Schweizer Milchproduzenten: Gfeller und Rösti treten zurück

Paukenschlag beim Verband der Schweizer Milchproduzenten (SMP): Direktor Albert Rösti und Präsident Peter Gfeller treten zurück. Rösti und Gfeller wollen mit ihrem Abgang Platz für einen Neuanfang machen und fordern eine Reform der SMP-Führung.
Peter Gfeller: „Wir brauchen eine Entflechtung der Handels- und Standesinteressen.“
Peter Gfeller: „Wir brauchen eine Entflechtung der Handels- und Standesinteressen.“
Der Vorstand habe eigene Entscheidungen hintertrieben und dadurch die Vertretung der Milchbauern ins Abseits manövriert, lautet die Kritik. Angesichts des anhaltend tiefen Milchpreises sei die wirtschaftliche Situation für die Schweizer Bauern absolut ungenügend, für viele sei sie sogar katastrophal, erklärte SMP-Präsident Gfeller nach Angaben des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes (LID) am Freitag in Bern. Vergangenes Jahr hätten wiederum 900 Betriebe ihre Stalltüren für immer geschlossen. Von Landwirten sei er immer wieder gefragt worden, wann es denn endlich wieder aufwärts gehe. Er habe seinen Berufskollegen immer weniger Perspektiven aufzeigen können, bedauerte Gfeller. Im politischen Lobbying sei die SMP durchaus erfolgreich gewesen, hielten Rösti und Gfeller fest. Während der Bund die Verkäsungszulage bereits im Jahr 2007 kürzen und die Siloverbotsentschädigung ganz streichen wollte, konnten diese zwei Instrumente trotz Ausdehnung der Käsemenge auf dem gleichen Stand gehalten und im Rahmen der "Agrarreform 2014 bis 2017 " erneut im Gesetz festgeschrieben werden. "Dies brachte den Schweizer Milchproduzenten jährlich weit über 100 Mio. Franken zusätzliches Milchgeld ein ", so Gfeller. Auf der anderen Seite seien dem Verband aber die Instrumente für die Einflussnahme auf den Milchmarkt zunehmend entzogen worden, kritisierte Rösti. So habe der SMP-Vorstand in den vergangenen Jahren verschiedene Vorschläge zur Milchmarktstabilisierung mit großer Mehrheit verabschiedet. "Dennoch wurden diese Beschlüsse von regionalen Organisationen unterlaufen, weil sie den Gewinn von zusätzlichen Marktanteilen höher gewichteten als das nationale Interesse eines angemessenen Preises ", kritisierte der Direktor. In der Folge sei die Milchmenge massiv angestiegen und habe zu stark sinkenden Preisen geführt. Leider hätten Mitglieder des Verbandes die rechtliche Fixierung von Maßnahmen zur Marktstabilisierung verhindert. Auch die Gründung der Branchenorganisation Milch habe die wirtschaftliche Lage der Bauern nicht verbessert. Hier mangle es ebenfalls an der Umsetzung gefällter Beschlüsse. Weder der Richtpreis noch die Segmentierung der Milchanlieferung seien bis heute wie geplant realisiert worden.

SMP-Vorstand wird blockiert
Das Hauptproblem der SMP ortet der Präsident innerhalb des Vorstandes. Dieser werde blockiert, weil viele Mitglieder gespalten seien: "Zum einen vertreten sie die Interessen der Bauern, andererseits sind sie Repräsentanten von Handelsorganisationen ", so Gfeller. Weil beide Interessen nicht deckungsgleich seien, habe das zu der bizarren Situation geführt, dass beispielsweise der Vorstand klare Mehrheitsentscheide gefällt habe, die dann von regionalen Mitgliedsorganisationen hintertrieben wurden. In der Folge sei der Milchbauernverband zunehmend zu einem Akteur ohne Einfluss geworden. "Die SMP-Organisation hat in den vergangenen Jahren in der wirtschaftlichen Vertretung der Milchproduzenten laufend an Wirksamkeit eingebüßt ", bemerkte Gfeller selbstkritisch. Im Vorstand sei er sich zuletzt immer öfter unerwünscht vorgekommen. Angesichts dieser Situation trete er bei der nächsten Delegiertenversammlung im Frühjahr zurück.

Auch Direktor Rösti geht
Ende August 2013 verlässt auch Direktor Albert Rösti die SMP. Er betonte am vergangenen Freitag vor Journalisten, dass der Verband der Schweizer Milchproduzenten 2007 und 2008 bewiesen habe, wie stark er sein könne, wenn er mit einer Stimme spreche. Damals habe man zentrale Milchpreisverhandlungen geführt und zu einem erfolgreichen Abschluss bringen können. Danach seien die Mitgliedsorganisationen zunehmend ausgeschert und hätten ihr regionales Interesse über das nationale Interesse gestellt. Auch sein Engagement im Nationalrat sei bei einigen Vorstandsmitgliedern auf Ablehnung gestoßen. Ein zielgerichtetes Arbeiten sei zunehmend schwierig geworden, so Rösti. Rösti und Gfeller wollen mit ihrem Abgang Platz für einen Neuanfang machen, sie fordern jetzt eine Reform des SMP-Vorstandes: "Wir brauchen eine Entflechtung der Handels- und Standesinteressen ", so Gfeller. Einig sind sich die beiden, dass es eine starke Organisation braucht, die die Interessen der rund 22.000 Milchbauern gegenüber den vier großen Molkereien vertritt. "Die Herausforderungen werden weiterhin groß bleiben: Die EU wird die Milchquoten abschaffen und dem teils noch immer abgeschotteten Milchmarkt droht eine weitere Liberalisierung ", betonte Rösti. Er will sich als SVP-Nationalrat auch weiterhin im Parlament für die Anliegen der Milchbauern einsetzen. AIZ

Aktualisiert am: 06.02.2013 14:36
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