Schweine aus Dänemark für den Weltmarkt

Über 80 % der in Dänemark gehaltenen Schweine werden für den Export produziert. Dennoch müssen sich Dänemarks Bauern an die nationalen Spielregeln halten. Dieser Spagat ist nicht immer einfach.
Dänemark ist mit einem Schweinebestand von 13,1 Mio. Stück die Nummer fünf Europas.
Dänemark ist mit einem Schweinebestand von 13,1 Mio. Stück die Nummer fünf Europas.
Gemessen an der Einwohnerzahl gilt Dänemark mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern als kleines Land. Gemessen an der Schweineproduktion ist Dänemark hingegen ein „Global Player“. Mit einem Schweinebestand von 13,1 Millionen ist man nach Deutschland, Spanien, Frankreich und Polen der fünftgrößte Schweineproduzent Europas. Zum Vergleich: Österreich nimmt mit einem Schweinebestand von 3,1 Millionen und einer jährlichen Produktion von 5,5 Millionen Schweinen nur Platz zwölf in der Rangliste der größten EUSchweineproduzenten ein. In Dänemark werden jährlich über 20 Millionen Schweine geschlachtet, was eine mehr als sechsfache Eigenversorgung mit Schweinefleisch bedeutet. Die Dänen sind also auf den Export angewiesen.

Exportschlager Schwein
Knapp zwei Drittel des Exportvolumens finden ihren Absatz im Binnenmarkt der EU 27. Deutschland, Großbritannien und Polen sind die größten Abnehmer in dieser Kategorie. Etwa ein Drittel wird in Drittstaaten exportiert. Japan ist hier der größte Abnehmer, gefolgt von China und Russland. Vor allem China ist ein stark wachsender Exportmarkt. Seit 2000 haben sich die Ausfuhren an Schweinefleisch von Dänemark in das Land der Mitte vervierfacht. Während der Lebendexport von Schlachtschweinen mit ca. 380.000 Schweinen im Jahr 2011 einen eher geringen Stellenwert einnimmt, kommt dem Ferkelexport größere Bedeutung zu. Etwa 8 Millionen Ferkel verlassen jährlich das Land, hauptsächlich Richtung Deutschland und seit einigen Jahren immer öfter Richtung Polen.

Markus Fiebelkorn und Hans Aarestrup (Danske Svineproducenter) vertreten die Interessen der dänischen Schweinebauern.
Markus Fiebelkorn und Hans Aarestrup (Danske Svineproducenter) vertreten die Interessen der dänischen Schweinebauern.
Vergleich der Notierungen
Die Folge dieses ständigen Konkurrenzkampfes um Exportanteile am Weltmarkt sind die EU-weit niedrigsten Auszahlungspreise für Schlachtschweine. Diese werden wöchentlich vom größten Abnehmer, Danish Crown (Marktanteil ~80 %), festgelegt. Bei den Ferkelpreisen können Schweinemäster und Ferkelerzeuger aus zwei Notierungsmodellen auswählen, einer Marktnotierung von SPF, dem größten Ferkelhandelsunternehmen innerhalb Dänemarks, und einer berechneten Notierung vom Wissenschaftszentrum für Schweineproduktion VSP. Während sich die Marktnotierung weitgehend parallel zur norddeutschen Leitnotierung – dem Nordwest-Preis – bewegt, soll die errechnete Notierung die Kosten- und Erlössituation von Ferkelerzeuger und Schweinemäster ausgleichen. Laut Hans Aarestrup, Geschäftsführer der Interessensgemeinschaft der dänischen Schweineproduzenten (Danske Svinepoducenter), liegen die durchschnittlichen Jahrespreise beider Notierungen jedes Jahr sehr eng beisammen. „Dennoch einigen sich viele Ferkelerzeuger und Schweinemäster auf den Durchschnittspreis aus den beiden Notierungen“, erklärt Aarestrup die Situation, und der Marktexperte Markus Fiebelkorn (Dankse Svineproducenter) weist darauf hin, dass die errechnete Notierung das Liquiditätsrisiko erheblich senkt, weil die Kurve flacher und etwas zeitversetzt verläuft, wodurch sie teilweise antizyklisch wirkt. Für den Ferkelexport nach Deutschland wird meist die Nordwest-Notierung herangezogen. In der Praxis betragen die Zuschläge je nach Ferkelmenge und Transportkosten zwischen zwei und vier Euro.

Autor: Roman GOLDBERGER

Weitere Informationen zur Schweinehaltung in Dänemark können Sie in der Ausgabe 10/2012 des "Fortschrittlichen Landwirts" nachlesen. Gratis Probeheft bestellen.


Aktualisiert am: 07.05.2012 14:26
Landwirt.com Händler Landwirt.com User