Schwarze Woche auch für die Getreidemärkte

Nicht nur für die Finanzmärkte und die weltweite Wirtschaft war die vergangene Woche eine schwarze Woche, auch für die Rohstoffmärkte und damit für Getreide und Ölsaaten. Die Finanzkrise hat die einschlägigen Börsenparkette längst verlassen und verbreitet schon in der ganzen Realwirtschaft Angst und Schrecken.
Von der Preishausse des Wirtschaftsjahres 2007/08 ist in der laufenden Saison 2008/09 bei den Agrarrohstoffen nicht mehr viel übrig geblieben. Die agrarischen Erzeugerpreise verlieren 2008/09 deutlich, die Produktionskosten für Vorleistungen wie Energie, Diesel und Düngemittel bleiben aber immer noch hoch.

Rohstoff-Kurse auf Talfahrt
In den USA erfasste die Rohstoff-Terminmärkte diese Woche eine von den fundamentalen Marktdaten her kaum erklärbare Deflations- anstatt einer Inflationsangst und schickte die Kurse auf eine rasante Talfahrt. Die Kassamärkte werden zwar von den Terminmärkten ebenfalls negativ beeinflusst, halten sich aber vergleichsweise noch fester. Der niedrige Rohölpreis und der massive Ausstieg von Anlegern aus dem Goldmarkt - normalerweise in Krisenzeiten als "sicherer Hafen" angesteuert - seien ein Anzeichen dafür, dass die Finanzkrise und Angst vor folgender Wirtschaftskrise auf die Rohstoffmärkte deflationär wirken könnten. Denn ein Einbruch des Wachstums oder sogar eine Rezession könnte auch die zuletzt boomende Nachfrage nach Agrarrohstoffen einbrechen lassen, befürchtet man. US-Landwirtschaftsminister Ed Schaefer warnte am Mittwoch, die schwindende Liquidität des US-Finanzsektors habe die Landwirtschaft zwar noch nicht getroffen, es sei aber für die Zukunft auch nicht auszuschließen.

Terminmärkte verlieren abgehoben von fundmentalen Marktdaten
Die wichtigsten Terminmärkte wiesen rund um den Globus vergangene Woche herbe Verluste bei Agrarrohstoffen aus: Der Weizenfutures für den vordersten Liefertermin Dezember 2008 an der Chicago Board of Trade (CBOT) verlor vom Donnerstag der Vorwoche von USD 270,51 (EUR 194,57) pro t auf USD 233,69 (EUR 168,86) pro t am Donnerstag dieser Woche. Der Maiskontrakt verlor in einer Woche 16,4% seines Wertes. Hedgefonds ziehen sich zunehmend von den Märkten zurück, weil sie Risikopositionen abbauen und Bares flüssig machen müssen. Bei der dadurch ausgelösten Talfahrt der Notierungen finden fundamentale Marktdaten bestenfalls noch Platz am Rücksitz. An der europäischen Leitbörse Euronext.Liffe in Paris sank der Wert des November-Weizenfutures im selben Zeitraum von EUR 168,75 auf EUR 160,50 pro t und erreichte am Montag mit EUR 159,75 pro t ein Sechzehnmonatstief.

EU: Selbst schwacher Euro und Exportkonjunktur helfen nicht gegen Weizenschwäche
Selbst der gegenüber dem Euro erstarkende US-Dollar und zügige Weizenexporte konnten den europäischen Weizennotierungen nicht helfen. Die Branche befindet sich einfach in Geiselhaft der Finanzkrise. Man wollte die Blicke einfach nicht über die Verabschiedung des US-Hilfspakets und möglicherweise auch eines europäischen am Treffen der G 8-Führer aus der alten Welt am Samstag in Paris hinausrichten. Dennoch sollte der schwache Euro den EU-Weizenexporten nächste Woche wieder Flügel verleihen, wenn die Einkäufer im Nahen Osten wieder aus dem Ramadan-Fastenmonat auf die Märkte zurückkehren.

Österreich: Mühlen gut gedeckt
In Österreich dürften die Mühlen sich aus einem ersten Einkaufsschwung gut mit Brotgetreide gedeckt haben, sodass sie nun aus dem Abseits die weitere Entwicklung der Getreidepreise abwarten können. Die Brotgetreidenotierungen an der Wiener Produktenbörse gaben vergangenen Mittwoch durch die Bank weiter etwas nach. Nur Futterweizen hielt das Niveau.
(aiz info)


Aktualisiert am: 14.10.2008 17:27
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