Schafhaltung: Umstieg von Milchkühen auf Mutterschafe - rechnet sich das?

Das Grünland könnte neben anderen Formen der Rinderhaltung auch über Schafe genutzt und gepflegt werden. Ob sich der Einstieg in die Lämmermast rechnet, analysiert der folgende Beitrag anhand eines Bergbauernbetriebs.
Durch den Umstieg auf Lämmermast lassen sich viele Arbeitsstunden einsparen.
Durch den Umstieg auf Lämmermast lassen sich viele Arbeitsstunden einsparen.
Die Entscheidung, ob ausschließlich Lämmer oder auch Zuchttiere verkauft werden, wirkt sich erheblich auf den Deckungsbeitrag je Mutterschaf aus. Werden alle bis auf die Bestandesergänzung benötigten Lämmer als Masttiere verkauft, errechnet sich unter den getroffenen Annahmen ein Deckungsbeitrag von 97 Euro je Mutterschaf. Dieser Betrag erhöht sich auf knapp 140 Euro je Muttertier, wenn die Hälfte der weiblichen Lämmer als Zuchttiere aufgezogen und vermarktet werden (180 Euro je Stück). Eine weitere Variante zeigt die Wirkung von zehn Prozent höheren Preisen für Lämmer und weibliche Zuchttiere, der Deckungsbeitrag steigt auf 161 Euro je Muttertier.

Schafhaltung bei Zuchttierverkauf konkurrenzfähig
Die Variante mit Verkauf von weiblichen Zuchttieren verbessert das Betriebsergebnis in der Schafhaltung signifikant. Das Einkommen liegt ungefähr gleich wie mit Milchkühen, wenn zur Fortführung der Milchproduktion in den Kuhstall investiert werden müsste. Das Einkommen je Arbeitskraftstunde (AKh) verbessert sich auf acht Euro, weil um 450 AKh weniger gearbeitet werden muss (gegenüber der reinen Lämmermast werden zusätzlich zwei AKh je Muttertier kalkuliert). Zehn Prozent höhere Preise für Lämmer und Zuchttiere verbessern das Ergebnis der Schafhaltung um weitere 2.550 Euro. Unter dieser Voraussetzung läge das Einkommen je Arbeitskraftstunde sogar höher als bei der Milchkuhhaltung ohne Ersatzinvestition.

Fazit
Die hier präsentierten Berechnungen liefern nur eine allgemeine Orientierung und ersetzen nicht eine genaue Prüfung und Beratung im Einzelfall. Dennoch lassen sich folgende Tendenzen ableiten:
Die Lämmermast ohne Zuchttierverkauf ist gegenüber der Milchproduktion nicht konkurrenzfähig, wenn es um die Verwertung der Fläche geht. Nur wenn bei der Umstellung Arbeitszeit freigesetzt und diese gewinnbringend in anderen Erwerbsformen eingesetzt werden kann, lässt sich damit das Gesamteinkommen des Betriebs bzw. Haushalts eventuell erhöhen.
Ein Engagement in der Züchtung könnte die Wettbewerbsfähigkeit der Mutterschafhaltung signifikant verbessern. Bei erfolgreicher Zucht und guten Verkaufserlösen ist ein vergleichbares Einkommen wie bei der Milch möglich. Persönliche Neigungen und betriebliche Voraussetzungen dafür sind jedoch eingehend zu prüfen.
Positiv für den Einstieg in die Schafhaltung ist der Umstand, dass bei der Umstellung zurzeit keine externen Finanzmittel benötigt werden, da der Verkauf der Milchquote noch Geld einbringt. Besteht Interesse für eine Umstellung, sollte daher rasch gehandelt werden, da das Datum für das Ende der Milchquote näher rückt.

Autor: Dr. Leopold KIRNER, Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Wien


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Aktualisiert am: 07.12.2009 14:02
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