Schweinestall: Mit Hochdruck kühlen

Sprühkühlsysteme mit hohem Wasserdruck zeichnen sich durch einen hohen Wirkungsgrad aus. Doch wie groß ist ihr Potenzial im Schweinestall?
Das Potenzial zur Temperatursenkung liegt an heißen Tagen zwischen 5 und 7 °C. Auch die Luftfeuchtigkeit wird in den Optimalbereich angehoben.
Das Potenzial zur Temperatursenkung liegt an heißen Tagen zwischen 5 und 7 °C. Auch die Luftfeuchtigkeit wird in den Optimalbereich angehoben.
Im Sommer 2009 wurde in einem oberösterreichischen Ferkelproduktionsbetrieb, welcher im 3-Wochen-Rhythmus mit 180 Zuchtsauen (24er Sauengruppen) 30 kg Ferkel produziert, ein Pilotprojekt der Stallkühlung mit Hochdruckverfahren durchgeführt. Der Versuchsbetrieb ist im Kammersystem mit strengem Rein-Raus-Verfahren organisiert. Wie in anderen Schweinestallungen konnten in den letzen Jahren auch in diesem Betrieb die negativen Auswirkungen hoher Stalltemperaturen, vor allem in den Abferkelställen, beobachtet werden. Die Abferkelställe sind mit Porendecken ausgestattet und werden über ein Unterdrucklüftungssystem belüftet. Die Luft wird dabei aus dem Zentralgang, der Richtung Norden zur Hofinnenseite ausgerichtet ist, angesaugt.

Hitzeproblem im Abferkelstall
Trotz eines gut funktionierenden Lüftungssystems traten in den Sommermonaten gehäuft Probleme mit verringerter Futteraufnahme in der Laktation, Milchfieber und dem sogenannten „14-Tage-Fieber“ auf. Unter letzterem versteht man Sauen, die am Höhepunkt der Laktationskurve bzw. der Futterkurve in der Säugephase die Futteraufnahme plötzlich einstellen. Diese Sauen reagieren auf eine zu rasche und zu hohe Steigerung der Futtermenge mit einem Anstieg der inneren Körpertemperatur auf über 40 °C (Hyperthermie). Gefördert wird dieses Problem durch hohe Umgebungstemperaturen (>28 °C) über mehrere Tage. Die Behandlung mit fiebersenkenden Medikamenten führt nur teilweise zu einer Besserung. Diese Situation in der Säugephase hat großen Einfluss auf das spätere Rauscheverhalten und in weiterer Folge auf die Trächtigkeitsrate.

Anschaffungskosten
Nachteilig gegenüber Niederdrucksystemen haben sich höhere Anschaffungskosten aufgrund notwendiger Filtersysteme und feinerer Düsen erwiesen. Die Kosten für eine Hochdruckpumpe, Wasserfilter, entsprechende Kunststoffleitungen und Sprühdüsen variieren je nach Betriebsgröße und Ausstattung. In unserem Pilotbetrieb ergaben sich Nettokosten nach Vollausbau von Abferkelbereich und Deckzentrum von 6.250 Euro (inklusive aller Montagematerialien, jedoch exklusive Montagezeit). Als laufende Kosten muss ein Wasserverbrauch in Abhängigkeit von der Anzahl der Vernebelungsdüsen berücksichtigt werden. Bei 30 Düsen muss mit 1,1 Liter pro Minute kalkuliert werden, bei 50 Düsen mit 1,85 Liter pro Minute (bei 70 bar).

Autor: Dr. Alfred GRIESSLER, Traunkreis Vet Clinic, Ried.
Beteiligt waren: Fa. Raintime, Fa. Schaumann, Traunkreis Vet Clinic und das LFZ Raumberg-Gumpenstein.


Aktualisiert am: 06.05.2010 14:33
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