Schweine: Zukunftstendenzen der größten europäischen Schweineproduzenten

Deutschland wird auch in Zukunft größter Produzent von Schweinefleisch in Europa sein. Allerdings werden sich die betrieblichen Strukturen in den nächsten Jahren noch weiter zugunsten der Schweinemast ändern.
Im direkten Vergleich mit den beiden großen europäischen Schweineproduzenten Holland und Dänemark schneidet Deutschland in der Schweinemast gut ab, erklärte Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen auf einer Pressekonferenz.

Wettbewerbsvorteile durch Hafennähe

Der Marktexperte sieht bei den nordwestdeutschen Veredlungsregionen deutliche Standortvorteile gegenüber den Wettbewerbern. So seien die Futterkosten aufgrund der Hafennähe außerordentlich günstig. Außerdem erzielten die hiesigen Schweinemäster dank eines regen Wettbewerbs auf dem Schweinefleischsektor wesentlich höhere Preise als ihre Kollegen in Holland und Dänemark. Nach Meinung Hortmann-Scholtens wird das in den nächsten Jahren so bleiben.

Holländer und Dänen produzieren Ferkel effizienter

Anders sieht Dr. Hortmann-Scholten die Zukunft der Ferkelerzeugung in Deutschland. Während die Holländer und Dänen bis zum Jahr 2015 deutlich mehr produzieren und damit den Ferkelüberschuss weiter steigern wollen, sind die Sauenhalter in Deutschland auf dem Rückzug. Begünstigt wird diese Entwicklung durch die Leistungsfähigkeit holländischer und
dänischer Ferkelerzeuger. Sie setzen im Mittel bereits heute über 25 Ferkel pro Sau und Jahr ab. In Deutschland liegt der Durchschnitt bei knapp 23 Ferkeln pro Sau und Jahr.
Dieser Trend wird sich fortsetzen, wie der Kammerexperte am Beispiel Dänemark erläuterte: Bis 2020 wollen die dänischen Sauenhalter im Durchschnitt mindestens 30 Ferkel pro Sau und Jahr absetzen. 80 bis 90 Prozent aller gehaltenen Sauen werden dann in Anlagen mit mehr als 500 Tieren stehen. Insgesamt beabsichtigen die Dänen, über 11 Millionen Ferkel für die Nachbarstaaten zu produzieren.

Über 50 % der Schweinehalter haben aufgegeben


Den bisherigen Strukturwandel der Schweinefleischerzeugung in Nordwestdeutschland skizzierte Kammerpräsident Friedrich Scholten mit diesen Zahlen: Zurzeit gibt es noch etwa 11.600 niedersächsische Betriebe, die insgesamt knapp 8 Millionen Schweine halten. Die Gesamtzahl der Betriebe hat sich damit in den letzten zehn Jahren um 52 Prozent reduziert. Der Rückgang fiel bei den Sauenhaltern (- 63 Prozent) deutlich höher aus als bei den Schweinemästern (- 41 Prozent).
Der Trend zu immer weniger Betrieben mit größeren Tierbeständen ist bis heute ungebrochen. Vor gut zehn Jahren gab es noch 12.300 Sauenhalter, die durchschnittlich 93 Sauen hielten. Heute halten die 4.600 Ferkelerzeuger im Mittel 171 Sauen. In der Schweinemast verlief die Entwicklung ähnlich: Vor zehn Jahren verließen 1.264 Tiere im Schnitt der 11.700 Betriebe den Hof in Richtung Schlachthof. Heute sind es fast doppelt so viele Schweine (2.461), die der Durchschnittsmäster (Gesamtzahl 7.000) jährlich verkauft.

Deutliche Leistungssteigerung in der Zucht und Mast


Nicht nur die Strukturen haben sich über Jahre dem Wettbewerb angepasst, auch die Leistungen in den Ställen wurden durch die Arbeit der Tierzüchter stetig verbessert. Dr. Ludwig Diekmann, Fachmann für Tierzucht und -haltung der Landwirtschaftskammer, nannte mit der „Anzahl lebend geborener Ferkel je Sau und Jahr“ und der „Futterverwertung“ zwei Beispiele, die den wirtschaftlichen Erfolg der Schweinehaltung maßgeblich mitbestimmen. Heute bringt eine Sau mit jährlich 23 Ferkeln im Schnitt 3,5 Ferkel pro Jahr mehr zur Welt als vor zehn Jahren. In der Schweinemast waren 1998 Tageszunahmen von 690 g ein guter Wert, mittlerweile sind es 730 g.


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Aktualisiert am: 29.01.2009 22:08
 
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