Schrankenlose Globalisierung oder fairer Agrarhandel?

Der österreichische Bauernbund und die Landwirtschaftskammer Österreich luden zusammen mit den Bündnispartnern der Bischofskonferenz und der Entwicklungshilfeorganisationen zu einer WTO-Informationskundgebung.

Die Informationskundgebung von Bauernbund und Landwirtschaftskammer hatte den Zweck, rund 400 Bauern aus ganz Österreich über den aktuellen Stand in Sachen WTO-Verhandlungen zu informieren. Es sprachen Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch und Landwirtschaftskammerpräsident Rudolf Schwarzböck, sowie die Minister Josef Pröll und Martin Bartenstein.

entscheidende Wochen

„In den nächsten Wochen stehen für die Landwirte Europas mit weiteren Handelsliberalisierungen als Ergebnis der WTO-Ministerkonferenz und dem Beschluss eines EU-Budgets für die Finanzperiode 2007 bis 2013 gravierende und weit reichende Entscheidungen an. Es geht darum, dass diese Entscheidungen nicht eine neuerliche Reform auslösen“, stellte Schwarzböck fest. Er wandte sich vehement gegen Pläne der Ratspräsidentschaft, die die europäische Agrarpolitik erneut radikal reformieren will. Nach Blairs Vorstellungen käme es zu einem Auslaufen aller Ausgleichszahlungen und einer Halbierung des Budgets für die „Ländliche Entwicklung“. „Das wollen weder die Bauern noch die Konsumenten“, so Schwarzböck.

Kritik an Mandelson

Grillitsch warnte, dass bei den Verhandlungen in Hongkong das bewährte europäische Landwirtschaftsmodell am Spiel stehe: Sein Appell in diesem Zusammenhang: „Wir brauchen einen fairen statt einen schrankenlosen Welthandel und wir brauchen die Balance zwischen Wettbewerb und sozialer Verantwortung.“ Eine weitere Forderung des Bauernbundes betrifft jene nach Schutzzöllen für „sensible“ Produkte wie Fleisch, Milch und Zucker.

„Landwirtschaft ist nicht der Lastesel“

Für die WTO-Verhandlungen sei die GAP-Reform 2003 der äußerste Rahmen, der an Zugeständnissen gemacht werden könne und dürfe. Schwarzböck wörtlich: „Die Landwirtschaft ist nicht in der Lage, Lastesel für die in den Nationalstaaten angesiedelte Arbeitsmarktpolitik oder die Exportwünsche der Industrie zu sein. Auch das Opfern der gesamten EU-Landwirtschaft, deren Anteil an der Volkswirtschaft nur mehr drei Prozent beträgt, am Altar des liberalisierten Freihandels kann die Probleme der restlichen 97 Prozent der Volkswirtschaft nicht lösen.“

Verbündete mit an Bord

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen ein Vertreter der Bischofskonferenz, ein Entwicklungshelfer, eine Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft Entwicklungszusammenarbeit sowie der Agrarexperte im Wirtschafsforschungsinstitut, Franz Sinabell, und Ernst Karpfinger, Chef der Rübenbauern, teil und brachten weitere Sorgen und Bedenken zum Thema Liberalisierung der Weltagrarmärkte zum Ausdruck.


Aktualisiert am: 22.12.2005 13:53
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