Schweineproduktion in Rumänien

Gastfreundlich, kulturell und historisch hochinteressant und landschaftlich ein Genuss. So präsentiert sich Rumänien seinen Gästen. Doch wie sieht die Landwirtschaft aus. Blicken wir hinter die Fassaden.
Über 40 Landwirte aus Niederösterreich, Kärnten und der Steiermark folgten dem Ruf von Fritz Jeitler, seines Zeichens Biomin Vertriebspartner in der Steiermark, und nahmen an der von ihm organisierten Agrarreise nach Rumänien Teil.

Sibiu - HermannstadtDie 13stündige Busreise führte über Ungarn nach Rumänien, genauer gesagt nach Sibiu. Diese 130.000 Einwohner umfassende Stadt im westlichen Transilvanien ist im deutschsprachigen Raum besser als Hermannstadt bekannt. Hermannstadt, in der noch etwa 1.400 Siebenbürger leben, ist Weltkulturstadt 2007.

Biomin RumänienEin Highlight der Reise war der Besuch der Biominzentrale in Rumänien. Radu Marti, der Leiter der Rumänien-Gruppe erklärte, welche Entwicklung Biomin in Rumänien in den Jahren seit der Eröffnung im Juli 2003 genommen hatte:Innerhalb dieser vier Jahre schaffte es Biomin unter die Top 3 der Futtermittelbranche in Rumänien. Sechs der größten zehn Betriebe Rumäniens arbeiten mit Biomin zusammen, und das trotz etwa 90 Mitbewerber im Land. Mit 25 Angestellten, davon sieben Verkaufleiter, beliefert Biomin Rumänien 80% der Großbetriebe und schaffte somit 2006 eine Umsatzsteigerung von 27% im vergleich zu 2005.

LandwirtschaftDie Landwirtschaft ist in Rumänien ein wichtiger Wirtschaftszweig. Sie beschäftigt mehr als ein Drittel der Arbeitskräfte. Allerdings erwirtschaftet sie nur etwa 12% des Bruttoinlandsproduktes. Der Grund für diese schlechte Arbeitsproduktivität liegt in der ungünstigen Betriebsstruktur in Rumänien. 60% der Fläche befindet sich im Besitz von 3,7 Millionen durchschnittlich 2,33 ha großen Familienbetrieben. Diese produzieren vorwiegend zur Selbstversorgung.

Nachwehen des KommunismusDie Landwirtschaft in Rumänien leidet immer noch an den Folgen des Kommunismus. Anhand zweier Betriebsbesuche merkten die österreichischen Gäste, dass es auch in Großbetrieben am Geld und am Management fehlt. Der Schweinebetrieb Carmolimp Vestem beispielsweise hält etwa 22.000 Schweine (1.800 Zuchtsauen). „Alte Gebäude, eine ungenügende Lüftung (großteils Fensterlüftung) und nicht qualifizierte und motivierte Mitarbeiter sind das größte Problem“, erzählt der Wirtschafter der Anlage, Marius Ludu. Die Fütterung wird händisch verrichtet, was den hohen Arbeitskräftebedarf rechtfertigt. Ein Stallarbeiter verdient umgerechnet €180,- pro Monat.

SchweinemarktBei einem Selbstversorgungsgrad von knapp 70% sind die 22 Millionen Rumänen auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Diese kommen seit dem Importembargo, dass Russland gegenüber Polen verhängt hat, zu einem wesentlichen Teil aus Polen. Billigimporte wiederum drücken den rumänischen Schweinepreis, der Ende Mai bei knapp einem Euro pro kg Lebendgewicht gelegen ist. Mit einer staatlichen Stützung von durchschnittlich 23 Cent pro kg Schlachtgewicht soll die inländische Produktion angekurbelt werden. Denn auch der Fleischkonsum wird mittelfristig steigen. Bei der derzeit gut 30 kg Pro Kopf Verbrauch ist noch genügend Spielraum nach oben gegeben. Diesen Verbrauch zu decken, ist die wesentliche Aufgabe des nächsten Jahrzehnts.

FazitZusammenfassend kann Fritz Jeitler und Biomin für die Organisation der Rumänien Reise gratuliert werden. Rumänien ist ein schönes Land, das versuchen wird, sich selbst ernähren zu können. Angst vor einer Produktionslawine, die den Westen befällt ist bei Gott nicht angebracht.


Aktualisiert am: 06.09.2007 11:24
Über 40 Teilnehmer aus Kärnten, Niederösterreich und der Steiermark besuchten mit Biomin Rumänien.
Die ehemaligen Staatsbetriebe wurden nach der Revolution wieder zerteilt und den ursprünglichen Besitzern zurückgegeben. Das ist der Grund für die ungünstige Agrarstruktur.
Es gibt kaum neue Anlagen. Anlagen aus dem Kommunismus werden – wenn Geld da ist – modernisiert.
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