Schweizer Branchenorganisation Milch: Vorstand senkt Vertragsmilchmenge

Der Vorstand der Schweizer Branchenorganisation Milch (BO Milch) hat zum ersten Mal den Vertragsmilchmengen-Index für Molkereimilch festgelegt. Dieser wird in der Periode von Anfang März bis Ende Juni 2010 vom gegenwärtigen Stand von 103,6 Indexpunkten auf den Wert 100 gesenkt.
Die Schweizer Branchenorganisation Milch senkt die Vertragsmilchmenge.
Die Schweizer Branchenorganisation Milch senkt die Vertragsmilchmenge.
Die gekürzte Vertragsmilchmenge muss zwingend über die Milchbörse vermarktet werden. Beim Richtpreis konnte sich der Vorstand nicht auf eine Anpassung verständigen. Damit bleibt dieser bis Ende März unverändert auf dem Niveau von 62 Rappen/kg (ohne MwSt.), was zur Kritik des Schweizerischen Bauernverbandes geführt hat.

Vertragsmilchmengen reduzieren
Ende Dezember 2009 hat der Vorstand der BO Milch den Entscheid über die Vertragsmilchmenge vertagt, weil die notwendigen Zahlen noch nicht vorlagen. Auf der Basis der zwischenzeitlich geschaffenen Datengrundlagen beschloss er nun, die aktuellen Vertragsmilchmengen zu reduzieren. Die zwischen Molkereimilchverarbeitern und ihren Lieferanten kontraktierte Industriemilchmenge für das Jahr 2010 liegt gemäß Erhebung der BO Milch bei 1,94 Mio. t (ohne Bio- und Käsereimilch). Dies entspricht einem Indexstand von 103,6 Punkten. Im Basisjahr 2009 lag diese Menge bei 1,88 Mio. t (= Index 100). Zudem wurden im vergangenen Jahr gemäß der Erhebung 116.000 t Molkereimilch ohne Jahresvertrag vermarktet. Laut Einschätzung des BO-Vorstandes übersteigt die gegenwärtige Vertragsmilchmenge für 2010 das vorhandene Absatzpotenzial. Daher werden die Mengen gemäß dem jüngsten Beschluss für den Zeitraum März bis Juni um 3,6 Indexpunkte auf das Niveau von 100 Punkten reduziert. Die gekürzte Vertragsmenge sowie Milch, für die keine mindestens einjährigen Verträge bestehen, müssen zwingend über die Milchbörse verkauft werden.

Schweizer Bauernverband enttäuscht
Der Schweizerische Bauernverband ist "sehr enttäuscht ", dass sich der Vorstand der BO Milch an der gestrigen Sitzung nicht auf eine Erhöhung des Richtpreises für Molkereimilch einigen konnten. Seit Sommer 2009 habe sich das Preisumfeld auf den internationalen Märkten teilweise massiv verbessert. Es wäre daher mehr als angemessen gewesen, dieser positiven Entwicklung eine Richtpreiserhöhung folgen zu lassen, kritisiert der Verband. Mit der verweigerten Preisanpassung seien die Milchproduzenten von der positiven Marktentwicklung ausgeschlossen. Dies, obwohl die wirtschaftliche Situation auf den Milchwirtschaftsbetrieben äußerst schwierig sei und höhere Preise dringend wären, so der Bauernverband. Er will sich bei den Marktpartnern weiterhin für eine Preiserhöhung einsetzen. (aiz)


Aktualisiert am: 01.02.2010 09:13
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