Schweinepreise: Der Markt und seine Gesetze

Die gegenteilige Entwicklung von Ferkel- und Mastschweinemarkt ist oft Anlass für Diskussionen zwischen Berufskollegen. Dabei kann deren Entwicklung sehr sachlich anhand von Zahlen und Fakten dargestellt werden.
Wer die Fruchtbarkeitsleistungen im Sommer hoch hält, profitiert zu Zeiten hoher Nachfrage durch mehr verkaufsfähige Mastferkel.
Wer die Fruchtbarkeitsleistungen im Sommer hoch hält, profitiert zu Zeiten hoher Nachfrage durch mehr verkaufsfähige Mastferkel.
Das Jahr ist für den Ferkelerzeuger und den Mastbetrieb von unterschiedlichen Preis- und Marktphasen bestimmt. Diese Marktphasen wiederholen sich jedes Jahr fast um die gleiche Zeit. Angebot und Nachfrage spielen hier die wesentlichen Rollen. Diese wirtschaftliche Gesetzmäßigkeit hat auch in der Schweineproduktion ihre Gültigkeit.

Ferkelmarkt
Im ersten Halbjahr bis ungefähr Mitte April sind grundsätzlich bei sehr geringem Ferkelangebot und hoher Nachfrage der Mastbetriebe in der Jahresrelation überdurchschnittliche Preise zu erzielen.
Die Phase von April bis Mitte November ist die Zeit, in der der Ferkelmarkt jedes Jahr stark unter Druck steht. Es trifft ein steigendes Angebot von Ferkel auf eine geringere Nachfrage der Mastbetriebe. Bedingt durch die sommerlichen Temperaturen benötigen die Mastschweine länger bis sie die Schlachtreife erreichen. Die Anzahl der Plätze die zu belegen sind reduziert sich dadurch deutlich. Zusätzlich verschärft fallweise die Futterknappheit vor Beginn der Maisernte zusätzlich die Lage. Es passiert jedes Jahr, dass der eine oder andere Mastbetrieb die Einstellung von Mastferkeln aufgrund von Futterknappheit bis nach der Ernte verschiebt.
Von Mitte November bis Dezember findet man jedes Jahr die zweite Periode anziehender Notierungen. Die Kälte hält Einzug, die Mastbetriebe wollen folglich den Stall so kurz wie möglich unbelegt lassen. Zusätzlich zu dieser Entwicklung steigender Nachfrage beginnt sich das Ferkelangebot zu verringern. Das Niveau, mit dem man in die Weihnachtsfeiertage geht, bestimmt auch den Start und somit den Durchschnittspreis für das folgende Jahr.

Mastschweinemarkt
Der Mastschweinemarkt zeigt genauso wie der Ferkelmarkt alljährliche Trends, die aber eben nicht mit dem Ferkelmarkt deckungsgleich sind.
Die erste, bessere Preisphase bekommt der Mastbetrieb in der Regel um die Osterzeit zu spüren. Ansonsten verläuft das Jahr bis Anfang Mai relativ unspektakulär. Der Jahresdurchschnittspreis der Mastschweine wird davon bestimmt, wie stark die Notierung von Anfang Mai bis Ende September ansteigt. Ab Ende September kommt es jedes Jahr zu einem Abfall der Notierungen.
Der steigende Frischfleischabsatz im Sommer und die tendenziell sinkenden Tageszunahmen in den heißen Sommertagen sorgen alljährlich für diesen notwendigen Preisanstieg. Typisch für diese Jahreszeit sind auch die fallenden Schlachtgewichte, einerseits aufgrund der schlechteren Mastleistungen und andererseits aufgrund so genannter „Panikverkäufe“ im Spätsommer, wenn wieder rückgängige Preise zu erwarten sind.

So überspringen Sie das „Sommerloch“
• Passen Sie Ihre Fütterungsstrategie an die Jahreszeit an: Verlegen der Nachmittagsfütterung in die Abendzeit/Nacht bei hohen Temperaturen, 3x statt 2x füttern,…
• Verwenden Sie gerade im Sommer bei verringerter Futteraufnahme höherwertige Futterkomponenten.
• Arbeiten Sie besonders sorgfältig und hygienisch beim Besamen.
• Vermeiden Sie so weit als möglich starke Temperaturschwankungen.
• Wenn die Möglichkeit besteht, belegen Sie anteilig mehr Sauen, wenn die Umrauschquote in die Höhe geht. Dies hängt von ihren Erfahrungen im Sommer ab, auf den meisten Betrieben wären 10-20 % mehr belegte Sauen eine gute Richtzahl um die Abferkelstände voll zu haben.

Autor: Hans-Peter BÄCK, Styriabrid, St. Veit


Aktualisiert am: 05.08.2009 17:42
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