Schmid Lenktriebachsanhänger im Einsatz

Transportarbeiten in der Hangbewirtschaftung sind die Domäne des Transporters. Mit dem Lenktriebachsanhänger bietet der Schweizer Urs Schmid dazu eine Alternative an. Dank einer automatischen Knickdeichselsteuerung kann er sogar mehr als ein Transporter. Wir haben beide Systeme miteinander verglichen.
Mit dem Lenktriebachsanhänger von Urs Schmid kann jedes „Transporter-Gelände“ befahren werden.
Mit dem Lenktriebachsanhänger von Urs Schmid kann jedes „Transporter-Gelände“ befahren werden.
Unser Vergleichstest mit der BLT Wieselburg hat gezeigt, dass dieser Lenktriebachsanhänger eine ernstzunehmende Technik in der Hangmechanisierung ist. Wer bereits einen passenden Traktor dazu besitzt, kann sich bei der Investition viel Geld sparen. Aber selbst wenn ein Traktorneukauf ins Haus steht, ist diese Mechanisierungsform meist günstiger. Über den Front- und Heckanbau, sowie die Möglichkeit einen Frontlader zu montieren, ist der Traktor vielseitiger einzusetzen. Gesamtbetrieblich betrachtet lassen sich so die Fixkosten deutlich senken.
Schmid bietet dieses neuartige Lenktriebachssystem in zwei Varianten an: Im „Landwirt“-Test stand die Variante „Lenktriebachs-Sattelanhänger“ mit dem sich sämtliche Aufbauladewägen, Miststreuer, Güllefässer und Kipperbrücken betreiben lassen. Auf Wunsch baut der Erfinder das System auch in Ladewägen bis 30 m³ ein.

Dank der Knickdeichselsteuerung hat das Triebachs-Gespann im Gelände Vorzüge gegenüber dem Transporter.
Dank der Knickdeichselsteuerung hat das Triebachs-Gespann im Gelände Vorzüge gegenüber dem Transporter.
Schweizer Präzision
Urs Schmid hat nach eigenen Angaben eine ausführliche Risikoanalyse erstellt und auf dieser Basis ein Pflichtenheft für die Entwicklung erarbeitet. Er lässt die wichtigsten Komponenten von Spezialisten fertigen und baut diese dann zusammen. Der Lenkcomputer mit der gesamten Elektronikeinheit, die CAN-Bus-Steuerung und das Bedienterminal werden vom süddeutschen Hersteller „Mobil Elektronik“ gefertigt.
Den dazu passenden Hydraulikblock liefert Bucher-Hydraulik. Dieser lässt sich einfach vom Betrieb mit einer Kontstantpumpe auf ein Load-Sensing-System umstellen. Die gesamte elektronische Steuerung, der Lenkcomputer, die Lenkeinheit, die Sensoren etc. sind für 80 km/h freigegeben. Diese Komponenten werden auch im Personentransport verwendet. Das zeigt eindrucksvoll, dass Schmid bei der Entwicklung des Lenktriebachsanhängers bei der Sicherheit keine Kompromisse eingegangen ist.

Das Elektroniksystem und der Hydraulikblock sind für einen Temperaturbereich von -40 °C bis +70 °C ausgelegt und bis 80 km/h zugelassen.
Das Elektroniksystem und der Hydraulikblock sind für einen Temperaturbereich von -40 °C bis +70 °C ausgelegt und bis 80 km/h zugelassen.
Der Triebachsantrieb
Die Anhängerachse wird wegabhängig vom Traktor aus mit einer Zapfwelle angetrieben. Dazu ist traktorseitig ein relativ aufwändiger Umbau notwendig, da die Wegzapfwelle mit einem zweiten Zapfwellenstummel am Traktor bereitgestellt werden muss. Über die Motorzapfwelle wird das Ladeaggregat angetrieben. Die Kosten für den Umbau belaufen sich je nach Aufwand zwischen 3.000 und 6.000 Euro inkl. MwSt. Der Triebachsantrieb ist per Knopfdruck über das Bedienterminal in der Traktorkabine ein- und auszuschalten. Dabei wird hinten an der Achse eine Riemenkupplung betätigt. Beim Einschaltvorgang werden die zehn Keilriemen hydraulisch gespannt. Bei einer Geschwindigkeit von 12 km/h schaltet sich der Antrieb automatisch aus. Laut Schmid ist die Riemenkupplung der Schlüsselteil des gesamten Antriebstrangs. Sie kann im Gegensatz zu Zahnradgetrieben eventuell auftretende Spannungen im Antriebsstrang kompensieren. Über Planetenendantriebe wird die Kraft auf die Räder übertragen. Darin befinden sich im Ölbad laufende nasse Bremsen. Die hydraulisch betätigte Betriebsbremse des Anhängers ist mit einer Abreißkupplung versehen, die im Notfall eine Vollbremsung auslösen würde.
Die Anhängerachse wird wegabhängig vom Traktor aus mit einer Zapfwelle angetrieben.
Die Anhängerachse wird wegabhängig vom Traktor aus mit einer Zapfwelle angetrieben.

Die Lenktriebachse hat eine Tragkraft von 6,6 t bei 40 km/h. Damit hebt sich der Anhänger von den Transportern deutlich ab, die an der Hinterachse alle rund 2 t weniger Achslast zu Wege bringen. Die Nutzlast dieses Anhängers beträgt knapp 5 t. Aufgrund der hohen Achs last und der Belastung durch die Lenkbewegungen musste Schmid spezielle Doppelräder anfertigen lassen. Diese stützen sich nicht auf den Felgenrändern ab, sondern direkt auf der Narbe.

Weitere Einzelheiten über die Lenk- und Knickdeichselsteuerung und über die Bedienung dieser Technik erfahren Sie in der Ausgabe 18/2012 unserer Fachzeitschrift „Der fortschrittliche Landwirt“.

Aktualisiert am: 20.09.2012 09:13
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