Schweiz: Ein Zehntel der Molkereimilch soll vom Markt

Die Schweizer Branchenorganisation Milch nimmt jetzt einen neuen Anlauf beim Versuch, den Milchmarkt in den Griff zu kriegen: Der Vorstand fasste vergangenen Donnerstag den Grundsatzentscheid, dass 10% der angelieferten Molkereimilch von Anfang Mai bis Ende Juli vom Markt genommen und exportiert werden müssen. Der Konsens dafür wurde in einer turbulenten Sitzung mühsam erkämpft.
In einer Sitzung vergangenen Donnerstag kam die schweizer BO-Milch zum Entschluss, dass 10% der Milch vom Markt sollen.
In einer Sitzung vergangenen Donnerstag kam die schweizer BO-Milch zum Entschluss, dass 10% der Milch vom Markt sollen.
"Wenn wir nicht jetzt etwas tun, dann machen wir nie mehr etwas. Und dann bewegt sich die Preisspirale unerbittlich nach unten", erklärte Markus Zemp, Präsident der BO Milch, gegenüber dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID). Die Verantwortung für diese "Abräumung" liegt bei den Verwertern, die Basis dafür sind die Regeln, die vom Bundesrat (der Bundesregierung) für allgemeinverbindlich erklärt wurden. Das heißt, Mengen, die gegenüber dem Vorjahr zusätzlich unter Vertrag genommen werden, müssen 80% der abgeräumten Milch ausmachen, die restlichen Mengen 20%. Die Verarbeiter müssen auch gegenüber der BO Milch dokumentieren, welche Mengen und welche Produkte wann und wo abgesetzt werden. Mit der Markträumungsaktion soll auch Druck von den sinkenden Erzeugermilchpreisen genommen werden.

Richtige Richtung
Für die Schweizer Milchproduzenten (SMP) geht der Grundsatzentscheid in die richtige Richtung, sagt deren Sprecher Christoph Grosjean-Sommer. Mit der Abräumung von 10% der Molkereimilch habe man der von der SMP seit Langem geforderten Senkung des Milchmengenindexes auf 93% im Grundsatz zugestimmt. Im laufenden Jahr wurden rund 3,6% mehr Milch unter Vertrag genommen als 2009. Die Branchenorganisation hatte bereits Mitte Februar beschlossen, die Menge um diesen Wert auf 100% zu senken. Weil die Umsetzung dieses Beschlusses aber kompliziert und hoch umstritten war, passierte bisher nichts. Die Umsetzung ist laut LID auch jetzt noch ein Knackpunkt, denn nicht alle Verwerter haben Mehrmengen unter Vertrag genommen. Wie genau die 10% Molkereimilch auf die einzelnen Verwerter verteilt werden sollen, wird eine Arbeitsgruppe bis zum 06.05. entscheiden müssen. Diese Gruppe, die noch gebildet werden muss, soll von BO-Präsident Zemp geführt werden und je vier Vertreter von Produzenten und Verarbeitern umfassen.

Verschiedene Ansätze
BO-Geschäftsführer Daniel Gerber deutet an, dass man, falls gar keine Einigung zustande komme, die abzubauenden Milchmengen möglicherweise linear verteile. "Dem würde die SMP niemals zustimmen", sagt Grosjean. Eine allgemeine Kürzung um ein Zehntel wäre für jene Milchbauern, die nicht mehr produzieren als im Vorjahr, ein harter Schlag. Für diejenigen hingegen, die ihre Lieferung stark ausgedehnt haben und die im BO Milch-Vorstand auch vertreten sind, wäre dies eine attraktive Lösung. Präsident Zemp erklärt, möglicherweise könne man auch einen finanziellen Ausgleich unter den verschiedenen Akteuren machen. (AIZ)

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Aktualisiert am: 24.04.2010 09:09
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