Schweinepreise müssen rauf - Kommentar der ISN

Der Dioxin-Skandal hat die Märkte für Schweinefleisch ganz schön durcheinander gewirbelt. Einem historischen Preissturz folgt derzeit nur eine langsame Erholung. So geht das nicht!
Saisonale Schwankungen beim Schlachtschweinepreis kehren immer wieder. Jedes Jahr erreicht der Schweinepreis in den Sommermonaten sein Jahreshoch, während er in der Zeit um den Jahreswechsel schwächelt. "Wer also als Schlachter Geld verdienen will, lagert rechtzeitig ein, um zur Grillsaison mit günstig eingekaufter Ware auf dem Markt zu sein", berichtet ISN-Vorstandsmitglied Christian Schulze Bremer. Das Prinzip ist nicht neu, wie in der Bibel zu lesen ist, kannten es schon die alten Ägypter.

Lagerfähiger Gewinn

In diesem Jahr läuft es für die Schlachtunternehmen noch besser als sonst. Es gibt einen regelrechten Geldregen für Schlachter, die ihren Schirm einfach nur richtig halten, sprich einlagern. Ein kleines Rechenbeispiel dazu:

Ein mittelgroßes Schlachtunternehmens hat die Möglichkeit 20.000 Tonnen Schweinefleisch einzulagern. Diese Ware konnte größtenteils zu Preisen zwischen 1,12 bis 1,20 € je kg eingekauft werden. Ausgehend vom Jahr 2008, in dem bei ähnlichen Futterkosten im Sommer ein Preisniveau von 1,80 € erzielt wurde, kann aus heutiger Sicht vorsichtig mit einem Preisniveau von 1,60 € und mehr im Sommer 2011 gerechnet werden. Auch die aktuellen Weltmarktpreise stützen diese These. Bei einer angenommenen Preisdifferenz von 40 Cent je kg könnte sich dieses Unternehmen innerhalb von wenigen Wochen rund 8 Millionen € Gewinn ins Kühlhaus packen. Natürlich fallen Kosten für die Kühlung, Zinsen und ähnliches an, die sind in diesem Fall jedoch zu vernachlässigen.

Billiges Schweinefleisch ins Kühllager

Es ist ja durchaus hilfreich, dass die Mengen abfließen, jedoch mit der COPA-COGECA befürworteten Privaten Lagerhaltung von Schweinefleisch gibt man den Schlachtern die Möglichkeit, die günstig eingelagerten Bestände auch noch zu vergolden. Man kann sich die aktuellen Sorgen der großen Schlachtunternehmen vorstellen, angesichts dieser goldenen Zeiten nicht genügend Kühlhäuser für ihre Ware zu finden.

Einzige Hilfe: Steigende Schweine-Preise!

Diese Luxusprobleme haben die Schweinehalter nicht. Im Gegenteil: Nach Berechnungen der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland (ISN) haben sie in den letzten drei Wochen 75 Millionen Euro verloren! Aktuell sind Schlachtschweine gefragt, wie auch die Notierung der VEZG von Montag und die Ergebnisse der Internet-Schweinebörse vom Mittwoch zeigen. Der Preis muss jetzt in mehr als deutlichen Schritten steigen, damit die Schweinehalter endlich aus dem Tal der Tränen kommen. Auch die Diskussion um Liquiditätshilfen bringt uns nicht weiter. Genau wie die Private Lagerhaltung gilt hier: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Das Einzige was uns hilft, sind steigende Preise und zwar schnell!


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Aktualisiert am: 27.01.2011 20:17
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