Säugenden Sauen trocken oder flüssig füttern?

Um trotz der steigenden Anzahl an Saugferkeln gute Absetzgewichte zu erzielen und Substanzverluste bei den Sauen zu vermeiden, muss das Ziel eine Steigerung der Futteraufnahme bei den Sauen sein. Ob sich die Trocken- oder die Flüssigfütterung dafür besser eignet, wurde im LZ Haus Düsse untersucht.

Die Futteraufnahme ist bei der ad libitum Flüssigfütterung im Schnitt um 7 kg höher als bei der Trockenfütterung.
Die Futteraufnahme ist bei der ad libitum Flüssigfütterung im Schnitt um 7 kg höher als bei der Trockenfütterung.
In den letzten Jahren konnte eine unerwartet hohe Leistungssteigerung in den Ferkelerzeugerbetrieben erzielt werden. Nicht selten werden mehr als 24 abgesetzte Ferkel pro Sau und Jahr erreicht. Die Gründe dafür sind einerseits die züchterischen Erfolge der Zuchtunternehmen und andererseits das verbesserte Haltungs-, Gesundheits- und Fütterungsmanagement. Verbesserungsmaßnahmen haben immer das Ziel, möglichst mehr Wohlbefinden bei den Sauen zu erreichen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei natürlich dem Geburtszeitraum und der anschließenden Säugezeit. Gelingt es nicht, die Sauen zur verstärkten Futteraufnahme zu motivieren, sind die erforderlichen hohen Milchleistungen nur mit übermäßigen Substanzverlusten von über 10 % zu erreichen. Bei zu geringen Milchleistungen sind Ferkel mit geringer Vitalität zu erwarten. Um die tägliche Milchleistung zu möglichst großen Teilen aus dem Futter zu gewinnen, muss das Futter in guter Qualität und in entsprechender Form dargeboten werden. Viele Sauenhalter stellen sich dabei die Frage, ob die Sauen besser flüssig oder trocken gefüttert werden sollen.

Futterverbrauch
Die höheren Substanzverluste bei der Trockenfütterung und der Wellness-Flüssigfütterung erklären sich in erster Linie aus dem geringeren Futterverbrauch von 125,8 kg bzw. 122,8 kg lufttrockenem Futter gegenüber 132,2 kg bei der Variante Flüssig – ad libitum Fütterung. Bei einer angenommenen Futterverwertung von 1:3 kann davon ausgegangen werden, dass bei der Trockenfütterung sowie der Flüssigfütterung nach Wellness zusätzlich höhere Futterverluste zu beklagen waren. Wie aus Abbildung 3 ersichtlich wird, erklärt sich der höhere Futterverbrauch bei der Flüssig - ad libitum- Fütterung durch eine höhere Anzahl an Sauen, die über 120 kg in der Säugezeit aufgenommen haben. Beim Vergleich der Variante Trockenfütterung mit der Flüssigfütterung nach Wellness zeigt sich beim Futterverbrauch nur ein geringer Unterschied von 3 kg.

Fruchtbarkeit im Folgewurf
Ferner wurden die Auswirkungen auf die anschließende Fruchtbarkeit im Folgewurf ausgewertet. Bei der Trockenfütterung konnten sehr geringe Vorteile im Bezug auf lebend geborene Ferkel und auf die Umrauschquote im Folgewurf beobachtet werden. Die Ursachen hierfür könnten unter Umständen in der besseren Troghygiene bei der Trockenfütterung zu suchen sein.

Erfahrungen mit der Technik
In der täglichen Arbeit zeigte sich der Einsatz der Spotmixanlage und der Trogsonden aus technischer Sicht unproblematisch. Generell gilt aber, dass auch beim Einsatz von Trogsonden eine tägliche Anpassung und Trogkontrolle unerlässlich ist. Besonderes Augenmerk sollte vor allem in den Sommermonaten auf den Frischegrad des Fliessfutters gelegt werden. Ähnlich wie bei der herkömmlichen Handfütterung gilt auch bei der Sensorfütterung, dass auf ein gutes Augenmaß nicht verzichtet werden kann.

Fazit
Bei einem Vergleich von Trocken- und Flüssigfütterungssystemen bei säugenden Sauen konnte festgestellt werden, dass bei vergleichbaren Aufzuchtleistungen die Futteraufnahme bei den ad libitum flüssig gefütterten Sauen im Schnitt um 7 kg höher war. Diese höhere Futteraufnahme wirkte sich vor allem in einem um 6 kg geringeren Substanzverlust bei den Sauen aus.

Autoren: Dr. Gerhard STALLJOHANN, Reinhard SCHULTE-SUTRUM und Johannes LÖRCKS, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Münster (D)


Aktualisiert am: 05.03.2009 13:59
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