Schweiz: Branchenorganisation beschließt Mengenregelung für Milchmarkt

Nach langem und hartem Ringen hat die Branchenorganisation Milch (BOM) vergangene Woche die Eckpunkte für ein künftiges Mengenmodell im Schweizer Milchmarkt beschlossen, das ab Anfang 2010 gelten soll.
Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat die Eckpunkte für ein künftiges Mengenmodell im Schweizer Milchmarkt beschlossen, das ab Anfang 2010 gelten soll.
Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat die Eckpunkte für ein künftiges Mengenmodell im Schweizer Milchmarkt beschlossen, das ab Anfang 2010 gelten soll.
Die in der BOM vertretenen Produzenten und Verarbeiter sind sich schon seit Längerem einig darüber, dass der Markt mit einem dreigeteilten Modell stabilisiert werden soll. Dabei wird unterschieden zwischen einer vertraglich gesicherten Milchmenge, die auch als Referenzmenge bezeichnet wird, zweitens einer Spotmarktmilch, die über eine Milchbörse gehandelt werden soll, und drittens, einer sogenannten Abräumungsmilch, die zu Weltmarktpreisen gekauft, verpulvert und exportiert wird. Ebenfalls geeinigt hat man sich bereits auf einen vierteljährlichen Richtpreisindex, der als Orientierung für die Preisverhandlungen dienen soll. Unklar ist aber nach wie vor, nach welcher Formel im Bedarfsfall die Mengen gekürzt werden und wie man dabei die Mehrmengen (Überlieferungen) gewichtet.

Keine einfache Antwort
Im Zusammenhang mit der Aufhebung der Milchkontingentierung per 01.05.2009 hat die Branche lange Zeit nach Lösungen gesucht, um auch in Zukunft eine - den Absatzmöglichkeiten entsprechende - Versorgung des Milchmarktes zu gewährleisten. Der große Streitpunkt war nach Angaben des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes (LID) bisher die Frage, ob und wie die Referenzmilchmenge definiert wird: Soll diese nur die Lieferrechte und Zusatzkontingente aus dem vorherigen Milchjahr enthalten oder sollen auch die rund 7% Mehrmengen dazugehören, die das Bundesamt für Landwirtschaft beim Übergang zum Ausstieg aus der Quotenregelung bewilligt hat. Die Branchenorganisation hat nun darauf eine Antwort gegeben, wenn auch eine nicht ganz einfache. So soll gemeinsam mit dem Richtpreisindex quartalsweise ein Vertragsmilchmengen-Index ausgehandelt werden, der vorgibt, in welchem Ausmaß die derart festgelegten Milchmengen je nach Marktlage erhöht oder gesenkt werden sollen. Als Basis (100%) gelten dabei jene Mengen, die aktuell unter Vertrag sind, die Mehrmengen sind also entgegen dem Wunsch der Schweizer Milchproduzenten (SMP) inbegriffen. Weiters wurde entschieden, dass bei einer Reduktion des Indexes die Mehrmengen "deutlich überproportional" gekürzt werden sollen. Dieser Mechanismus ist damit weder klar definiert - die konkreten Zahlen wird der BOM-Vorstand noch aushandeln müssen - noch ist er unumstößlich. Einzelne Milchkäufer können nämlich eine Reduktion auch anders regeln, wenn ihre Lieferanten damit einverstanden sind.

Härtetest kommt im Frühjahr
Die Schweizer Milchproduzenten nehmen den nunmehrigen Beschluss des Mengenmodells "mit Genugtuung zur Kenntnis" und sprechen von einem "richtigen Schritt". Sie sind froh, dass überhaupt eine Einigung auf ein Modell zustande kommt, das der Bundesrat (die Bundesregierung) dann für allgemeinverbindlich erklären kann. Dies ist nicht zuletzt für die Transparenz am Markt wichtig, auf die sich die BOM ebenfalls geeinigt hat: Die Verträge und Milchgeschäfte müssen gegenüber einer neutralen Stelle offengelegt werden. Die oppositionelle Gruppierung BIG-M hingegen kritisiert laut LID, die Branchenorganisation sei nicht gewillt, die Milchmenge wirklich zu senken. Oberstes Ziel sei offenbar, dass die Überkapazitäten in der Milchindustrie ausgelastet werden können. Im Frühjahr 2010, wenn die Anlieferung saisonal wieder steigt, könnte sich dann zeigen, ob das Modell zur Stabilisierung des Marktes wirklich taugt. Die Entwicklung der Schweizer Milchbranche hängt aber auch von derjenigen in der EU ab. Falls die Erzeugerpreise tatsächlich wieder steigen, wie es derzeit den Anschein hat, dann verschiebt sich der Härtetest für das neue eidgenössische Modell auf die nächste Baisse am internationalen Markt. (aiz)


Aktualisiert am: 16.11.2009 11:43
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