Sauenfütterung: Das Schwein braucht „gute" Rohfaser

Ausreichend und gute Rohfaser ist der Schlüssel zur Darm- und Tiergesundheit. Dieser Grundsatz gilt für alle Produktionsstufen der Schweinehaltung - von der Zuchtsau bis zum Mastschwein - gleich. Doch welcher Rohfaserträger ist für welches Tier optimal?
Es ist ein Irrglaube, dass hohe Rohfasergehalte die Zunahmen in der Mast drücken.
Es ist ein Irrglaube, dass hohe Rohfasergehalte die Zunahmen in der Mast drücken.
Von der menschlichen Ernährung wissen wir, wie wichtig „Ballaststoffe“ für die Gesundheit des Verdauungstraktes sind. Neben einer gesunden Darmmotorik sorgt die Rohfaser auch bei uns Menschen für Sättigungs- und Wohlgefühl. Leider ist die Rohfaser in der Schweinefütterung immer mehr in den Hintergrund getreten. Verschärft wird dies durch die Kostensituation, da etwa Mais wieder deutlich billiger als viele klassische Rohfaserträger geworden ist.
Bei all diesen Umständen sollte aber die große Bedeutung der Rohfaser im Zusammenhang mit der Tiergesundheit bedacht werden.

Trockenschnitzel sind „Sattmacher“
In der Mastschweinefütterung schafft die Rohfaser unter anderem eine „mechanische“ Sättigung durch das Aufquellen der Rohfaser im Darm. Somit steigt das Wohlbefinden und sorgt für mehr Ruhe im Stall. Dieser Sättigungsparameter wird häufig über den Wasserhaltekapazität-Index angegeben. „Sättigungschampion“ sind hier die Trockenschnitzel, die 3,4 Liter Wasser je kg Trockenschnitzel binden können, gefolgt von Sojabohnenschalen (2,8 l/kg Wasser) und den Kleien mit 2,4l/kg. Die Gerste liegt mit 1,3 l/kg relativ niedrig. Unter den Getreidearten wäre Hafer mit 1,9 l/kg der „Champ“. Allerdings gilt Hafer aufgrund des Risikos der Keimbelastung nicht als gutes Schweinefutter. Bei Mästern, die speziell auf Rohfaser achten, haben sich die Trockenschnitzel als die idealen Sattmacher in der Mast durchgesetzt. Nebenbei reduzieren diese auch Schwanz- und Ohrenbeißer.

Rohfaser steigert Magenvolumen
Nachgewiesen ist, dass jene Sauen, die in der Trächtigkeit viel Rohfaser (über 70 g Rohfaser) aufgenommen haben, damit ihren Magen und Darm auf Volumen trainiert haben. Die Konsequenz daraus ist, dass diese Sauen in der Säugezeit mehr Säugefutter fressen und dadurch weniger auf die Körperfettreserven zurückgreifen müssen. Zudem reduziert die Rohfaser nachweislich MMA, da die funktionierende Verdauung keine Colitoxine in die Blutbahn gelangen lässt und diese dadurch im Gesäuge nicht ihr „Unwesen“ treiben können. Nach meinem Dafürhalten wird die Harnansäuerung im geburtsnahen Zeitraum überschätzt, viel wichtiger ist ein weicher und sämiger Kot, der sich mit dem Stiefel leicht verschmieren lässt. Haben Sie das erreicht, dürfte Milchfieber der Vergangenheit angehören.

Autor: Johann ZIMMERMANN, Amt für Landwirtschaft und Forsten Passau-Rotthalmünster (D)


Aktualisiert am: 04.02.2009 16:19
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