Schweinemarkt: Krisentreffen der deutschen, dänischen und holländischen Ferkelerzeuger

Die katastrophale Situation der Sauenhalter war ein Hauptthema eines Krisentreffens der Interessengemeinschaften der dänischen, niederländischen und deutschen Schweinehalter am 25. und 26. September in Damme.
„Die Sauenhalter in allen drei Ländern stehen angesichts der niedrigen Ferkelpreise und der immens gestiegenen Futterkosten mit dem Rücken zur Wand“, stellte Franz Meyer zu Holte von der ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands fest. Pro Ferkel mache ein Sauenhalter derzeit einen Verlust von 25 Euro. Für einen Haupterwerbsbetrieb mit 200 Sauen ergebe sich so ein monatlicher Gesamtverlust von rund 10.000 Euro. „Das können viele Sauenhalter nicht mehr lange durchhalten“, betonte Meyer zu Holte. Zahlreiche Betriebe hätten bereits Sauen geschlachtet, um ihre Bestände zu verringern und ihre finanziellen Einbußen so ein wenig zu mindern.

Die Ferkelproduktion steht europaweit unter Druck.
Die Ferkelproduktion steht europaweit unter Druck.
Vor allem in den Niederlanden und in Dänemark haben sich die Schweinehalter in den vergangenen Jahren mehr und mehr auf die Sauenhaltung und den Export von Ferkeln nach Deutschland spezialisiert. So befinden sich in Dänemark bereits über die Hälfte aller Sauen in Betrieben mit über 500 Tieren! In Deutschland stehen immerhin noch 50 Prozent aller Sauen in kleineren Betrieben mit weniger als 200 Tieren. „Diese Strukturunterschiede verschärfen die Situation der Sauenhalter in Deutschland mittlerweile dramatisch“, so Meyer zu Holte weiter. Denn die hohen Ferkelimporte aus den Niederlanden und Dänemark verursachten auf dem hiesigen Ferkelmarkt einen erheblichen Preisverfall, wodurch sich viele Betriebe in einer Existenz bedrohlichen Lage befänden.

„Wir gehen nicht davon aus, dass unsere leistungsstarken Sauenhalter angesichts der aktuellen Misere aus der Produktion aussteigen“, so die Dänen und Niederländer übereinstimmend. Denn viele hoch spezialisierte Sauenhalter hätten in jüngster Zeit so stark investiert, dass eine Betriebsaufgabe die schlechteste Lösung sei. Bei einem Investitionsvolumen von einer Million Euro und mehr ginge es viel mehr darum, die Durststrecke zu überstehen und auf bessere Preise in der Zukunft zu setzen. Vielmehr gehen die Dänen und die Niederländer davon aus, dass die deutsche Sauenhaltung jetzt vor einem gravierenden Strukturwandel steht, bei dem viele kleinere Sauenhalter auf der Strecke bleiben - zumal diese wegen der ab 2013 vorgeschriebenen Gruppenhaltung ohnehin massiv investieren müssten. „Mit diesem Thema beschäftigen sich auch die kleineren Betriebe in den Niederlanden“, so NVV-Vorstandsmitglied Mark Logtenberg.

Neben dem Ferkelmarkt beleuchteten die Fachleute auch den Schlachtschweinemarkt näher. „Die Schweinebestände in den Niederlanden und in Dänemark haben sich seit mehreren Jahren relativ stabil entwickelt“, so Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Vereinigung von Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG). In Deutschland seien die Bestände über mehrere Jahre sogar weiter angestiegen. „Vor diesem Hintergrund erwarten wir in den genannten Ländern in den nächsten Monaten keinen Rückgang der Schweinehaltung“, so der Marktexperte weiter. Auf Grund der weiter gestiegenen Leistungen der Tiere dürfte das Angebot sogar noch zunehmen.

EU-weit rechnen Branchenkenner allerdings bereits Anfang des kommenden Jahres auf Grund der zu niedrigen Preise mit einem Rückgang der Schweinefleischerzeugung. Verantwortlich hierfür seien jedoch in erster Linie die osteuropäischen Staaten wie Polen und Tschechien, die in der Regel besonders schnell auf zu geringe Schweinepreise reagierten. Für eine schnelle Preiserholung wäre neben dem Angebotsrückgang auch ein Anstieg der Exporte aus der EU erforderlich. Hier bereitet der starke Euro, der die Exportmöglichkeiten spürbar behindere, zunehmend Kopfzerbrechen.

Dennoch versprechen sich die Schweinehalter aller drei Länder mittelfristig von dem steigenden Importbedarf in China eine Marktentlastung. Die anstehende Olympiade in Peking im nächsten Jahr könnte den Export von Schweinefleisch dorthin beflügeln.

Zunehmend besorgt zeigten sich die Erzeuger auch über die Entwicklungen am Getreide- und Sojamarkt. Neben der globalen Verteuerung dieser Produkte sorge die EU-Kommission durch höhere Importzölle und ihre restriktive Haltung im Zusammenhang mit der Gentechnik dafür, dass sich das Problem der hohen Futterkosten weiter verschärfe und den europäischen Schweinehaltern Wettbewerbsnachteile entstünden.

Die ISN vertritt mit 12.000 Mitgliedern rund 70 Prozent der deutschen Schweineproduktion, die DSP etwa 1.600 Schweinehalter und damit ca. zwei Drittel der dänischen Schweineproduktion. Die NVV zählt ca. 3.000 Mitglieder und nimmt die Interessen von 60 Prozent der niederländischen Schweineproduktion wahr. Traditionell treffen sich die Interessenvertretungen zweimal im Jahr, um sich bezüglich der politischen Rahmenbedingungen und Fragen des Schlachtschweinemarktes abzustimmen. Das nächste Treffen ist bereits für den März nächsten Jahres in den Niederlanden geplant.


Aktualisiert am: 01.10.2007 13:01
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