Schwerpunktthema: Heilpflanzen für Nutztiere

Heilkräuter zur Behandlung kranker Tiere haben durch den Einsatz von chemisch-synthetischen Arzneimitteln im 20. Jahrhundert stark an Bedeutung verloren. Erst durch die erhöhte Aufmerksamkeit der Konsumenten in Bezug auf Arzneimittelrückstände in tierischen Lebensmitteln und den allgemeinen Wunsch nach Reduktion chemisch-synthetischer Arzneimittel erfahren alternative Heilmethoden einen neuen Aufschwung.
Heilpflanzen enthalten Stoffgemische, die in Kombination meist besser wirken als die einzelnen Inhaltsstoffe.
Heilpflanzen enthalten Stoffgemische, die in Kombination meist besser wirken als die einzelnen Inhaltsstoffe.
Das Schwerpunktthema gibt einen Überblick über die Möglichkeiten der Vorbeugung und Behandlung landwirtschaftlicher Nutztiere mit Heilpflanzen.Es ist keinesfalls als „Kochbuch für eine alternative Tierbehandlung“ zu verstehen. Beim Auftreten von Erkrankungen im Tierbestand ist immer der Tierarzt der erste Ansprechpartner!

Phytotherapeutika weisen eine große therapeutische Breite auf und verursachen oft weniger Nebenwirkungen als synthetisch hergestellte Arzneimittel. Es wäre aber eine irrige Annahme, dass pflanzlich zwangsläufig nebenwirkungsfrei bedeute.

Als primäre Pflanzeninhaltsstoffe werden Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette bezeichnet. Sekundäre Pflanzenstoffe kommen nur in sehr geringen Mengen vor und erfüllen für die Pflanze unterschiedlichste Funktionen (Abwehr gegen Krankheiten, Schädlinge und Fraßfeinde; Anlockung von Bestäubern und Samenverbreitern; Wachstumsregulatoren; Farb-, Geruchs- und Geschmackstoffe; UV- oder Verdunstungs-Schutz; mechanische Festigung; ...). Es gibt ungefähr 30.000 bekannte sekundäre Pflanzenstoffe, von denen bisher nur zirka 10.000 genauer erforscht sind. Aus der großen Vielfalt an sekundären Pflanzenstoffen ergeben sich viele unterschiedliche Wirkungen (positive und negative). Das Besondere der Phytotherapeutika ist nun, dass diese sekundären Pflanzenstoffe in ihrer Kombination meist besser wirken als die einzelnen Reinsubstanzen.

Viele Heilpflanzen können in der Regel bedenkenlos angewendet werden. Dennoch sind auch sie nicht ohne Gefahr, wenn sie nicht bestimmungsgemäß angewendet werden. Es ist daher auf die empfohlene Menge, die Konzentration der Zubereitung sowie die Dauer der Anwendung zu achten. Auch die Empfehlung, ob die Pflanze für den äußerlichen oder innerlichen Gebrauch geeignet ist, sollte unbedingt eingehalten werden. Arnika etwa darf auf keinen Fall innerlich angewendet werden, da beim Menschen schädigende Wirkungen auf Magen, Darm und Herz bekannt geworden sind. Akute Erkrankungen wie Durchfall müssen sich rasch bessern, ansonsten besteht Lebensgefahr für das Tier. Allenfalls ist die Kombination mit anderen Therapiemethoden notwendig.

Autorenteam: Dr. Leo AICHBERGER (Tierarzt), DI Martina BIZAJ (FIBL Österreich), Mag. Florian FRITSCH (Fa. Richter Pharma), Dr. Doris GANSINGER (Tierärztin), Dr. Werner HAGMÜLLER (HBLFA Raumberg-Gumpenstein), Dr. Isabella HAHN (Vet.med. Universität Wien), Mag. Alexandra HOZZANK (Verein InfoXgen), DI Mag. Veronika KOLAR (AGES), Dr. Gerhard PLAKOLM (HBLFA Raumberg-Gumpenstein), Dr. Elisabeth STÖGER (FIBL Österreich)


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Aktualisiert am: 17.03.2006 10:06
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