Schaf- und Ziegenmilch: Kleine Märkte mit großen Chancen

Die Produktion von Schaf- und Ziegenmilch erlebt in Österreich zurzeit einen großen Aufschwung. Oft sind diese Produkte eine mögliche Alternative, wenn jemand an einer Kuhmilchallergie leidet. Aber auch für den Landwirt kann die Schaf- oder Ziegenmilcherzeugung eine interessante Alternative zur Rinderhaltung sein. Speziell dann, wenn es darum geht, den vorhandenen alten Rinderstall in einen, den Anforderungen des Tierschutzgesetzes entsprechenden Stall, umzubauen. Der finanzielle Aufwand für einen Schaf- oder Ziegenstall ist wesentlich geringer.
Artgerechte Haltung gewährleistet einen gesunden Bestand und ermöglicht hohe Leistungen.
Artgerechte Haltung gewährleistet einen gesunden Bestand und ermöglicht hohe Leistungen.
Schaf- und Ziegenmilch kann mehr. So haben spanische Forscher entdeckt, dass Ziegenmilch sehr viele positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat und beispielsweise bei Eisenmangel die Eisenverfügbarkeit erhöhen kann. Eine weitere Studie hat gezeigt, dass die Oligosaccharide in Ziegenmilch im Tiermodell Entzündungen reduzieren kann. Bislang gibt es überzeugende Beweise aus Laborstudien – weiterführende Humanstudien sind jedoch noch von Nöten.
Oftmals wird Schafmilch vor allem durch die, möglicherweise, große Menge an enthaltener Orotsäure, beworben. Orotsäure ist eine Vorstufe der Bausteine für die Erbsubstanz und soll sich positiv auf Leber und Herz auswirken. Der gesundheitliche Nutzen ist aber bis lang noch kaum untersucht und muss von der Forschung in den nächsten Jahren weiter beleuchtet werden. Die Salze der Orotsäure, die im Körper auch als Transportmolekül für Magnesium dienen, werden als Medikamente in der Behandlung von degenerativen Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose) sowie bei Migräne und Depressionen eingesetzt.

Wirtschaftlichkeit
Die Milchschaf- und Milchziegenhaltung hat in den vergangenen Jahren als mögliche Alternative zur Milchkuhhaltung an Bedeutung gewonnen. In Österreich nimmt die Anzahl der Milchkühe stetig ab, weil durch die Leistungssteigerung weniger Milchkühe benötigt werden. Schafe und Ziegen könnten somit in Zukunft eine größere Rolle bei der flächendeckenden Bewirtschaftung und der Offenhaltung von Kulturlandschaften spielen. Die Milchproduktion mit Schafen und Ziegen erfordert keine Kosten für Milchlieferrechte, weil es keine Milchquotenregelung gibt. Die Umstellung auf Milchschaf- oder Milchziegenhaltung verlangt jedoch seitens der Bauern ein hohes Maß an Eigeninitiative. Beide Betriebszweige stellen Nischen innerhalb der österreichischen Landwirtschaft dar, weshalb es weniger Anbieter für Betriebs- und Produktionsmittel sowie weniger Abnehmer für ihre Produkte gibt. Lösungen bei bestimmten Problemen müssen häufiger im Alleingang gesucht und gefunden werden. Im Folgenden soll anhand von Beispielskalkulationen die Wirtschaftlichkeit der Schaf- und Ziegenmilchproduktion durchleuchtet und mit der Milchkuhhaltung verglichen werden. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf Betrieben, die ihre Milch an Molkereien liefern.
Zur Milchschaf- und Milchziegenhaltung existieren keine standardisierten betriebswirtschaftlichen Arbeitskreisauswertungen in Österreich. Die folgenden Berechnungen beruhen daher auf produktionstechnischen und betriebswirtschaftlichen Kalkulationsgrundlagen verschiedener Quellen: Annahmen auf Basis der Deckungsbeiträge und Daten für die Betriebsplanung 2007/2008, wissenschaftliche Untersuchungen sowie Erhebungen auf Praxisbetrieben. Die Wirtschaftlichkeit der Milchschaf- und Milchziegenhaltung ist vor allem Ergebnis von Produktionstechnik, Produkt- bzw. Faktorpreisen und Betriebsgröße. Daher werden diese Einflussgrößen in der Broschüre variiert, um die Bandbreite von möglichen Ergebnissen aufzuzeigen.

Die Schaf- und Ziegenmilchproduktion stellt eine Alternative für Landwirte dar, die eine neue Perspektive für ihren Betrieb suchen. Signifikant ist die höhere Flächenproduktivität als bei der Milchkuhhaltung, jedoch darf man den ebenso höheren Arbeitszeitbedarf nicht außer Acht lassen. Weiters ist die Abnahme und Verarbeitung derzeit nur in gewissen Regionen gewährleistet, in Regionen wo dies nicht der Fall ist, sollte die Möglichkeit der eigenen Verarbeitung und Direktvermarktung genau geprüft werden.

Literaturtipp
Schaf- und Ziegenmilchproduktion in Österreich und Europa. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, 2008.
In dieser Broschüre finden Sie auch das gesamte Verzeichnis der in dieser Beilage zitierten Quellen.

Bezug über: Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, Abt. III/6, Tel: 01 71100 2872 (Fr. Wagner)
Abteilung.36@lebensministerium.at

Autoren: Dr. Ferdinand RINGDORFER, LFZ Raumberg-Gumpenstein, DI Christian ROSENWIRTH, Lebensministerium, Wien DI Josef HAMBRUSCH, AWI und Mag. Christina DEIX, Lebensministerium


Autor:
Aktualisiert am: 10.06.2008 11:27
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