Schweinepest in NRW und die Folgen

ZMP (Weiss): Überraschend ist am Montag den 27.3.2006 ein vierter Fall von klassischer Schweinepest im Kreis Recklinghausen gemeldet worden. Dies hat die EU-Kommission veranlasst, weitreichende Schutzmaßnahmen zu ergreifen, die sich auf ganz NRW erstrecken. Die Schweinebranche muss wirtschaftliche Verluste befürchten.
Seit Donnerstag dem 30.3.2006 um 0.00 Uhr gilt in NRW ein Transportverbot für Schweine, zunächst für 6 Tage. Restriktiv dürfte sich das Verbringungsverbot zunächst einmal bei den Ferkelerzeugern auswirken. Dort sind, im Gegensatz zu den Mastschweinen, keine Ausnahmeregelungen vorgesehen. Dies bedeutet, dass der Ferkelhandel wohl vollständig zum Erliegen kommen wird. Davon ist auch der bedeutende Ferkelimport betroffen, denn Ferkel aus den Niederlanden oder Dänemark können nach dem Verordnungstext nicht nach NRW eingeführt werden.

Ausnahmen erlaubt
Das Transportverbot gilt grundsätzlich auch für Schlachtschweine. Ausnahmen sind jedoch erlaubt, wenn Tiere innerhalb von NRW direkt zur sofortigen Schlachtung verbracht werden. Es wird damit gerechnet, dass die notwendigen Genehmigungen unbürokratisch vom Landesministerium erteilt werden und die Ausnahme eher der Regel entspricht. Die Vermarktung von NRW-Schlachtschweinen dürfte deshalb auch in den nächsten Tagen halbwegs gesichert sein. Dies gilt natürlich nicht für das Sperr- und Beobachtungsgebiet in und um Recklinghausen. In diesem gilt für 21 Tage ein absolutes Verbringungsverbot, wovon nach Presseberichten 142.000 Tiere betroffen sind.
Hinsichtlich des Handels über Ländergrenzen hinweg gilt folgendes: Der Transport von Mastschweinen aus anderen Ländern zu Schlachthöfen in NRW sowie die Durchfuhr von Schweinen durch NRW ist zur Kontaktvermeidung nur auf Hauptverkehrsstraßen oder Schienenwegen erlaubt. Auch hier ist damit zu rechnen, dass Ausnahmegenehmigungen für den „Schweineimport“ erteilt werden. Für die NRW-Schlachtunternehmen ist dies wichtig, denn ein Drittel aller Schlachtungen in Deutschland erfolgen in NRW, aber nur ein Viertel der Schweine ist dort ansässig. Die Ausfuhr von Schweinen über die Landesgrenzen hinweg könnte sich dagegen schwieriger gestalten, da dies nur in absoluten Ausnahmefällen von den zuständigen Behörden erlaubt werden soll.

Die Folgen:
Nach Bekanntwerden eines kommenden Transportverbotes setzte bis zum Beginn des „Stand Still“ am Donnerstag ein überaus lebhafter Handel mit Ferkeln und Schweinen ein. „Alles was vier Räder hat ist im Einsatz, es wird ausgestallt was geht“ sagte ein Händler aus NRW. Auch Schlachtunternehmen bestätigten, dass sie bis zum äußersten an der Kapazitätsgrenze arbeiten. Was nun kommt, weiß niemand. Sicherlich muss mit einem kleineren Schlachtschweineangebot in NRW gerechnet werden, durch die Ausnahmeregelungen dürfte die erzwungene Angebotsverknappung jedoch abgemildert werden. Für den Handel mit Fleisch gelten bisher keine Einschränkungen, sieht man einmal von dem schmerzhaften Exportverbot nach Russland für NRW ab. Gerade in den letzten Wochen war man von Seiten der Wirtschaft und des BMELV intensiv darum bemüht, eine Aufhebung des russischen Importverbotes bei den zuständigen Veterinären zu erreichen. Diese Bemühungen dürften nun wahrscheinlich ergebnislos bleiben und die betroffenen Schlachtunternehmen und Fleischverarbeiter Marktanteile verlieren.

Verluste für Erzeuger
Zu den Verlierern des Schweinepestgeschehens werden voraussichtlich auch die Erzeuger gehören. Betriebe, die in den Sperr- und Beobachtungsgebieten liegen, werden zu dicke und zu schwere Schweine abliefern und Abzüge bei der Vermarktung hinnehmen müssen. Eine grobe Kalkulation mit Daten des Schweinepreisvergleiches ergab folgendes: Unterstellt man, dass die Schweine nach einer Vermarktungssperre (21 Tage) im Mittel ein um 10 kg höheres Schlachtgewicht aufweisen, dann könnten bei der Vermarktung an führende Auto-FOM-Schlachtbetriebe in NRW Erlöseinbußen durch schlechtere Maskenwerte von 6 bis 7 Cent/kg Schlachtgewicht erfolgen. Würden die Tiere nach 10 Tagen Wartefrist 5 kg zuviel auf dem Buckel haben, dann liegen die Verluste zwischen 2 und 3 Cent/kg SG. Bei der FOM-Vermarktung nach Nordwestmaske berechnet sich bei 5 kg Übergewicht ein Mindererlös von 3 Cent/kg und bei 10 kg einer von 8 Cent/kg. Berücksichtigt man, dass viele Masken im Gegensatz zur Nordwestmaske nur eine Obergrenze von 100 kg ohne Abzüge tolerieren, dürfte der Mindererlös tatsächlich noch ein Stück größer ausfallen. Nicht umsonst hat deshalb NRW-Minister Uhlenberg auf diese Problematik hingewiesen und Entgegenkommen von den Schlachtbetrieben gefordert.

Unsichere Preisaussichten
Erstaunlich ruhig hat die WTB in Hannover auf das Pestgeschehen reagiert. Am Dienstag wurden die Pläne für das „Stand Still“ bekannt, die Notierung des Frontmonats April verlor beim Handel mit 27 Kontrakten lediglich 1,3 Cent. Auch am Mittwoch kam es bei geringem Handel kaum zu Kursveränderungen, der Schlusskurs lag 0,3 Cent unter dem Niveau des Vortages. Die ISN setzte die Internetauktion wegen der unklaren Lage aus.

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Aktualisiert am: 03.05.2006 09:23
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