Schweinemast mit vielen Ferkelherkünften

Meist wird propagiert, die Ferkel für die Mast aus einer einzigen Herkunft zu beziehen. Gerade in Regionen, in denen noch Familienbetriebe Ferkel erzeugen, werden immer noch Sammelferkel eingestallt. Wie geht man als Mäster damit um?
Das Handling mit vielen Ferkelherkünften ist schwierig, jedoch nicht unschaffbar.
Das Handling mit vielen Ferkelherkünften ist schwierig, jedoch nicht unschaffbar.
Für den Mäster selbst sind Sammelferkel auch anspruchsvoller bezüglich Management und Tierbeobachtung. Insbesondere für die Vormastphase muss mehr Zeit im Stall zur Tierkontrolle und
für Einzeltierbehandlungen kranker Tiere einkalkuliert werden. Erkrankte Tiere sollten entweder in einer Krankenbucht im Abteil oder besser noch in einem eigenen Krankenabteil separiert werden. Ein komplettes Betriebs-Rein-Raus ist aus hygienischer Sicht allen anderen Varianten bei der Einstallung überlegen. Die Unart, die letzten Endmasttiere des vorausgegangenen Durchgangs noch im Mastabteil zu belassen und schon Ferkel einzustallen, ist leider auch noch in der heutigen Zeit nicht ausgestorben und führt zu unnötiger Erregerübertragung auf die frisch eingestallten Tiere. Die komplette Reinigung und Desinfektion der Abteile sollte als Standard gesehen werden. Es muss außerdem berücksichtigt werden, dass jüngere Tiere einen größeren Bewegungsdrang haben als Endmasttiere. Deshalb sollten die Buchten bei der Einstallung nicht zu dicht belegt werden, da dies zu Stress führt, welcher das Immunsystem negativ beeinflusst und sogar Aggressionen zur Folge haben kann. Eine Vielzahl von Managementfaktoren beeinflusst außerdem den Mastdurchgang, die Schwere und den Verlauf der auftretenden Erkrankungen.

Welche Impfungen?
Aus gesundheitlicher Sicht ist natürlich der Ferkelbezug aus mehreren Herkünften mit größerem Risiko verbunden. Jeder Lieferbetrieb hat einen etwas anderen Gesundheitsstatus, was gerade in den ersten Tagen und Wochen nach der Einstallung dazu führt, dass empfängliche Tiere für Infektionen und für die Vermehrung und Ausscheidung von Krankheitserregern im Bestand vorhanden sind. Deshalb sollte gerade bei Sammelferkeln schon beim Ferkelerzeuger gegen wichtige Wegbereiterkeime wie Mykoplasmen, Circoviren oder bei Bedarf gegen andere aktuell an Krankheitsgeschehen beteiligte Erreger wie etwa das PRRS-Virus geimpft werden. Aber nicht nur die ankommenden Tiere sind Infektionsquellen, sondern auch die Mastbetriebe selbst haben ihrer geografischen Lage wegen (wie groß ist der Abstand zu Schweine haltenden Betrieben?) oder aufgrund gesundheitlicher Probleme vorausgegangener Mastdurchgänge gerade bei kontinuierlicher Belegung oder bei abteilweise Rein-Raus ein Risikopotenzial. Deshalb kann auch aufgrund der Erfahrung bei der Masteinstallung gegen Erreger geimpft werden. Verbreitet sind Einstallungsimpfungen gegen das PRRS-Virus oder gegen APP (Actinobacillus pleuropneumoniae). Zwar ist die Einstallung sicher nicht der optimalste Zeitpunkt um Tiere zu impfen, da durch den Transport, durch die neue Stallumgebung und durch das Mischen der Partien viel Stress für die Tiere entsteht, aber in der Praxis hat sich diese Vorgehensweise bewährt.

Autor: Dr. Christian STRAUSS, Tierarzt in Affing (D)

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Aktualisiert am: 20.03.2012 19:11
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