Schitourengehen bringt Konflikte

„Schitourengehen“ erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Bis zu 700.000 Österreicherinnen und Österreicher üben mittlerweile diese Trendsportart aus. Die Zuwachsraten liegen jährlich bei drei bis fünf Prozent.
Schitourengehen wird immer beliebter.
Schitourengehen wird immer beliebter.
„Mit zunehmender Beliebtheit steigen jedoch die Konfliktpotenziale mit der Natur, insbesondere mit dem Wald und den Wildtieren“, zeigt der steirische LK-Vizepräsident Johann Resch auf und verlangt daher von den Schitourengehern „Fair Play“. Weiters appelliert er an die Schitourengeher einen Verhaltens-Codex einzuhalten, um Schäden am Wald, bei den Wildtieren und in der Natur zu vermeiden.

Auswirkungen auf den Wald
„Durch unvorsichtiges Abfahren können Schitourengeher große Schäden an Jungwäldern und Aufforstungsflächen anrichten“, unterstreicht Resch ferner. So werden beim Schifahren im Wald insbesondere die jungen Bäume von den scharfen Schikanten beschädigt oder zerstört. In der Folge verkrüppeln die Bäume und werden schneller von Pilzen befallen. Die Schutzfunktion des naturnahen Bergwaldes kann so verloren gehen.
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Wild wird gestört
Der steirische Landesjägermeister Heinz Gach erklärt: „Ein flüchtendes Wildtier hat einen erhöhten Energieverbrauch, den es nach der Flucht decken muss. Beunruhigte Wildtiere verbrauchen bei der Flucht bis zu zehnmal mehr Energie als im Ruhezustand. Das führt zu einem gesteigerten Nahrungsbedarf des Wildes, was folglich zu zusätzlichen Verbiss- und Schälschäden an den Bäumen führt“, erläutert der Landesjägermeister.
Murmeltier, Dachs, Bär und Eichkätzchen verschlafen als Überlebensstrategie den Winter einfach. Aber auch Hirsch und Reh fahren in dieser Zeit ihre Körperaktivitäten zurück – auch den Herzschlag – und sparen damit Energie. Werden sie in dieser Phase gestört, muss ihr „Motor“ urplötzlich voll hochgefahren werden. Können die dabei verbrauchten Energiereserven nicht ersetzt werden, führt das zur Schwächung, manchmal sogar zum Tod der Wildtiere. Noch empfindlicher sind Raufußhühner wie beispielsweise Auerhuhn, Birkhuhn oder Schneehuhn. Wenn es stürmt und schneit, lassen sich diese Tiere einschneien. Bald sitzen sie in einer kleinen Schneehöhle wie in einem Iglu. Darüber hinweg brausende Schikanten können sie verletzen. Und: Wegen der fehlenden Möglichkeit Fettreserven anzulegen, führen Störungen oft rasch zum Hungertod.

Alpenverein verlangt Rücksicht
„Immer mehr Menschen zieht es in ihrer Freizeit hinaus in die Natur. ‚Schitourengehen’ wird immer populärer. Doch der zunehmende Wintersport führt auf engem Raum naturgemäß zu unterschiedlichen Nutzungsinteressen. In sensiblen Bereichen – gefährdete Tierwelt und generell im Jungwald – können Lenkungsmaßnahmen zweckmäßig sein“, bestätigt Norbert Hafner, Vorsitzender des Österreichischen Alpenvereins, Landesverband Steiermark. Der internationale Dachverband der Alpenvereine (CAA) erhebt seine Stimme für die Wildtiere und regt mit dem Folder „Naturverträgliche Wintertouren“ ein sensibles Verhalten in der Bergnatur an. Mit ein wenig Rücksicht lassen sich Konflikte vermeiden und damit aktive Naturerlebnisse so richtig genießen.


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Aktualisiert am: 24.01.2010 22:49
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