Schweinefleisch: Eingriff in den Markt

Der Schweinemarkt gehört zu den liberalsten Agrarmärkten Europas. Trotzdem werden von Zeit zu Zeit Rufe nach Maßnahmen zur Unterstützung des Schweinemarkts lauter. Welchen Einfluss Eingriffe auf den Schweinemarkt haben und welcher Instrumente sich die Kommission bedienen kann, wir hier zusammengefasst.
Seit 2008 sind die Erstattungen unverändert geblieben. Exportbeihilfen werden nur für verarbeitetes Schweinefleisch erstattet. Die Erstattungen für Schweineschlachtkörper sind auf Null gesetzt.
Seit 2008 sind die Erstattungen unverändert geblieben. Exportbeihilfen werden nur für verarbeitetes Schweinefleisch erstattet. Die Erstattungen für Schweineschlachtkörper sind auf Null gesetzt.
Der EU Schweinesektor war immer schon ein sehr konkurrenzfähiger Sektor mit gutem Exportpotenzial. Daher gehört er auch zu jenen Sektoren mit den wenigsten Markteingriffen. Alle Sektoren der Tierproduktion in Europa leiden derzeit unter dem Druck der Wirtschaftskrise, auch die Schweineproduzenten. Im Jahr 2009 befand sich der Schlachtschweinepreis auf einem niedrigeren Niveau als 2008. Nachdem aber die Futterkosten gegenüber 2008 auch erheblich gefallen sind, entschied die Kommission, bislang keine weiteren Marktunterstützungsinstrumente einzusetzen.

Eingriffe können helfen
Als 2007 mehrere Faktoren, wie die hohen Futterkosten, die Überproduktion und die Abwertung des US-Dollars, zusammenfielen, entschied die Kommission, in den Schweinefleischmarkt einzugreifen. Zwischen November 2007 und August 2008 wurden Beihilfen für die private Lagerhaltung im Ausmaß von 100.000 Tonnen Schweinefleisch erstattet. Während derselben Periode wurden auch Exporterstattungen für frische und gefrorene Teilstücke vom Schwein gewährt. Rund 460.000 Tonnen wurden unter diesem Schema exportiert. Folglich stiegen 2008 die Exporte an Schweinefleisch gegenüber 2007 um 34%. Auch die Exporte an Teilstücken stiegen um 34%, das waren fast 300.000 Tonnen mehr als im Vorjahr. Der durchschnittliche EU-Schlachtschweinepreis erreichte 2008 einen um 13 % oder 182 Euro pro to. höheren Durchschnittspreis als 2007. Im vergangenen Jahr verringerte sich das Exportvolumen an Schweinefleisch im Vergleich zu 2008 um 12 % (von 2,570.000 t in 2008 zu 2,385.000 in 2009). Allerdings bleibt gegenüber 2007 noch immer ein Plus von 25 %. Das ist bemerkenswert, da 2009 nur mehr Exportsubventionen für verarbeitetes Schweinefleisch – etwa 65.000 t – gewährt wurden.
Der Einfluss der privaten Lagerhaltung auf die Marktstabilität ist viel schwieriger zu beschreiben. Klar ist, dass sie die Spannung vom Markt nimmt und ihren Teil zu einer Preiserholung beiträgt.

Konsum wird Wachstum überholen
Eingriffe in Märkte sind generell nur sinnvoll, wenn sich der Markt in der Krise befindet. Daher können diese Eingriffe auch nicht im Vorhinein geplant werden. Das Ziel der Gemeinsamen Agrarpolitik ist aber, Abstand von der direkten Marktunterstützung zu gewinnen und Unterstützungsmaßnahmen künftig nur mehr als Sicherheitsnetz anzuwenden. Mittelfristig prognostizier die Kommission bis 2015 für die Schweinefleischproduktion einen Wachstumsrückgang auf weniger als 2 % infolge der gestiegenen Konkurrenz mit Geflügelfleisch und festeren Futterkosten. Die zunehmende Konkurrenz aus so genannten „low-cost countries“ sollte laut dieser Prognose dazu führen, dass der innereuropäische Konsum in den nächsten Jahren die Produktion abhängen werde. Die aktuelle Situation ist sehr schwierig für die gesamte Wirtschaft und wahrscheinlich wird auch der Schweinesektor einige Anpassungen brauchen um konkurrenzfähig zu bleiben.

Autor: Ave SCHANK, Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission, Brüssel


Aktualisiert am: 02.04.2010 09:12
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