Sauen Gruppenhaltung auch in Deutschland nicht problemlos

Die Umstellung auf die verpflichtende Gruppenhaltung ist im gesamten EU-Raum derzeit aktuell. Dass es auch in Deutschland Probleme bei der Umsetzung gibt, berichtet der Landvolkverband.
Die Gruppenhaltung tragender Sauen beschäftigt derzeit europaweit die Branche.
Die Gruppenhaltung tragender Sauen beschäftigt derzeit europaweit die Branche.
Auch in Deutschland stehen die Landwirte vor der Umsetzung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und der damit verbundenen Umstellung auf die Gruppenhaltung. Ab der vierten Trächtigkeitswoche bis zu einer Woche vor dem errechneten Geburtstermin sind die Sauen ab 1.1.2013 in Gruppen zu halten. „Unsere Betriebsleiter müssen dazu viel Geld in die Hand nehmen, können ihre Höfe aber betriebswirtschaftlich nicht weiter entwickeln“, erklärte Hubertus Berges, Vorsitzender des Landesbauernverbandes in Cloppenburg. Die Kosten für eine Umstellung auf die Gruppenhaltung liegen zwischen 250 und 400 Euro. Bei einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 250 Sauen kämen damit Investitionen in Höhe von 60.000 bis 100.000 Euro zusammen - ein Betrag, den nach der langen Talfahrt der Ferkelpreise derzeit kein Sauenhalter als liquide Mittel zur Verfügung habe. Diese Investition bringe zusätzlich keinen Gewinn, eventuell führe dies sogar zu einer Verkleinerung der Bestände, gab der Landvolkverband zu bedenken. Erschwerend komme hinzu, dass in Deutschland die neuen Vorgaben nicht überall gleich ausgelegt würden und selbst Stallausrüster oder Veterinäre den Landwirten wenig hieb- und stichfeste Hinweise an die Hand geben könnten.

Viele Betriebe stellen Schweineproduktion ein
Laut Darstellung des Landvolkverbandes gehen Branchenkenner davon aus, dass in den norddeutschen Veredlungshochburgen Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein - ähnlich wie in Dänemark - die von der EU vorgeschriebene Umrüstung bereits in zwei von drei Betrieben realisiert wurde. In den Niederlanden dürfte dagegen erst jeder zweite Sauenhalter die Initiative zur Umrüstung ergriffen haben. In vielen anderen EU-Staaten gingen Marktbeobachter von nur jedem dritten Sauenhalter aus, der die EU-Vorgaben bereits jetzt erfülle. In Niedersachsen verunsichere die Betriebsleiter aktuell die Diskussion um den Tierschutzplan zusätzlich, erklärte das Landvolk. Die Sauenhalter befürchteten weitere Vorgaben des Landes, die dann erneut erhebliche Investitionskosten nach sich ziehen könnten. Dazu aber fehle den Landwirten schlichtweg das finanzielle Polster. Eine Reihe von Betriebsleitern sei daher nicht mehr bereit, Investitionen vorzunehmen und denke über eine Betriebsaufgabe nach. Damit dürfte schon jetzt feststehen, dass durch die Verschärfung der Haltungsvorschriften der Strukturwandel im Schweinebereich wieder einmal angeheizt werde.


Aktualisiert am: 17.03.2012 14:59
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