Schweiz schafft ab 1. Mai Milchkontingente ab

In zwei Wochen ist es soweit: In der Schweiz wird die Milchkontingentierung nach 32 Jahren endgültig der Vergangenheit angehören. Das Ende der Quoten kommt in einem für die Bauern denkbar ungünstigen Moment.
Die Milchkontingentierung ist mit 1.Mai Geschichte in der Eidgenossenschaft.
Die Milchkontingentierung ist mit 1.Mai Geschichte in der Eidgenossenschaft.
Die Branche kämpft mit Überschüssen, rasant sinkenden Milchpreisen, vollen Butterlagern und der Wirtschaftskrise, die die Exportchancen von Schweizer Milchprodukten auch nicht gerade verbessert. Die Abschaffung der Milchkontingentierung erfolgt jedoch nicht plötzlich. Bereits 2002 schrieb der Bundesrat (die eidgenössische Bundesregierung) in einer Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik, dass die Quoten nicht mehr den Anforderungen des Marktes entsprechen würden. Knapp ein Jahr später folgte das Parlament den Anträgen der Landesregierung und beschloss, die Kontingentierung per 30.04.2009 zu beenden. Damit wurden der Branche sechs Jahre Zeit gegeben, um sich auf die neue Situation einzurichten. Doch wenige Wochen vor dem großen "Tag X" befindet sich der Schweizer Milchmarkt in großen Problemen. "Die Unsicherheit über die Zeit nach dem Ende der Quoten ist größer denn je. Die Nerven der Akteure liegen blank und die verbalen Attacken der Exponenten haben an Schärfe zugenommen", berichtet der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) in Bern.

Mitverantwortung der Verarbeiter
Eine Mitverantwortung an der gegenwärtig schwierigen Lage tragen laut LID auch die Milchverarbeiter. Sie mussten zwar im vergangenen Sommer dem Druck der Produzenten für höhere Milchpreise zähneknirschend nachgeben, sie haben es jedoch geschafft, die Produzenten zu entzweien und den Milchmarkt mit Mehrmengen-Anträgen zu destabilisieren. Damit haben sie erreicht, dass die Milch heute in der Schweiz so günstig wie nie zuvor zu kaufen ist. Und der Druck auf die Preise bleibt.

Kurzfristige Milchmarktentlastung
Um den eidgenössischen Milchmarkt kurzfristig zu entlasten, haben sich Vertreter der Produzenten und der Molkereien am 01.04. darauf geeinigt, von April bis Juni dieses Jahres 5% der schweizerischen Industriemilch als Vollmilchpulver zu exportieren. Für die Verwertung und den Export werden keine Stützungsbeiträge und auch keine Zulagen bezahlt. Die Molkereien zahlen den Milchproduzenten für diese Menge den Weltmarktpreis. Die Milchwirtschaft will damit auch Zeit gewinnen, um in einer neuen Branchenorganisation ein tragbares Marktmodell zu erarbeiten. Produzenten und Industrie seien sich darüber einig, gemeinsam ein Modell zur Segmentierung der Milchmenge mit Festlegung von Normalmilch- und Börsenmilchmengen zu erarbeiten, heißt es.

Unterschiedliche Preise für Vertragsmilch und Zusatzmengen
Das eidgenössische Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) drängt bekanntlich auf ein marktnahes privatrechtliches Mengen-Management. Es geht dabei um ein Splitting zwischen Vertragsmilch und einer Börse für Zusatzmengen, wobei die Spielregeln der weißen Rohstoffbörse noch nicht offiziell sind. Zu einer derartigen Unterteilung des Milchmarktes ab Anfang Mai sind alle größeren Milchhandels-Organisationen bereit, wie der Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP), Albert Rösti, diese Woche bei der Delegiertenversammlung in Bern erklärte. Damit diese Segmentierung auch funktioniert, braucht es eine Koordination unter den Organisationen. Das Ziel ist, dass die Bauernseite für jeden der großen vier Milchverarbeiter (Emmi, Elsa, Cremo und Hochdorf) eine einzige Verhandlungs-Delegation stellt. Auch dazu sind die Milchhandels-Organisationen offenbar bereit. Zuversichtlich ist man bei den SMP auch deshalb, weil die Altlasten im Milchmarkt abgebaut werden sollen, wie Rösti sagte. Dank Butter-, Rahm- und Vollmilchpulver-Exporten - zum Teil aus SMP- oder Bundeskassen gestützt, zum Teil von den Milchbauern durch weltmarkttaugliche Milchpreise getragen - sollen die Butterlager um 5.000 t reduziert werden. (AIZ)


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Aktualisiert am: 20.04.2009 22:58
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