Schwarzböck: WTO-Runde nicht wegen EU in Sackgasse

Vorläufiges Ende der Gespräche keine Katastrophe für Welthandel.
„Die WTO-Doha-Runde ist sicher nicht wegen der Haltung Europas in die Sackgasse geraten. Denn die EU ist mit ihren Angeboten hart an die Grenze des Verhandlungsmandats und teilweise sogar darüber hinaus gegangen. Weitere einseitige Zugeständnisse hätten unweigerlich bedeutet, dass der Agrarreform 2003, die ja als freiwillige Vorleistung für die Doha-Runde beschlossen worden ist, die Grundlage entzogen worden wäre. Katastrophenmeldungen, wonach nun der Welthandel schweren Schaden erleiden würde, sind schlichtweg falsch. Die Tendenz zur Öffnung der Märkte wird mit Sicherheit anhalten. Die EU wird auch in Zukunft der wichtigste Absatzmarkt für vornehmlich agrarische Güter aus den ärmsten Ländern der Welt sein“, erklärte der Präsident der Land­wirtschafts­kammer Österreich, Rudolf Schwarzböck, nach dem vorläufigen Scheitern der WTO-Verhandlungen.

Europa vorbildlich

„Schon heute importiert die EU mehr Lebensmittel aus den Entwicklungsländern als die großen Industrienationen USA, Kanada, Australien, Japan etc. zusammen. Und nicht die USA, sondern Europa ist der Hauptmarkt für agrarische Güter aus Brasilien oder Argentinien. Die EU-Initiative ‚Alles außer Waffen’ gibt den Armenhäusern dieser Welt die Chance, zollfrei ihre Waren nach Europa zu liefern. Ein wenig mehr Bereitschaft der Verhandlungspartner, sich in diese Richtung zu bewegen, wo die EU schon längst tätig ist, hätte genügt, um den Entwicklungsländern tatsächlich zu helfen. Doch offenbar war den Übersee-Verhandlern nur der eigene Vorteil wichtig und nicht das Wohl der Ärmsten dieser Welt“, so Schwarzböck weiter.

„In dieser Situation war es richtig, dass die EU in ihrer Position hart geblieben ist und nicht noch weitere einseitige Angebote auf den Tisch gelegt hat, denen letztlich keinerlei Gegenangebote gegenüber gestanden sind. Ich appelliere an die Verhandler, die nun entstandene Pause dafür zu nutzen, gerade für die Entwicklungsländer und die ärmsten Staaten der Welt tätig zu werden und nach dem europäischen Vorbild die Grenzen zu öffnen. Nur so kann Millionen Menschen wirksam geholfen werden. Von einem USA- und Übersee-dominierten Verhandlungsergebnis, wie es sich am Schluss abgezeichnet hat, hätten nur internationale Handelskonzerne profitiert, wie selbst die OECD festgestellt hat“, so Schwarzböck abschließend


Aktualisiert am: 06.09.2006 08:55
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