Saatstärkeversuch: Ist weniger mehr?

Die in der Praxis gewählten Aussaatmengen für den Anbau von Winterweizen variieren oft sehr stark. In einem Praxisversuch wurden die Auswirkungen reduzierter Saatstärken auf das Ertragspotenzial verschiedener Sorten getestet.
Im Saatstärkeversuch wurde die Aussaatmenge stark reduziert.
Im Saatstärkeversuch wurde die Aussaatmenge stark reduziert.
Saatstärke ist keine einfache Zahl sondern hängt von vielen Faktoren ab. Je nach Sorte und Aufgangsverlust reichen zwischen 250 bis 350 (400) voll keimfähige Körner bei Normalsaatzeiten. Das ergibt im Schnitt etwa 190 bis 260 (über 300) Pflanzen. Anders gesagt könnten dies je nach TKG ca. 120 bis 185 kg je Hektar sein. Eine nicht überhöhte Saatstärkenwahl ist im folgenden Bestandesaufbau wesentlich besser zu führen als zu dichte Bestände. Eine exakte Ablagegenauigkeit in der Reihe von Saatgut ist besonders bei dünnen Saaten sehr wichtig.

Die exakte Aussaatstärke bei Getreide wird nach folgender Formel berechnet:Kornzahl je m² x Tausendkorngewicht : Keimfähigkeit (%) = Saatstärke in kg/haEmpfehlungen für diese Saatstärken können auch aus den Sortenbeschreibungen bzw. aus Firmen- und Versuchsergebnissen abgelesen werden. Sie müssen aber an den eigenen Betrieb und Feldtyp angeglichen werden. Mit einem Saatstärkeversuch sollte geklärt werden, ob verringerte Saatmengen auch geringere Erträge bewirken. Dabei wurden die Saatmengen um 50 % reduziert.

2011Das Erntejahr 2011 war gekennzeichnet durch eine sehr trockene Frühjahrswitterung, sodass die Bestandesdichten nicht sehr üppig waren. Außerdem kam der Weizen sehr schwach über den Winter und begann das Wachstum Anfang März in EC 13 bis 14. Auch die Wertprüfungsparzellen der Sortenwertprüfung auf diesem Betrieb waren dünn (420 bis 470 Ähren je m²) und trotzdem wurden sehr hohe Erträge erreicht. Die Ertragsfaktoren Kornzahl je Ähre und Tausendkorngewicht waren für die hohen Erträge verantwortlich. Der Versuchsschlag – ein Rendzina-Boden – weist 45 Bodenpunkte auf. Bei 320 Korn Saatdichte je Quadratmeter konnte mit einem Ertragsschnitt von 8.879 kg pro ha ein sehr hoher Ertrag erreicht werden.

Bei den Sorten Mulan und Pedro wurden die Saatmengen weiter auf 100 bis 110 Korn je m² reduziert. Bei Normalsaat erreichten beide Sorten im Schnitt 9.420 kg je ha. Bei Dünnsaat (180 Korn/m²) 8.846 kg pro ha und mit einem zusätzlichen Stickstoffangebot von 100 kg Kalkammonsalpeter (25 N) zum Start wurden 9.249 kg pro ha Ertrag erreicht. Bei starker Dünnsaat von 100 bis 110 Korn wurden 8.186 kg geerntet, bei einer zusätzlichen Startdüngungsgabe auch knapp 9.000 kg pro ha. Dabei gab es pro ausgesätem Korn 5 bis 7 Bestockungstriebe.

2010Das Ertragsniveau des Jahres 2010 war bedeutend geringer als 2011. Saatmengen von 200 bis 400 Körnern je m² brachten ähnliche Erträge (cirka 7.000 kg/ha). Lediglich die extreme Dünnsaat fiel deutlich ab (6.500 kg/ha). Die Spätsaat (ein Monat später Ende November) war ertraglich deutlich unterlegen. Die Spätsaaten führten zu geringen Erträgen und auch verspäteter Weizenentwicklung.

Autoren: Ing. Peter KÖPPL, Landwirtschaftskammer Oberösterreich und Dipl.-HLFL-Ing. Franz KASTENHUBER, abz Lambach.

Alle Ergebnisse des Praxistests können Sie in der Ausgabe 18/2011 nachlesen.


Aktualisiert am: 09.09.2011 14:08
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