Schweinehaltung in Ontario/Kanada

Wenige bringen Kanada mit Schweinehaltung in Verbindung. Diese etwas kennen zu lernen war der Zweck einer kleinen Studienreise durch Ontario mit einem Besuch der international bekannten „London Swine Conference“ Ende März 2010.
Schweineproduktion in Kanada
Schweineproduktion in Kanada
Nach Russland ist Kanada das zweitgrößte Land der Erde, fast so groß wie Europa. Der gravierende Preisverfall der Schweine hat in den vergangenen 30 Monate in Kanada zu starken Bestandsverminderungen und -aufgaben geführt. Durch die starke Exportabhängigkeit konnten auch bei relativ günstiger Kostenstruktur die Vollkosten von nur ca. 1,25 €/kg Schlachtgewicht bei weitem nicht gedeckt werden.

Zuletzt Verluste

In den letzten 30 Monaten wurde im Durchschnitt jedes Schwein mit ca. 30 € Verlust verkauft. Obwohl im Vergleich zu den Veredlungsregionen in Europa die Flächenknappheit ein wesentlich geringerer Faktor ist, setzt diese Umweltvorschrift in Kanada wachstumswilligen Betrieben sehr enge Grenzen. Doch entscheidend für den wirtschaftlichen Niedergang in den letzten 30 Monaten waren die Probleme im Export: Da 60% des Schweinefleisches exportiert werden, ist Kanada stark von Währungsunterschieden und Einfuhrvorschriften in einzelnen Exportländern abhängig.
Im Gegensatz zum starken Nachbarn USA hat Kanada bei weitem nicht die Mittel, in diesem harten Kampf um Überseemärkte zu bestehen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen


Im Wesentlichen exportiert Kanada nach Japan, Korea und Hongkong. Durch die extreme Abhängigkeit von unvorhersehbaren Importregelungen dieser Länder versucht man seit einiger Zeit die Schweinefleischexporte auf mehr Länder auszudehnen. Dies verlangt jedoch große finanzielle Marketingaufwendungen, wofür das Geld sehr knapp ist. Erschwerend kommt hinzu, dass in Kanada und den USA im letzten Jahr der Pro-Kopf- Verbrauch von rotem Fleisch (Rind- und Schweinefleisch) um 3,9 kg zurückgegangen ist.
Marktexperten gehen davon, dass sich ein Ende der niedrigen Preise abzeichnet. Sehr gut wirtschaftende Betriebe können zurzeit bereits wieder die Vollkosten decken, da sich der Preis bei ca. 1,25 €/kg Schlachtgewicht bewegt.

Bei Investitionen in die Schweinehaltung sind für den Dung eigene Flächen bereitzuhalten. Dies war in den letzten 2 Jahren kein Problem, ist aber auf Dauer eine größere Hürde. Die geografische Lage der kanadischen Schweinebetriebe mit der großen Entfernung zu den Verbrauchermärkten drückt auf die Verkaufserlöse in der Größenordnung von ca. 5 Cent je kg Schlachtgewicht.
Insgesamt betrachtet hat Deutschland im Vergleich zu Kanada günstigere Rahmenbedingungen in der Schweinehaltung. Allerdings gilt dies auch für die außerlandwirtschaftlichen Verdienstmöglichkeiten.


Land
Deutschland
1. Betriebliches Wachstum Dungabnahmeverträge möglich +
2. Investitionsförderung 25 bis 35% +
3. Gesetzliche
Haltungsvorgaben
Tierschutz-Nutztierhaltungs- VO -
4. Exportabhängigkeit Mit 105% relativ gering +
5. Kosten für Gas 35 Cent /L -
6. Stromkosten 15 Cent/KWh -
7. Verbrauchernähe Sehr gut +
7. Organisationsgrad in der Vermarktung
Erzeugergemeinschaften +
Land
Kanada
1. Betriebliches Wachstum Nur bei Vorhandensein von
eigenen Dungausbringungsflächen
-
2. Investitionsförderung Keine Förderung -
3. Gesetzliche
Haltungsvorgaben
Keine staatlichen Vorgaben +
4. Exportabhängigkeit Mit 60% relativ groß -
5. Kosten für Gas 20 Cent/L +
6. Stromkosten 4 Cent/KWh +
7. Verbrauchernähe Sehr große Entfernungen -
7. Organisationsgrad in der Vermarktung
Keine Erzeugergemeinschaften -




Autor: Rudolf Wiedmann, LSZ Boxberg


Autor:
Aktualisiert am: 15.07.2010 15:10
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