Sauen: Praktische Lösungen für die Stimulation

Eberlaufgänge mit Schwenktoren zur Abtrennung der zu stimulierenden Sauengruppen gelten als Stand der Technik. Wie mit mehr oder weniger kreativen Alternativen auch gute Fruchtbarkeitsleistungen erzielt werden können, zeigen drei Praxisbeispiele.
Eberlaufgänge mit Schwenktüren gelten als „Stand der Technik“.
Eberlaufgänge mit Schwenktüren gelten als „Stand der Technik“.
Der Slogan „Im Deckstall wird das Geld verdient“ beschreibt sehr treffend die Bedeutung der Abläufe im Deckzentrum für den wirtschaftlichen Erfolg in der Ferkelproduktion. Nach dem Absetzen gilt es, alle Sauen in der Gruppe schnellst möglich in die Rausche zu bekommen und zu besamen. Der Erfolg hängt von der optimalen Stimulation der Sauen ab.

Eberkontakt
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass eine optimale Duldungskontrolle den zweimaligen täglichen Kontakt mit einem geschlechtsaktiven Eber außerhalb der Fütterungszeiten erfordert. Da in der Regel nur ein Rüsselkontakt zwischen Sau und Eber dargestellt werden kann, müssen die taktilen Reize durch Reit- und Stütztest vom Menschen imitiert werden. Die Stimulation der Sauen durch den geschlechtsaktiven Eber ist auch beim eigentlichen Besamungsvorgang von größter Wichtigkeit. Die zu belegenden Sauen weisen einen Duldungsreflex auf, der zusätzlich durch den optischen Reiz, die Laute und den Geruch des anwesenden Stimulierebers verstärkt wird. Diese Stimulationsphase dauert in individueller Abhängigkeit zwischen 5 und 15 Minuten und nimmt dann für ca. 45 bis 60 Minuten bis zum nächsten Stimulationshöhepunkt wieder ab. In diesen 10 Minuten muss die Besamung erfolgen. Sowohl bei der Duldungskontrolle als auch bei der Besamung ist also der intensive und zeitlich ausreichende Kontakt zwischen Sau und Eber herzustellen.

Der Eber an der Leine
Wenn Personal nicht knapp und der Eber verträglich ist, eröffnen sich ganz andere Möglichkeiten zur Stimulation der Zuchtsauen. In einem mexikanischen Ferkelerzeugerbetrieb 450 km nordwestlich von Mexiko City werden 2500 Sauen im Wochenrhythmus mit 21 Tagen Säugezeit gehalten. Nach dem Absetzen der Ferkel kommen die Sauen bis zur ersten Duldung in Stimulationsbuchten. Jungsauen, primipare und Altsauen befinden sich jeweils in Buchten, die täglich zweimal von einem Eber begangen werden. Zur Besamung kommen die Tiere in den kombinierten Besamungs- und Wartestall. Die Besamung erfolgt duldungsorientiert und wird mit Hilfe eines Brunstkalenders dokumentiert und ausgewertet. Der Besamungsstall ist zwischen den Sauenreihen mit einem Eberlaufgang ausgestattet, jedoch fehlen die gewünschten Schwenktüren. Abhilfe schafft ein Mitarbeiter des Betriebs, der einen Eber an einer Leine vor den zu besamenden Sauen herführt. Fünf andere Mitarbeiter führen die Besamungen in der entsprechenden Reihe durch. Die Umrauscherquote ist mit durchschnittlich unter 10 % als gut zu bewerten. Die Fruchtbarkeitsleistungen sind durch PRRS beeinflusst und stellen die Anlagenbetreiber nicht zufrieden. Dennoch: Mit derzeit 27,6 gesamt geborenen Ferkeln je Sau und Jahr sieht man sich derzeit in einer Aufschwungphase und schwört auf die Sauen-Stimulation durch den an der Leine geführten Eber.

Fazit
Die Praxis zeigt, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, Sauen erfolgreich zu stimulieren und somit gute Besamungs- und Fruchtbarkeitsleistungen zu erzielen. Ungünstige bauliche Gegebenheiten müssen daher nicht zwangsweise schlechte Besamungsergebnisse bedeuten. Langfristig empfiehlt es sich, arbeitswirtschaftlich ausgerichtete Strategien im eigenen Betrieb umzusetzen.

Autor: Stefan VIEBAHN, SVIFT Ingenieurbüro für Tierproduktion, Marienheide (D)


Aktualisiert am: 21.09.2009 17:55
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