Schweizer Käse: Gruyère überholt Emmentaler

Der berühmte Schweizer Emmentalerkäse wird mittlerweile vom Spitzenplatz im Produktionsranking verdrängt: 2009 wurde zum ersten Mal in der eidgenössischen Käsegeschichte mehr Gruyère produziert als Emmentaler, berichtet der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) in Bern.
Der schweizer Gruyère-Käse hat in den Produktionszahlen den Emmentaler erstmals überholt.
Der schweizer Gruyère-Käse hat in den Produktionszahlen den Emmentaler erstmals überholt.
Philippe Bardet, Direktor der Sortenorganisation Gruyère, freut sich über die Entwicklung der Produktion des Gruyère. Er will aber noch zulegen, sein Ziel ist eine Jahresproduktion von 30.000 t. Diese Menge will die Sortenorganisation etappenweise erreichen, damit der Preis gehalten werden kann. Derzeit kostet ein Kilogramm Gruyère ab Käserei zwischen 10,20 und 11 Franken (EUR 7,- bis 7,50). Der Lagerbestand ist laut Bardet mit knapp 9.000 t gut, und die Käsereien können die Produktionsvorgaben der Organisation zu 100% ausschöpfen.

Gruyère-Export steigt
Der Emmentaler gilt als Aushängeschild der Schweizer Käsewirtschaft. Mit rund 20.000 t wurde früher jährlich rund doppelt so viel von dieser Käseart exportiert wie vom Gruyère. Doch letzterer wird im Ausland immer beliebter. Im langjährigen Vergleich wird immer weniger Emmentaler ausgeführt, während die Exportzahlen beim Gruyère ständig wachsen. Wird nicht nur der Export, sondern auch der Inlandskonsum mitberücksichtigt, so fällt der Vergleich umso deutlicher für den Gruyère aus. In den 80er-Jahren war Emmentaler mit Abstand der meist produzierte Käse in der Schweiz, pro Jahr wurden um die 57.000 t hergestellt. Damals sorgte die parastaatliche Käseunion dafür, dass dieses Produkt auch verkauft wurde. Seither schrumpft die Erzeugung aber Jahr für Jahr. Beim Gruyère, der insbesondere in der Westschweiz aus silofreier Rohmilch hergestellt wird, verläuft die Entwicklung in die Gegenrichtung.

Hoher Lagerbestand bei Emmentaler
Bei der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland will man sich von diesem Trend nicht beunruhigen lassen: "Unser Fokus liegt nicht auf einer möglichst großen Produktionsmenge, sondern auf einer möglichst hohen Absatzmenge bei einer möglichst guten Wertschöpfung", sagt Sprecher Christoph Stadelmann. Fakt sei, dass man in der Vergangenheit zu viel Emmentaler produziert habe, was zu einem zu hohen Lagerbestand geführt habe. Dies habe 2009 korrigiert werden müssen, indem die Produktion überproportional stark eingeschränkt wurde. "Ein zu hoher Lagerbestand führt zu hohen Kosten, sodass die Rechnung für die Händler nicht mehr aufgeht", erläutert Stadelmann. Bei der Menge mussten sich die Emmentalerkäser im ganzen vergangenen Jahr zurückhalten. Sie konnten nie voll produzieren, im Durchschnitt lag die Produktionsfreigabe der Sortenorganisation bei weniger als 85%. Laut Stadelmann ist dies nicht nur auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen. "Auch Fälschungen und Imitate machten uns stark zu schaffen. Marketingmäßig konnten wir noch nicht überall mit unseren Mitbewerbern aus Europa mithalten", so der Sprecher. (AIZ)

Autor:
Aktualisiert am: 01.02.2010 22:03
Landwirt.com Händler Landwirt.com User