Schweine: Bei Atemwegsproblemen im Stall auch an APP denken

Plötzliche Verluste bei anscheinend gesunden Jungsauen oder Mastschweinen in der Mittelmast, schlechtere Zunahmen und damit eine verlängerte Mastdauer, Fruchtbarkeitsstörungen – diese Symptome können auf eine ansteckende Lungen- und Brustfellentzündung hindeuten.
Der Erreger zählt zur Gruppe der Bakterien und heißt Actinobacillus pleuropneumoniae (APP). „Einzelfallanalyen ergeben einen durchschnittlichen betriebswirtschaftlichen Schaden von 10,80 € pro eingestalltem Mastferkel sowie 63 € Mehrbelastung je Sau in der Ferkelerzeugung.“ Das Bakterium ist hoch ansteckend, der Krankheitsverlauf abhängig vom jeweiligen Serotypen. In Europa bereiten derzeit die Serotypen 2,3,4,5,7,9 Kummer.

Sekundärinfektionen verschlimmern den Krankheitsverlauf

Satteln sich Sekundärinfektionen wie Influenza, PRRS, Mycoplasmen oder Pasteurellen auf, verschlimmert sich der Krankheitsverlauf. „APP-Todesfälle sind innerhalb weniger Stunden möglich.“ Die Erreger gelangen über zugekaufte Tiere sowie über Vektoren wie Menschen, Gerätschaften und auch über die Luft in den Bestand. Tiere, die die Erkrankung überstanden haben, können weiterhin Erreger ausscheiden – also keinesfalls Mastschweine zurückstallen! Saugferkel sind bis ins Läuferalter durch die mit dem Kolostrum aufgenommenen Immunglobulinen vor APP-Infektionen sicher.

Wegbereiter für APP-Erkrankungen

Bei verendeten Tieren läuft Blut aus den Nasenlöchern - APP Verdacht
Bei verendeten Tieren läuft Blut aus den Nasenlöchern - APP Verdacht
Wegbereiter für APP sind hohe Belegdichten, Zurückstallen, kein strenges Rein-Raus-System, mangelnde Hygiene, schlechtes Stallklima und Tierzukäufe aus mehreren Betrieben. Akut infizierten Schweinen muss mit einer Injektionsbehandlung geholfen werden, da die Tiere kaum noch Futter und Wasser aufnehmen. Die Erkrankung kann am Schlachthof an den Verwachsungen von Lunge und Brustfell diagnostiziert werden. Bei der Sektion sind „blutige, scharf abgegrenzte Lungenbezirke zu erkennen, in denen das Gewebe infolge der schweren Entzündung abstirbt.“ Serologische Blutuntersuchungen bringen nicht immer das gewünschte Ergebnis.

Behandlungsstrategien mit dem Tierarzt absprechen

Behandlungs- und Impfregime werden zweckmäßigerweise am besten mit dem bestandsbetreuenden Tierarzt abgesprochen. Ebenso sollte mit dem Jungsauenlieferanten der APP-Status der Jungsauen sowie der Status im eigenen Betrieb abgesprochen werden. (Quelle: Dr. Baier in dlz 4/09, S. 148 - 151)

Weitere Informationen erhalten Sie unter folgendem Link: APP: Ein Erreger mit verschiedenen Gesichtern


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Aktualisiert am: 22.04.2009 18:18
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