Schweinefleisch wird in Osteuropa verstärkt importiert

Die stark gestiegenen Futtergetreidepreise bei nicht kostendeckenden Schweinepreisen führen in Osteuropa
offenbar schon zu ersten Produktionseinbrüchen. Jüngste Viehzählungen ergaben reduzierte Sauenbestände. Der Einfuhrbedarf an Schweinefleisch wird weiter steigen.
Der Importbedarf von Schweinefleisch steigt in Osteuropa.
Der Importbedarf von Schweinefleisch steigt in Osteuropa.
Die hohen Getreidepreise belasten in der osteuropäischen Viehhaltung immer stärker die Rentabilität. Die Futterkosten nehmen hier bis zu 70 % der Produktionskosten ein. Zudem ist das Leistungsniveau der Sauenhaltung und Schweinemast noch geringer als in westeuropäischen Ländern. Die Erzeugerpreise in den osteuropäischen Ländern lagen allerdings Mitte September im Gegensatz zu Deutschland nur leicht unter Vorjahresniveau oder wie in Polen sogar über den Vorjahrespreisen. Mittlerweile hat man im Osten höhere Schweinepreise als in Deutschland. Dennoch halten die Erzeugerpreise mit den gestiegenen Kosten oft nicht Schritt und die Eigenkapitaldecke für solche Durststrecken ist noch zu dünn. So sind hier Produktionseinbrüche schneller zu erwarten als in Westeuropa.
Der Abbau der Sauenbestände hat bereits eingesetzt. Bei den letzten Viehzählungen wurden in Ungarn, Tschechien und Polen 3 bis 5 %
weniger Tiere registriert. Besonders stark scheint der Rückgang in Rumänien mit minus 19 % zu sein.

Weniger Schweinefleisch
So wird mittelfristig auch das Schweinefleischaufkommen zurückgehen. Davon dürften deutsche Exporteure profitieren. Im ersten Halbjahr 2007 verminderten sich zwar die deutschen Schweinefleischausfuhren nach Osteuropa, dieser Trend dürfte sich jedoch im zweiten Halbjahr umkehren.
Wenngleich die wichtigsten Abnehmerländer von deutschem Schweinefleisch Italien, die Niederlande, Österreich und Großbritannien sind, entlasten die Ausfuhren in die neuen EU-Staaten den deutschen Schweinemarkt nachhaltig. Oftmals kommen die Haupteinfuhren der Länder Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn sowie der baltischen Staaten aus Deutschland. Im Jahr 2006 erhöhten sich die gesamten deutschen Schweinefleischausfuhren um rund 15 % auf 1,3 Mio. t. Für das laufende Jahr dürften die Exporte ebenso kräftig auf 1,5 Mio. t zulegen.
Damit steht Deutschland hinter Dänemark in der Rangliste der führenden Exporteure weltweit. Exportschlager im Versand nach Osteuropa sind besonders Bäuche, Fette und Specke, Schultern, aber auch Nacken, Hälften und zunehmend Edelteile.

Chance für deutsche Exporteure
Die osteuropäischen EU-Staaten werden insgesamt auch in den nächsten Jahren einen hohen Importbedarf bei Schweinefleisch haben. Allein Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei führten zusammen im vergangenen Jahr über 450.000 t Schweinefleisch ein. Rumänien importierte 2006 rund 200.000 t Schweinefleisch mit steigender Tendenz. Die dortige Inlandsproduktion droht bei den deutlichen
Missernten und den Keulungen infolge der Schweinepestfälle enorm einzubrechen. Ähnlich sieht die Situation in Ungarn aus. Auch in Polen wird mit einem Rückgang der Erzeugung gerechnet. Seit November 2005 liegt das Land im Handelsstreit mit Russland und ist vom Fleischexport dorthin ausgeschlossen. Daher wurde zuletzt mehr Fleisch in die EU, speziell nach Tschechien, Ungarn und Rumänien geliefert. Im nächsten Jahr dürften nun die Exporte aus Polen auch kleiner werden und der Einfuhrbedarf steigen.
Die Warenströme nehmen immer mehr zu. Oft wird Schweinefleisch eingeführt, verarbeitet und dann als Wurst- oder Fleischprodukt exportiert. Diesen Trend gibt es bei Schinken in Italien, Bäuchen in Österreich, Edelteilen in den Niederlanden, sowie Wurst- und Räucherwaren aus Ungarn und Polen.

Quelle: ZMP, Matthias Kohlmüller


Aktualisiert am: 16.10.2007 19:03
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