschutz 2006 – von Problemen mit Unkräutern und Käfern

Die Situation im Mais bleibt angespannt, nicht nur auf der preislichen Seite, sonder auch beim Schutz der Kultur: Der Maiswurzelbohrer breitet sich aus, Hirsen bleiben problematisch. Doch an dieser Front gibt es Bewegung durch Neuzulassungen.

Mit neuen Wirkstoffen geht es 2006 der Hirse an den Kragen.
Mit neuen Wirkstoffen geht es 2006 der Hirse an den Kragen.
Die Situation zum Maisanbau 2006 ist nach den schlechten Preisen 2005 sicher nicht motivierend. Das weitere Vordringen des Maiswurzelbohrers bis in den Raum St. Pölten und bis zur Mur ist mit weiteren Beizkosten verbunden, sofern man Mais nach Mais baut. Die Wirksamkeiten von manchen Herbizidkombinationen haben auch nicht immer entsprochen.

Die Wirkungsschwäche von Callisto auf Borstenhirse wird nunmehr in der neuen Formulierung mit Terbutylazin deutlich verbessert. In der Aufwandmenge von 1,5 l/ha sind umgerechnet ca. 1 l Callisto und 1 l 50%-iges Terbutylazinprodukt enthalten. Die beiden Wirkstoffe haben ja bereits bisher im Zintan Gold Pack für die ausgezeichnete Abbrennwirkung gesorgt, während der Dual- Wirkstoff im Zintan Gold-Pack (in Gardogold) das Nachkeimen von Hirsen verhindert hat. Wieweit die letztjährige gute Borstenhirsewirkung auch 2006 für Österreich allgemein gilt, ist abzuwarten oder ist selbst zu beobachten. Von der Firma wird es eher als besserer Lido- Ersatz gesehen. Die Hirseleistung wird jedenfalls durch die empfohlene Kombination mit SL 950 abgesichert, was den ha- Preis entscheidend verteuert.

Autor: Dipl. Ing. Peter KLUG, LK Stmk.



Industrielle und energetische Nutzung von Mais

Mais ist eine universell einsetzbare Pflanze, ihre Möglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft in Industrie und Energieversorgung sind noch lange nicht ausgereizt. Für die Landwirte eröffnen sich hier große Potenziale.

Ziel der Züchtung heißt: Verdoppelung des Ertrages in den nächsten 10 Jahren.
Ziel der Züchtung heißt: Verdoppelung des Ertrages in den nächsten 10 Jahren.
Biogas ist die bekannteste energetische Nutzung von Mais. Mit Mais als Biogasquelle lassen sich natürliche Kreisläufe auf mehrfache Art nutzen. Von allen bekannten nachwachsenden Rohstoffen hat Mais den höchsten Energieertrag, gemessen im Hektarertrag Biogas und auch als Stromleistung.

Die europäischen Gasvorkommen bzw. die in der näheren Umgebung (Ägypten, Lybien, Algerien, Usbekistan etc.) sind am Schwinden, um 2025 sind diese Quellen erschöpft, nur noch Russland und Turkmenistan verfügen über ergiebige Quellen. Bis dahin sollte also Biogas aus natürlichen Quellen diese Mengen ersetzen.

Biogas ist ein Alleskönner unter den erneuerbaren Energien. Das Erntegut bietet eine große Vielfalt an organischen Stoffen, die Produkte sind vollständig nutzbar und speicherbar, die energetische Verwertung ist ebenfalls vielfältig und bietet eine breite Palette von grundlastfähiger Nutzenergie. Mais lässt sich umwandeln in Wärme, Wärme und Elektrizität oder zu Kraftstoff und damit in Mobilität. Biogas lässt sich in das bestehende Gasnetz einspeisen. Von den Kosten her (cent/KWh) liegt Biogas aus Mais unter einem Drittel von Rohöl und ist damit bedeutend günstiger als Energie aus Weizen oder Rapssaat. Ein positiver Nebeneffekt ist die Vermeidung von klimarelevanten Emissionen, v.a. Methan. Für die Energieerzeugung ist Mais daher eine interessante Pflanze, um die sich auch die Züchter kümmern. Es scheint möglich, in den nächsten 10 Jahren den Ertrag zu verdoppeln.

Autor: Hubert LOICK, Fa. Loick Biowertstoffe



Der Maismarkt in Österreich, der EU inklusive Osteuropa und der Weltmarkt

Der Maismarkt ist im Umbruch, durch die EU-Erweiterung häufen sich Überschüsse auf. Der Weltmarktzugang der EU-Neulinge ist eingeschränkt, ihr Angebot drückt die EU-Maisbilanz. Auch weltweit sind die Preise eher niedrig. Steigender Bedarf, v.a. auch aus dem Bereich Bioenergie, bietet Grund zu Optimismus.

Der europäische Maismarkt hat mit der EU-Erweiterung seine vom übrigen Getreide herausgehobene Position ausgeglichener Angebots-/Nachfragerelationen verloren. Während früher die Mengen aus den traditionellen EU-Überschussgebieten unter Berücksichtigung der Umschlags- und Transortkosten in die Zuschussregionen glatt abflossen, ist seit der Ernte 2004 wachsender Vermarktungsdruck spürbar. Vor allem die Angebotsergänzung aus Ungarn, der Slowakei, Tschechien und Polen hatte empfindliche Preisschwächen zur Folge, die sich außer in den Herkunftsländern auch in Österreich und Deutschland scharf ausprägten. Immerhin waren 2004/05 EU-weit rund 3,2 Mio. t Mais in die Intervention geflossen, davon allein 2,5 Mio. t in Ungarn.

Die US-Marktbilanz 2005/06 weist für Exporte und Bestand einen steigenden Überschuss auf, der kaum Chancen für nachhaltige Preiserholung lässt. Daran ändern wohl auch der etwas schwächere Konkurrenzdruck von Platamais aus Argentinien und der weltweit zunehmende Verbrauch wenig. Gleichwohl liefern die Verbrauchsprognosen mit einem neuen Rekordvolumen von mehr als 684 Mio. t – die Welt-Maisernte 2005/06 wird auf 672 Mio. t veranschlagt – durchaus bescheidenen Grund für Preishoffnungen, insbesondere wenn sich die optimistischen Exporterwartungen für die USA bestätigen sollten.

Autor: Rainer STRATMANN, Leiter des Fachbereichs Getreide, Ölsaaten, Futtermittel der ZMP Zentrale Markt- und Preisberichtstelle


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Aktualisiert am: 12.01.2006 16:19
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