Schweine- und Ferkelproduktion: Rekorde brechen oder Geld verdienen?

Spitzenleistungen sind nicht immer ökonomisch. „Das letzte aufgezogene Ferkel oder die letzten 50 Gramm Tageszunahmen dürfen nicht zu teuer erkauft werden“, war die Botschaft an Ferkel- und Mastschweineproduzenten auf dem 16. Rheinischen Schweinetag.
Hoch oben auf der Erfolgsleiter wirkt das Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs noch drastischer als auf mittlerem Milieu. Denn der Aufwand, der getrieben werden muss, um die Leistungen auf Rekordniveau zu bringen oder dieses zu halten, ist ungleich höher und größer als bei moderaten Leistungen. „Das letzte aufgezogene Ferkel oder die letzten 50 Gramm Tageszunahmen dürfen nicht zu teuer erkauft werden“, warnte Klemens Schulz, Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion, die Ferkelerzeuger und Mastschweinehalter auf dem 16. Rheinischen Schweinetag eindringlich. Der Rheinische Schweinetag, mittlerweile eine Traditionsveranstaltung im Kalender der rheinischen und westfälischen Schweinehalter, fand am 25. November 2009 zeitgleich in Reken und Haus Riswick, Kleve, statt und war mit rund 400 Zuhörern aus Wissenschaft, Industrie und Beratung, vor allem aber Praktikern, sehr gut besucht.

Leistungszahlen haben nur bedingte ökonomische Aussagekraft

Das Ziel der Schweinehaltung ist das Erwirtschaften eines angemessenen Einkommens. Im Klartext: Es geht darum, Geld zu verdienen, und nicht darum, um jeden Preis Leistungsrekorde zu brechen, egal ob Ferkelerzeugung oder Mast. Die Kennzahlen „Anzahl abgesetzter Ferkel je Wurf“ und „Tageszunahmen“ lassen Rückschlüsse auf die Leistung zu; sie sagen nichts darüber aus, ob der Betriebszweig ökonomisch ist oder rote Zahlen erwirtschaftet. Wie Schulz eindrucksvoll an Hand der gemeinsamen Auswertungen aus den Erzeugerringen erläuterte, können bei gleichen biologischen Leistungen, z. B. 27,5 abgesetzte Ferkel/Sau/Jahr, sehr verschiedene Direktkostenfreie Leistungen erwirtschaftet werden; im Beispiel lag der eine Betrieb bei 325 €, der andere bei 148 €. Als Gründe für den Unterschied führte Schulz höhere Kosten beim Sauenzukauf und höhere Sauenverluste an.

Produktionskosten im Auge behalten

Ein weiteres Beispiel zeigte, dass die Direktkostenfreie Leistung bei einem Betrieb mit 18 abgesetzten Ferkeln genauso hoch wie bei einem Betrieb mit 28 abgesetzten Ferkeln/Sau/Jahr war. Hier spielen Einflussfaktoren wie die Absetzgewichte der Ferkel, steigende Futterkosten mit zunehmender Wurfgröße und der Umgang mit großen Würfen eine entscheidende Rolle. „Die Ferkelverluste dürfen bei großen Würfen nicht steigen. Eine höhere Ferkelzahl macht nur Sinn, wenn der Betrieb die (Mehr-) Kosten im Griff hat und die hohe Qualität seiner Verkaufsprodukte gewährleistet ist“, beleuchtete der Experte die ökonomische Seite. Sein Appell an die Landwirte: „Legen Sie den Focus nicht auf die absolute Leistungssteigerung, sondern rechnen Sie durch, welche zusätzlichen Kosten für die Produktion eines weiteren Qualitätsferkels oder eines weiteren Kilogramms Fleisch anfallen." (Quelle: deuka.de)


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Aktualisiert am: 11.12.2009 11:37
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