Schweiz – Quotenende stärkt Handel

In der Schweiz gibt es seit Mai 2009 keine Milchquote mehr. Dieser Bericht soll zeigen, mit welchen Problemen und Herausforderungen die Schweizer Milchbauern als Konsequenz daraus konfrontiert sind.
Der im Vergleich zu EU-Milchpreisen ansehnlich scheinende Preis von umgerechnet 41 Cent ist zu relativieren. Der effektiv ausbezahlte Milchpreis bewegt sich bei vielen Bauern eher gegen 50 Rappen (34 Cent).
Der im Vergleich zu EU-Milchpreisen ansehnlich scheinende Preis von umgerechnet 41 Cent ist zu relativieren. Der effektiv ausbezahlte Milchpreis bewegt sich bei vielen Bauern eher gegen 50 Rappen (34 Cent).
Am 18. März 2003 beschloss der Schweizer Nationalrat, dass die Milchkontingentierung per 1. Mai 2009 aufgehoben werden soll. Ein wichtiger Grund für das Ende der Kontingentierung war das Abkommen mit der EU zum vollständigen Käsefreihandel ab 1. Mai 2007. Der Käsefreihandel hat für die Schweizer Milchwirtschaft gravierende Auswirkungen. Besonders schlimm ist die negative Entwicklung der Bilanz zwischen Käse-Import und Export. So wurden beispielsweise zwischen Jänner und Mai 2009 zwar 311 Tonnen oder 1,3 Prozent mehr Käse exportiert. Gleichzeitig nahmen aber die Importe um 994 Tonnen oder 6 Prozent zu. Diese Entwicklung hält ungebrochen seit der vollständigen Umsetzung des Käsefreihandels am 1. Mai 2007 an. Unter dem Strich verliert die Schweizer Käsewirtschaft wegen des Käsefreihandels also laufend Marktanteile.

Ohne staatliche Allgemeinverbindlichkeit geht es wohl nicht
Im Dezember 2008 kam im Nationalrat ein Antrag des Bauernpolitikers Josef Kunz (SVP/LU) zur Abstimmung. Kunz verlangte vergeblich, dass der Bundesrat eine Mengensteuerung in bäuerlicher Hand auch nach der Abschaffung der Milchkontingentierung für alle Milchproduzenten allgemein verbindlich erklären müsste. Jetzt fordern bäuerliche Basisorganisationen eine Neuauflage einer solchen Vorlage. Denn die freiwillige Solidarität unter den Milchbauern scheint unerreichbar zu sein. Eines ist klar: Wenn der Milchpreis nicht wieder massiv ansteigt, dann werden Tausende der jetzt noch rund 27.000 Schweizer Milchproduzenten aufgeben. Darunter werden gerade auch sehr große Betriebe im Flachland sein, die viel investiert haben und jetzt ihre Schulden nicht mehr abzahlen können. Mit der zunehmenden Verflechtung mit der EU wie beispielsweise über den Käsefreihandel ist aber auch die Schweiz auf Gedeih und Verderb von der Entwicklung des EU-Milchmarktes abhängig.

Fazit
Die Schweiz ist seit dem 1. Mai 2009 aus der Milchkontingentierung ausgestiegen. Die Gründung der Branchenorganisation Milch (BOM) hat zwar vorübergehend zu einer Beruhigung der Situation geführt. Die Gewichte auf dem Milchmarkt haben sich aber dennoch eindeutig zu Gunsten der Milchverarbeiter und des Detailhandels verschoben.

Autor: Samuel KRÄHENBÜHL, Unterlangenegg (CH)


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Aktualisiert am: 05.08.2009 17:51
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